Zwei Aspekte urbaner Entwicklung

Zwei Artikel sind mir kürzlich aufgefallen. Der eine ist diese Dokumentation der gemeinschaftliche Erschaffung eines Ladens und Informationszentrums für Urban Farming in Hackney, London. Das Projekt ‚Sill to Sill‘ wurde im Sinne der Wiederverwendung bereits vorhandener Materialien, also nachhaltig, und in Abstimmung mit der Nachbarschaft und in Einklang mit dem Viertel, durchgeführt. Dabei ist ein interessantes architektonisches Experiment gelungen, wie man den Bildern entnehmen kann.
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Auf der anderen Seite las ich (nicht zum ersten Mal), von dem Projekt, in der Eifelstadt Bad Münstereifel ein Outlet-Center zu installieren.

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Quelle: http://www.cityoutletbadmuenstereifel.com

Für die Stadt wäre es finanziell ein Glücksfall, da das Kurbadgeschäft rückläufig ist und es auch ansonsten nicht viele attraktive Arbeitsplätze gibt. Das Projekt könnte durchaus erfolgreich sein, nur frage ich mich, wie sich so ein massiver Eingriff in eine gewachsene Stadt auf die generelle Struktur (sozial wie architektonisch) auswirkt. Für mich ist das schon ein Sinnbild für die totale Kapitalisierung einer Gemeinde und die Pervertierung dessen, was ein Stadtkern mal für eine Stadt bedeutet hat. Wenn sich eine hübsche Stadt wie Bad Münstereifel nicht mehr anders zu helfen weiß, als ihre Innenstadt in einen seelenlosen Abklatsch jeder anderen Fußgängerzone umzuwandeln, dann finde ich das schon bedenklich. Des Weiteren stellt sich die Frage, wie langfristig so ein Projekt sein kann. Was ist, wenn sich die wirtschaftlichen Bedingungen ändern und es nicht mehr so rund läuft? Ist ein Rückbau möglich? Mal abgesehen, dass irgendwo für die tausenden Besucher auch Parkplätze geschaffen werden müssen.

Ich stelle diese beiden Projekte einfach mal gegenüber, um zu zeigen, wie unterschiedlich die Herangehensweisen an die Bedürfnisse von städtischen Gemeinden sein können und wie gegensätzlich Lösungen manchmal sind. In einer Millionenstadt wie London finden sich Nischen für Menschen, die sich mit Obst und Gemüse selber versorgen wollen und erfolgreich Projekte in dieser Richtung fördern. Auf der anderen Seite eine kleine geschichtsträchtige und idyllische Stadt in eher ländlicher Umgebung, die, um sich weiter erhalten zu können, ihr Schicksal in die Hände von Investoren legt.

Das ist die Welt in der wir leben.

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