Woher kommen die Namen für Medikamente? (Update)

Ein Thema, welches ich aus dem linguistischen Aspekt heraus sehr interessant finde. In erster Linie sind die Benennung von Medikamenten wichtig, um zu vereinfachen, da es für Ärzte wie Patienten wohl eine Zumutung wäre immer den eigentlichen Wirkstoffnamen zu wissen oder in der Apotheke nachzufragen, z.B. (RS)-2-(4-Isobutylphenyl) propionsäure statt einfach Ibuprofen.

Kombinatorik und länderspezifische Unterschiede

Es gibt offenbar verschiedene Herangehensweisen, wie Medikamente benannt werden. Im Allgemeinen setzen sie sich aus zwei Teilen zusammen, die Hinweise auf den Wirkstoff bzw. die Wirkung oder auch auf das Anwendungsgebiet geben.

In der deutschen Sprache wird oftmals (aber nicht ausschließlich) mit einem Präfix bzw. Suffix gearbeitet, welches sich entweder auf das Problem bezieht (z.B. Schmerz) oder auf das den körperlichen Bereich (z.B. Haut).

Beispiel Schmerz (lat. dolor): Dolormin, Dolocyl, Dolo Spedifen, Voltaren dolo, Panadol, Dolocitran.

Beispiel Haut (griech. derma): Dermophil, Dermacalm, Dermed, Dermovate, Sanadermil

Im englischen (amerikanischen) Sprachraum sieht die Sache jedoch etwas anders aus. Ein Medikament unterliegt hier anscheinend noch ein wenig mehr dem Vermarktungsdruck, daher haben viel pharmazeutische Produkte einen eingängigen Namen, wie Prozac. Jedoch gibt es auch hier immer den eigentlichen Namen als Zusatz; in diesem Fall wäre das Fluoxetine.

Hier zeigt sich dann auch ein Unterschied zu deutschen Benennungen, da sich dieser Name aus zwei Teilen zusammensetzt, bei dem das Präfix eine untergeordnete Bedeutung hat, wenn überhaupt. Bei diesen verhält es sich ähnlich wie in den oben genannten deutschen Beispielen der Prä- und Suffixe, um eher dekoratives Beiwerk zur Abrundung der Namen (-min (Verminderung), calm (Beruhigung), Sana (Heilung), -phil (freundlich)). Der zweite Teil ist hier jedoch fest geregelt und gibt Aufschluss über die Art des Medikaments. Einige Beispiele:

• -oxetine, für Antidepressiva (s.o. Fluoxetin)
• -azepam, für Beruhigungsmittel (Diazepam)
• -vir, für antivirale Medikamente (Zanamivir)

Marketing und Verharmlosung

Medikamente sind heutzutage ja nicht nur notwendige Helfer bei Krankheiten, sondern ein Milliardenmarkt und es gibt daher die Bestrebungen der Pharmafirmen neue Märkte zu erschließen und so Medikamente als Problemlöser zu verkaufen, für Probleme, von denen wir nicht wussten, dass wir sie überhaupt haben.

Die Namensgebung ist daher mittlerweile bei pharmazeutischen Produkten genau so wichtig, wie bei allen anderen Konsumprodukten. Und diese sind keine rein zufälligen Kreationen sondern das Ergebnis von der Arbeit darauf spezialisierter Werbeagenturen bzw. Marketingabteilungen, die auch mit Namensgeneratoren arbeiten, welche auf entsprechende Datenbanken zurückgreifen können.

Bei Medikamenten stößt man als Werbetreibender irgendwann aber an Grenzen, da nicht jeder Namenszusatz, der verkaufsfördernd ist auch aus medizinischer Sicht sinnvoll erscheint, um nicht zu sagen verharmlosend.

In Deutschland warnen daher das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) vor missverständlichen oder verharmlosenden Namen und haben eine Broschüre mit Richtlinien zu dem Thema herausgegeben, so dass es z.B. nicht vorkommen sollte Zusätze wie ‚Express‘ oder ‚Super‘ zu verwenden.

Wahrscheinlich eine notwendige Reaktion auf einen Markt, der zunehmend versucht seinen Platz in das alltägliche Konsumverhalten der Menschen zu finden, nicht zuletzt durch Produktnamen, die Wohlbefinden und Schmerzfreiheit und sowieso ein leichteres Leben versprechen.

Na dann, Prozac!

Update

Hier noch eine schöne Spielerei zum Thema: Der Drug Name Generator, inklusive Beschreibung und Nebenwirkungen.

Des Weiteren auch noch ein Artikel bei Slate über unzumutbare Medikamentennamen.

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