Wie ich zum Hobby-Weltenbastler wurde (2)

Wie meine Welt ‚Imzida‘ entstanden ist, habe ich im ersten Teil erläutert.

Im zweiten Teil zeige ich, wie ich mein Hobby des Weltenbastelns mit einem meiner anderen, nicht allzuweit davon entfernten, Interessensgebiete verbunden habe.

Aus irgendeinem Grund, bin ich von Kindheit an von Städten und ihrer Entwicklung fasziniert; Aufstieg und Fall, Zerstörung und Neuinterpretation, das willkürliche Schneisenschlagen größenwahnsinniger Despoten, von chaotisch gewachsenen Strukturen zu wohlüberlegten Planstädten, eben das ewige Spiel zwischen Zufall und bewussten menschlichem Eingreifen, dass unsere Städte heute so aussehen lässt, wie sie sind.

Daher war es natürlich auch mein Bestreben auf dieser Ebene tätig zu werden und wenigstens schon mal an einer Stadt zu schauen, wie diese sich denn so darstellen würde.

Alles was hier steht ist sozusagen ‚in progress‘, weil es direkt aus meinem Kopf in die Tastatur geht, abgesehen von dem bereits ausgearbeitet Karten- und Bildmaterial. Das liegt hauptsächlich daran, dass ich eher ein visueller Mensch bin und nicht unbedingt Textnotizen mache. Wie man auf den Kartenausschnitten unten sieht hat auch noch nicht alles einen Namen. Nur falls Fragen aufkommen sollten.

Napa’reï

Eine der ersten Orte meiner Welt, von dem ich bisher eine genauere Vorstellung habe ist Napa’reï, Hauptstadt der Republik Naïmal, zentral gelegen auf dem Inselkontinent Napatak.

Naparei

Die erste ständige Siedlung an dieser Stelle entstand vor ca. 3000 Jahren in Form einer Garnisonsstadt, als drei verbündete Stadtstaaten von der Westküste (das alte Izolti-Reich) ihre Expeditionstruppen ins Kontinentinnere schickten, um ihren Einflussbereich in den „unzivilisierten“ dünn besiedelten Regionen auszubauen und sich wichtige Ressourcen sichern zu können.

Izoltireich

Das alte Izolti-Reich: Von den drei Schwesterstädten existieren nur noch Izolti und Dejnil. Der historische Einflussbereich ist rot dargestellt.

Die Truppen landeten unweit der Mündung des Altane-Flusses am kontinentalen Binnenmeer, in einem sumpfigen Areal. Die charakteristischsten Merkmale dieser flachen Landschaft sind bis heute die vier außergewöhnlich großen Findlinge, die die letzte Eiszeit in dieser Ebene zurückgelassen hat. Einer dieser Felsen befand sich auf einer Flussinsel, die ideal gelegen war, um das Lager aufzuschlagen und geschützt vor etwaigen Angriffen der ansässigen Stämme zu sein.

Naparei_Garnisonsstadt

Historische Rekonstruktion: Erste befestigte Garnisonssiedlung. (01: Hauptfestung, 02: Kaserne, 03a-b: Wallanlagen, 04: Anlegestelle, 05: Vorgelagertes Ufertor, 06: Erster Drainagering)

Die Region erwies sich wie von den Regenten in den weit entfernten Küstenstädten erhofft, als fruchtbar und ressourcenreich. Die lokale Bevölkerung stellte aufgrund der militärisch-technischen Überlegenheit keine wirkliche Bedrohung dar und man stand mit Teilen der Stämme sogar in einem wirtschaftlichen wie kulturellen Austausch. Eine Handelsroute über den Fluss in Richtung des Binnenmeeres und von da aus über Land in die Küstenregion etablierte sich im ersten Jahrhundert nach der Kolonisierung schnell. Nicht nur Bewohner der Region sondern auch von anderen Küstenabschnitten des Binnenmeeres kamen bald landreisende sowie seefahrende Händler und andere Arbeitskräfte in die Siedlung an der Flussmündung.

Nach vierhundert Jahren war Napa’Reï bereits auf 25.000 Einwohner angewachsen und hatte weitgehende Stadtrechte (Marktrecht/Stapelrecht etc.) eingeräumt bekommen.

Vogelperspektive_Naparei_01

Napa’Reï vor ca. 2500 Jahren aus der Vogelperspektive: Bereits mit drei Kanalringen und der ersten Stadtmauer

Die hauptsächliche Funktion der Stadt war jedoch weiterhin eine militärische, da sie einen Brückenkopf für das Izolti-Reich in einer zunehmend von anderen Reichen begehrten Region bildete. Auf der dem Ufer vorgelagerten Flussinsel wurde die Festung und die umliegenden militärischen Einrichtungen (Kasernen, Stallungen, Militärhafen) kontinuierlich ausgebaut.

Inselfestung_Naparei

Die Inselfestung aus der Sicht des südlichen Stadtufers, in ihrem Ausbauzustand von vor ca. 1.000 Jahren.

In den nächsten 1.000 Jahren war Napa’reï oft umkämpft und änderte somit auch seine Funktion als Stadt. Nachdem der Einfluss der Gründerstädte schwand wurde die Stadt drei Jahrhunderte zur südlichsten Provinzverwaltung im Königreich Tuin. Später wurde sie von der Armee des Yerothischen Reichs eingenommen, was der Ausgangspunkt für ihren Aufstieg zur Weltmetropole und Hauptstadt des aus diesem Reich hervorgegangenen Republik Naïmal wurde.

Kaiserpalast_Naparei

Die ehem. yerothische kaiserliche Stadtresidenz in ihrem endgültigen Erscheinungsbild von vor 500 Jahren. Heute befinden sich hier vier Botschaften diverser befreundeter Staaten.

Vogelperspektive_Naparei_02

Napa’reï zum Ende der yerothischen Kaiserzeit. Zu diesem Zeitpunkt mit einer Einwohnerzahl um die 500.000 Einwohner.

Naparei_politisch

Die zentrale Lage Naïmals und die Schaffung eines Kanals (im Nordosten des Landes), der transkontinentale Schiffahrt ermöglicht, macht diese Republik zu einer der wirtschaftlich und geopolitisch mächtigsten Nation.

Heute ist Napa’reï eine der wichtigsten Städte des Planeten mit weitreichenden interkontinentalen Beziehungen und vereint in ihren Stadtgrenzen die Geschichte und Kultur vieler verschiedener Nationen, die über die Jahrtausende Einfluss auf ihre Entwicklung genommen haben.

Die urbane Entwicklung ist im unteren Schaubild noch einmal zusammengefasst.

Es gäbe bestimmt noch mehr zur Historie zu schreiben, aber das muss sich mir erstmal überhaupt in meinem Kopf offenbaren. 😀 Der Anfang ist mit diesem Artikel auf jeden Fall gemacht.

Wie man sieht, ging es mir bisher weniger um Geschichte, als generell um die Anlage der Stadt und wenn einen Stadtentwicklung und Stadtplanung im historischen Kontext interessieren, kann man sich hervorragend von den unten stehenden Büchern inspirieren lassen.

Buchempfehlungen zum Thema:
Die Geschichte der Stadt von Leonardo Benevolo
London – The Illustrated History des Museum of London
Aber auch Stadtführer von gesammt Ankh-Morpork

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