Teatime im Excelsior Hotel Ernst Köln – Erfahrungsbericht

Es ist nicht einfach in Deutschland eine richtige Teatime nach britischem Vorbild zu bekommen, und wenn man diese als Hotel anbietet, so muss man sich an den Maßstäben des Vereinigten Königreichs mit seiner langen Teetradition messen lassen.

Nach einer wundervollen Teatime im Harrods im November letzten Jahres, die nichts zu wünschen übrig ließ, verlangte es uns nach langer Zeit mal wieder nach dieser Erfahrung.

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Aber wo könnte man eine annähernd gute Teatime in Köln bekommen? Nach Recherche ergaben sich drei Hotels in Köln, die definitiv eine Teatime anbieten und bewerben: Das Savoy, das Dom-Hotel und das Excelsior Hotel Ernst (ebenfalls in unmittelbarer Nähe zum Dom).

Das Excelsior Hotel Ernst kann auf eine 150jährige Tradition zurückblicken und man muss davon ausgehen, dass ein Hotel, welches sich so lange halten kann, großen Wert auf Qualität und kompromisslosen Service am Kunden legt. Zudem war das Gebäude des Hotels nach Unterzeichnung des Versailler Vertrags 1918 acht Jahre Hauptquartier der britischen Besatzungsmacht, da sollte man annehmen, dass sich etwas von diesem Geist in den Gemäuern verfestigt hätte.

Aber genug der esoterischen Spekulation. Die Website des Hotels empfiehlt eine vorherige Reservierung für den sogenannten High Tea. Da gerade Zeit war und wir in der Nähe, gingen wir mittags persönlich vorbei um für denselben Tag noch eine Reservierung einzureichen. Das Rezeptionspersonal kümmerte sich freundlich und schnell um die Reservierung für 16.00 Uhr und informierte uns auch kurz über den Ablauf.

Das Innere des Hotels selbst ist entsprechend seiner Reputation und Geschichte beeindruckend stilvoll und mondän eingerichtet, das Personal sehr zuvorkommend. Den Tee nimmt man auf der Balustrade über dem Eingang mit Blick ins Foyer bzw. auf den Dom, ein.

Wir waren schon etwas früher als 16.00 Uhr wieder vor Ort und unser Tisch war bereits vorbereitet. Wir wurden von einer professionell freundlichen jungen Dame (nennen wir sie Servicepersonal A) an den Tisch geleitet, die uns die Teekarte aushändigte. Das Teesortiment umfasst ca. zehn Sorten Tee (grüne Teesorten, Variationen schwarzen Darjeerlings, sowie weißer Tee). Ich entschied mich konservativ für den „Splendid Earl Grey“. Des Weiteren wurden wir gefragt, ob wir gerne die Version der Teatime mit einem Glas Champagner hätten und da man nie nein sagt, wenn einem Champagner angeboten wird, entschieden wir uns dafür. Hierbei handelt es sich im Übrigen um Deutz Champagner, der Hausmarke. Der Tee wird  vor Ort, mit heißem Wasser aus einem großen, silbernen Samowar, auf dem Balustradenbereich, vorbereitet.

Auf den ersten Blick ließ das gesamte Arrangement keine Wünsche offen, jedoch minderten einige Punkte die Teatime-Erfahrung. Aber der Reihe nach.

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Zuerst sollten wir kurz erörtern, was man im Excelsior Hotel Ernst unter einer Teatime versteht, genauer einem High Tea, die nach Aussage des Hotels kredenzt wird.

Ein High Tea ist nach Wikipedia:

Eine Mahlzeit, die zwischen 17 oder 19 Uhr serviert wird und eine Mischung aus afternoon tea und Abendessen darstellt. Sie wird am Esstisch (high table) eingenommen. Der high tea wird meist nur zu besonderen Anlässen serviert, wenn Gäste eingeladen sind. Zum Tee werden in der Regel kalter Braten, kaltes Huhn, Salate, gekochtes Gemüse, Kuchen und Früchte gereicht. Das normale Abendessen, zu dem oft ebenfalls Tee getrunken wird, wird grundsätzlich nicht als high tea bezeichnet, auch nicht die Tasse Tee nach dem Abendessen.

Nun, dies war offensichtlich nicht der Fall und auch von unserer Seite nicht gewünscht. Was wir bekamen war zum Glück ein Afternoon Tea oder auch Low Tea, der zwischen 15 und 17 Uhr serviert wird und traditionell nicht am Esstisch, sondern im Salon an einem niedrigen Teetisch (low table) eingenommen wird. Somit ist die Deklaration als High Tea zuerst einmal falsch. Nichts was ich kritisieren möchte, dies habe ich vorher auch nicht gewusst, könnte aber bei dem Einen oder Anderen Sachverständigen Verwirrung hervorrufen.

Der Tee wurde praktischerweise mit einer Sanduhr gereicht, um die drei Minuten Ziehzeit abpassen zu können. Die Qualität des Tees war einwandfrei, jedoch musste ich erst nach Milch für meinen Schwarztee fragen, welche mir dann von einer anderen freundlichen jungen Frau (Servicepersonal B) gebracht wurde. Zwar ist es in Kontinentaleuropa vielleicht unüblich den Tee mit Milch zu trinken, bei einer Teatime nach britischer Art erwarte ich ein kleines Kännchen Milch auf dem Tisch als Selbstverständlichkeit.

Die auf einer Etagere arrangierte Selektion herzhafter und süßer Begleiter zum Tee entsprachen den Erwartungen an eine Teatime. Für jeden von uns gab es im unteren Bereich vier verschiedene Arten Sandwiches, sowie ein Pumpernickelhäppchen mit Lachs und einen Servierlöffel mit einem Tomate-Mozzarella-Spieß. Auf der oberen Ebene wurden jeweils ein Petit Four, einige Macarons, Teekuchen (trocken), kleine Muffins, sowie einige Pralinen präsentiert, daneben noch einige frische Erdbeeren.

Natürlich durften bei dieser Teatime auch nicht die Scones fehlen (vier an der Zahl und relativ klein), welche separat in einem Tuch eingeschlagen und noch warm serviert wurden. Dazu Blutorangen- und Erdbeermarmelade (beide delikat) und Clotted Cream… angeblich. Dazu ein kleiner Exkurs, bei dem wir noch einmal Wikipedia bemühen:

Clotted Cream (auch Streichrahm) ist eine Art dicker Rahm (Sahne), der aus roher (unhomogenisierter und unpasteurisierter) Kuhmilch hergestellt wird. Die Milch wird in flachen Pfannen erhitzt und für mehrere Stunden stehen gelassen. In dieser Zeit sammelt sich der Rahm an der Oberfläche und bildet Klümpchen („clots“).

Was wir bekamen war Frischkäse im Glas, obwohl auf der Internetseite des Hotels ausdrücklich von Clotted Cream die Rede ist. Ein solcher Etikettenschwindel ist nicht akzeptabel. Immerhin ist dieses Produkt einer der besonderen Teile einer Teatime und unserer Enttäuschung schmälerte den ansonsten anständigen Gesamteindruck.

Wir sprachen das Servicepersonal B darauf an, die unsere konstruktive Kritik auch freundlich entgegennahm und den Frischkäse entschuldigend vom Tisch entfernte, jedoch anscheinend nicht geschult war, eine Alternative anzubieten (wie z.B. Süßrahmbutter, welche dem noch am nächsten käme).

Eine weitere Kleinigkeit war die Auswahl der Süßungsmittel. In einem Dreierset gab es feinen weißen Zucker, Kandis und abgepackten Süßstoff. Bei einer solchen Teatime könnte man evtl. erwarten, dass man die Auswahl zwischen weißem und braunem Kandis haben könnte und eher auf den Süßstoff verzichtet. Diesen sollte man eher optional anbieten.

Wir sprachen Servicepersonal A ebenfalls auf die drei Punkte (fehlende Milch, Clotted Cream und Zuckerauswahl) an, welche durchaus dankbar war für die ehrliche Kritik und versprach diese an die Küche weiter zu geben. Sie beteuerte auch, dass es normalerweise echte Clotted Cream gäbe, was wohl an nicht beeinflussbaren Umständen gelegen haben muss, dass wir keine bekamen. Möglicherweise hatten die Mitglieder der Konferenz des Max-Planck-Institutes, welche zur Zeit tagte uns diese ja weggegessen. Sowohl A wie B verneinten im Übrigen auf die Frage, ob sie schon einmal in England gewesen wären und eine typische Teatime zu sich genommen hätten. Wir legten ihnen nahe sich etwas Geld beiseite zu legen und eine Reise ins Vereinigte Königreich zu unternehmen, um diese Erfahrung in ihrem eigenen fachlichen Interesse zu machen.

Nicht angesprochen habe ich, dass die Sandwichscheiben teils ein wenig trocken waren; geringfügig aber bemerkbar. Dies nur am Rande.

Servicepersonal A bot uns zwei Cocktails auf Kosten des Hauses ob unserer Unanehmlichkeiten an, welche wir gerne annahmen. Serviert wurden diese (ein Cocktail bestehend aus Safari-Likör, Maracujasaft und Wodka, das andere ein klassischer Daiquiri) vom sehr jungen Azubi-Servicepersonal C, welcher auch prompt einen der Cocktails ein wenig verschüttete und diese auch noch ohne zu fragen dem jeweils Falschen vorsetzte. Oh je. Zu allem Überfluss entsprachen die Getränke überhaupt nicht unseren hohen Erwartungen an Spirituosen, so dass wir diese fast unangerührt stehen ließen und uns zur Ice Bar im Hilton Hotel aufmachten, um noch was vernünftiges zu trinken zu bekommen.

Fazit:

Möglicherweise kommt euch diese Kritik ein wenig kleinlich vor, jedoch denke ich fair geblieben zu sein. Dem sehr jungen Personal ist absolut nichts vorzuwerfen, selten wurde ich so freundlich bedient. Wenn es Kritikpunkte an ihrem Verhalten gibt, dann liegt es eher an ihren Vorgesetzten und deren Fähigkeit gewisse Qualitätsmaßstäbe im Bereich der Serviceorientierung vernünftig zu vermitteln. Des Weiteren ist auch eher die Einstellung der Küche zu bemängeln, die eine Teatime anbietet, die nicht den sehr hohen Standards der Insel entspricht, welche im Grunde jedoch durch konsequenten Anspruch an sich selbst als führendes Hotel am Platz bestimmt aber auch zu erfüllen wären. Ich denke bei einem Preis von 33,50 € pro Person (ohne Champagner 10 € weniger) darf man diese Kritik durchaus äußern, auch gegenüber dem Personal, weil die es ja sind, die es zum Besseren wenden können.

Da sich das Dom Hotel zur Zeit noch im Umbau befindet, wird als nächstes die Teatime im Savoy getestet. Wenn es soweit ist, gibt es auch dazu einen Bericht.

6 Gedanken zu “Teatime im Excelsior Hotel Ernst Köln – Erfahrungsbericht

  1. Pingback: Teatime im Savoy Hotel Köln – Erfahrungsbericht | logbuch

  2. Ich kann Ihrem Bericht nur zustimmen. Wir waren letztes Jahr im Dezember im Hotel Excelsior zum High Tea und waren enttäuscht. Wir kennen den Afternoon Tea aus London (Ritz, The Landmark) und hatten von einem Hotel dieser Klasse mehr erwartet. Dieses Jahr werden wir das Savoy ausprobieren.

    • Wobei ich fast sogar gewillt wäre, dem Excelsior noch eine Chance zu geben. Auch wenn meine Kritik recht spitz ist, könnte es ja trotzdem sein, dass man einfach einen schlechten Tag erwischt hat.

  3. Die fehlende Milch oder Sahne hätte ich auch moniert. In Friesland, Nord-, Ost oder West trinkt man Tee mit Sahne, ein“ Wulkche“ muss sich im Tee ausbreiten. Die Kritik der Gäste war durchaus konstruktiv und sollte helfen, die Unebenheiten im sonst so sympatischen Service zu glätten.
    MfG F. Blumenberg

  4. Gestern waren wir mit vier Personen im Excelsior zum High Tea. Um es kurz zu machen: Wir waren maßlos enttäuscht. Das was hier geboten wird, hat nichts mit dem zu tun was wir aus London kannten. Um nur ein paar Punkte zu nennen: de fakto war der Service nicht vorhanden, wenn man Glück hatte, konnte man jemanden erwischen, der einem mal eben Wasser auf den Tee nachgoss; die Clooted Cream bestand aus zu lange geschlagener, wässriger Sahne, eine Zucker- und Milch-/Sahneauswahl zum Tee fehlte vollständig, der Tee (grüner, schwarzer und weißer) wurde mit Wasser einheitlicher Temperatur aufgegossen… Überhaupt, das Teesortiment. Hier hat man sich am allgemeinen Publikumsgeschmack orientiert, was ja an sich in Ordnung ist, aber zwei oder drei sehr gute Spitzentees hätte man durchaus anbieten können. Die Toasts waren geschmacklich langweilig, die Macarons waren einfach nur süß, der Kuchen staubtrocken. Zu Beginn gab es einen kleinen Gruß aus der Küche, eine Crème Brûllée. Was soll ich sagen? Die Zuckerkruste bestand aus ein paar braunen Tropfen Zuckerwasser und die Crème hatte man anscheinend offen mit anderen Lebensmitteln in die Kühlung gestellt. Die obere Schicht schmeckte deshalb nach allem anderen, nur nicht nach Sahne und Vanille. Kurze Notiz zum Ambiente: Der Raum, in dem der High Tea stattfand, war von einem Nebenraum notdürftig mit Paravents abgeteilt. So hatte man zur wunderbaren Live-Klaviermusik einen relativ ungehinderten Blick auf etliche Stapel von Glaskisten. Fazit: Für 32 Euro (42 Euro mit einem Glas Champagner) ist das im Excelsior gebotene maßlos überteuert und nicht empfehlenswert. Schade, von einem Hotel dieser Klasse haben wir mehr erwartet.

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