Operation Naked – Demokratisierung der Totalüberwachung

Ist ja eigentlich schon nicht mehr ganz neu, aber ich bin gestern endlich mal dazu gekommen, mir das von Mario Sixtus produzierte ZDF-Fernsehspiel „Operation Naked“ anzuschauen. Da solche Sachen bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten ja gerne unter Ausschluss der Öffentlichkeit Nachts im Nischenprogramm versendet werden und ich davon ausgehe, dass keiner von euch den bisher gesehen hat, kann ich ja auf hier auf jeden Fall noch mal drauf hinweisen, denn mir hat dieses Gedankenexperiment, welches nicht weit von der Realität entfernt ist, gut gefallen.

„Operation Naked“ ist ein fiktionaler Film über die Einführung von Datenbrillen und deren Auswirkung auf die Gesellschaft. Regisseur und Autor Mario Sixtus erzählt seinen Film nicht mit konventionellen Bildern, sondern setzt die Geschichte aus kurzen Ausschnitten aus ZDF-Sendungen zusammen. Bei der Collage aus unterschiedlichen Szenen haben rund 15 ZDF-Sendungen und ihre Moderatoren mitgemacht.

Stinkefinger und mediale Korruption

Eines muss man Jan Böhmermann und seinem Team beim Neo Magazin lassen: Sie finden einen Weg mich zu erreichen, obwohl sie zur Zeit absurd blöde Sendezeiten haben. Offenbar hat man bei denen verstanden, wie man auf einem aussichtslosen Sendeplatz im ZDF trotzdem seine Reichweite nutzt und zwar durch möglichst gelungene Medienverarsche. Mit ‚Blamielen odel Kassielen‚ hatte sich das Neo-Team ja schon mal aufgewärmt und Stefan Raab bloßgestellt. Ein kleiner Fisch gegen den neuen Coup, der zeigt, wie Medienmanipulation in Zeiten des siechenden journalistischen Anspruchs funktioniert und ein paar Leute die Fähigkeit besitzen, mit dem Bild als Waffe, internationale Zwischenfälle zu provozieren.

Oder etwa doch nicht? Das Urteil bleibt jedem selbst überlassen, auch wenn es einige Indizien gibt (das wird sich die nächsten Tage zeigen), dass dies möglicherweise nicht der Fake des Fakes ist, sondern wirklich professionell eingefädelt. So oder so ist diese (mögliche) Aufdeckung in dem Video unten ein Fanal in Zeiten von unglaublich vielen, vom Netz und der Welt verwirrten, leichtgläubigen Menschen, endlich mal zur Kenntnis zu nehmen, dass man niemandem trauen kann, wir von allen Seiten verarscht, manipuliert, instrumentalisiert werden und uns nur erzählt wird, was wir hören wollen bzw. wir gerne bestätigt bekommen, was unseren Vorurteilen entspricht.

Jan Böhmermann zu Campino/Band Aid 30

Hey, warum sagt mir denn keiner, dass das NEO MAGAZIN zurück ist? Jan Böhmermanns Analyse dieser unsäglichen Band-Aid-Aktion ist ja mal wieder herzerfrischend. Einer der wenigen Gründe, immer noch Gebühren zu zahlen.

(via dressed like machines)

Mainzelmännchen Styleguide

Wenn ihr euch einerseits für Characterdesign interessiert und andererseits wissen wollt, was man beim ZDF für ein Kraut raucht, dann solltet ihr euch unbedingt den Mainzelmännchen-Styleguide anschauen (den gibt es hier unter M). Neben den gestalterisch interessanten und relevanten Teilen finden sich dort auch reichlich schräge Charakterisierungen der einzelnen Protagonisten, die schon an eine Art Homestory erinnern und Sätze hervorbringen, wie

Anton ist nach wie vor der Lustbetonte, der Genießer der Mainzelmännchen. Im Gegensatz zu dem Schöngeist Edi ist Anton eher der bodenständige Lebemann, der den modernen Mainstream verkörpert.

oder auch

Edis Zimmer ist eine kleine romantische Oase, aufgeräumt und dekoriert, eher mediterran-romantisch als Laura-Ashleygeblümt.

Mal ehrlich… Abgesehen davon, dass ich nicht wusste, dass die Mainzelmännchen überhaupt eigene Zimmer haben.

Mir ist auch klar, dass man eine Menge Mist schreiben muss, damit es die Seiten eines Styleguides füllt, aber so manches ist einfach nicht nachvollziehbar. Und für alle, denen es bisher entgangen ist: Die Außenform eines Mainzelmännchens entsteht im übrigen durch den

Wechsel von geraden und runden Abschnitten

Na dann.

GEZ-Reform – Quid pro quo

Generell hätte ich keine Probleme damit, die GEZ zu bezahlen, wenn das Geld auch so verwendet werden würde, wie es eigentlich vorgesehen ist. Die Idealsituation sieht ja folgendermaßen aus: alle Haushalte haben die Rundfunkgebühren zu entrichten. Im Gegenzug sind die öffentlich-rechtlichen Anstalten durch Rundfunkgesetze dazu verpflichtet, ihren Bildungsauftrag zu erfüllen und ausgewogen alle gesellschaftlich relevanten Gruppen in der Berichterstattung zu berücksichtigen.

Die Realität sieht aber anders aus: Eine Verflachung des Tagesprogrammes, dass sich an den Privatsendern anbiedert, Bildungsauftrag und journalistische Informationen kommen viel zu kurz und in einer endlosen Aneinanderreihung von Talkshows (besonders in der ARD) werden z.T. wichtige Themen ohne wirkliche Moderation hohlgeredet. Weiterlesen

Wie komm’ ich an die Dünser ran?! Teil 2

So, das ZDF bzw. Frau Jessica Trommer, ihres Zeichens „HA Kommunikation Zentrale Aufgaben“ hat auf meine Frage (siehe Teil 1) geantwortet:

Sehr geehrter Herr Becker,
vielen Dank für Ihr o. g. Schreiben.
Prinzipiell ist es möglich Mitschnitte von Sendungen zu erhalten. Bitte teilen Sie uns mit für welche Produktionen Sie sich genau interessieren dann werden wir gerne recherchieren und Ihnen ggf. ein Angebot machen. Der Preis eines Mitschnitts richtet sich nach der Sendelänge. Eine Folge von der Sendung „V.I.P. Schaukel“ kostet ca. EUR 40.

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Wie komm‘ ich an die Dünser ran?! Teil 1

Ich bin seit jeher ein Liebhaber der „guten alten Zeit“ (TM), was bedeutet, die Zeit, bevor ich geboren war. Daher mag ich auch besonders eine ehemalige Sendung des ZDF aus den 70er Jahren namens „V.I.P.-Schaukel“ moderiert von der allzeit eloquenten Magret Dünser. Sie war sozusagen die Mutter aller sog. heutigen SocietyreporterInnen, von denen ihr heutzutage niemand das Wasser reichen könnte. Das Adressbuch dieser Frau kann gut und gerne als das Who-is-who der damaligen Größen aus Politik, Hollywood und Jetset angesehen werden. Mit ihrer vornehm zurückhaltenden Art und ihrer journalistischen Akuratesse gewann sie die Prominenz für sich, so dass diese oft mehr preisgaben als gedacht. Als Beispiel empfehle ich einen der wenigen Schnipsel, die bei youtube glücklicherweise vorhanden sind:

Bette Davis Interview 1976 V.I.P.- Schaukel mit Margret Dünser

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