Kölner Hochhausring – Der Bau des Todessterns wäre realistischer

Wer aus Köln kommt und die Schlagzeilen der einschlägigen sog. Lokal-Presse verfolgte, kam nicht umhin zu lesen, dass ein junger Architekt namens Martin Bachem vorschlägt einen Hochhausring um die Innenstadt von Köln zu ziehen, um der zunehmenden Wohnungsnot Herr zu werden. Mit diesem bemerkenswerten Vorhaben erhofft er sich Wohnraum für 80.000 bis 100.000 Menschen zu schaffen. Seiner Meinung nach versäumt es Köln eine umfassende stadtplanerische Vision zu entwickeln, die den zukünftigen Ansprüchen gerecht wird. Als vorzeigbares Beispiel zieht er unsere Hauptstadt heran und sagt:

Berlin sendet ein Bild einer pulsierenden, sich verändernden Metropole in alle Welt und hat ein entsprechendes Image.

Eine in mehrererlei Hinsicht problematische Aussage, aber dazu später.

Grundsätzlich finde ich es gut, dass mal jemand provokant über Stadtplanung in Köln nachdenkt, da dieses Thema, welches mir auch sehr am Herzen liegt, in den letzten 70 Jahren in dieser Stadt offensichtlich kein Thema war.

Ich hoffe für ihn, dass der Ansatz, den er mit dem Projekt ‚Stadtplastik‚ verfolgt, wirklich nur Provokation ist, um diese Debatte in Schwung zu bringen, denn manchmal muss man wohl was lauter werden, wenn man was erreichen will.

Mir gefällt sogar der präsentierte Ansatz des neuen Deutzer Bahnhofs, da der alte ein dreckiger Witz ist, den nicht mal ein frischer Anstrich retten könnte. Aber der gesamte Rest dieses Projektes (insofern er das ernst meint) ist in den Dimensionen absoluter Blödsinn, und ich finde es irritierend und nicht nachvollziehbar, dass ein Architekt, mit genügend Hintergrundwissen und Erfahrung dermaßen unsensible, naive und rückwärtsgewandte Konzepte entwickelt, die völlig die lokalen Gegebenheiten außer acht lassen, als ob es sich um eine Runde SimCity drehen würde, nur in größer.

Eines seiner Argumente, für diese Wohnraumkonzentration in innerstädtische Hochhäuser ist die durch Zersiedlung zunehmende Zerstörung von Agrar- und Nutzflächen um Köln. Durchaus ein ernstzunehmendes Problem, dass man aber nicht durch die Zerstörung von gewachsenen Stadtteilen und der daraus resultierenden Vernichtung des sozialen Mikroklimas lösen sollte. Weiterlesen

London is changing

Der rasante Anstieg in den Miet- und Grundstückspreisen in London führt zu einem extremen demographischen Wandel. Je geringer das Einkommen, desto unmöglicher ist das Leben und überleben in der britischen Hauptstadt.

Dieser Misere eine Stimme zu geben hat sich die Kommunikationsdesignerin Rebecca Ross mit ihrem Projekt ‚London is changing‚ vorgenommen, in dem sie Zitate von noch oder ehemaligen Bewohnern Londons auf Reklametafeln bringen will, die die unerbittliche Veränderung ihrer Heimat am eigenen Leib erfahren haben.

Das bemerkenswerte ist, dass die Zitate aus der Mittelschicht stammen, die sich London nicht mehr leisten kann; die Armen wurden schon lange aus der Stadt verdrängt.

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(via Dazed)

 

Städte nach Ausrichtung ihrer Straßen bunt visualisiert

Die rechtwinkeligen, jedoch schräg nach Nordosten verlaufenden Straßen von Manhattan leuchten violett, das strenge Raster von Chicago erscheint wie eine feuerrote Neonplatine. Dagegen sind die Städte der alten Welt wie London oder Berlin in ihrer Unregelmäßigkeit wie bunte Flickenteppiche, kreuz und quer gewachsen, wie es gerade in die Landschaft passte.

Stephen Von Worley hat für seine Seite Data Pointed, auf Datenbasis von OpenStreetMap und mit einem Algorithmus der die Straßenausrichtung als einen Winkel in einem Farbkreis interpretiert, diese interessanten Stadtansichten generiert. Das Ergebnis gibt der Betrachtung des infrastrukturellen Charakters einer Stadt noch einmal eine ganz andere Dimension.

(via Co.Exist)

The Age of Megacities

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So heißt die Seite, die ESRI, der amerikanischer Softwarehersteller von Geoinformationssystemen (GIS), aufgesetzt hat um das rasante Wachstum der Städte auf unserem Planeten zu visualisieren. Hier kann man sich geführt einmal um den Globus klicken und erstaunt zur Kenntnis nehmen, wie sich Städte gerade in den letzten Jahrzehnten in die Landschaft gefressen haben.

According to United Nations projections, the world will have 41 megacities within the next 35 years. The fastest growth is happening in Africa and Asia, where mid-sized cities are blossoming. By 2050, 66 percent of the world’s population is expected to live in urban areas, and India, China and Nigeria will account for 37 percent of the anticipated growth.

(via io9)

Londons Entwicklung von den Römern bis heute

Dieses Video, welches vom Bartlett Centre for Advanced Spatial Analysis erstellt wurde zeigt anhand von archäologischen Fundstücken und heute noch existierender denkmalgeschützter Bebauung, die Entwicklung Londons von der römischen Kolonie hin zur modernen Weltstadt. Möglich wurde dieses Video durch die Zusammenarbeit des English Heritage, Cambridge Centre for Smart Infrastructure and Construction und dem Museum of London Archaeology.

London 1927 und 2013

In diesem schönen Video hat Simon Smith als eines seiner Projekte Aufnahmen des britischen Kameramanns Claude Friese-Greene von 1927 seine Aufnahmen aus 2013 gegenübergestellt. Und wie so oft in London gibt es Teile, die komplett anders sind und Teile, die sich überhaupt nicht verändert haben.


London in 1927 & 2013 from Simon Smith on Vimeo.

Altes London in Streetview integriert

Der reddit-User shystone hat alte Gemälde von London aus dem 18. und 19. Jahrhundert in die entsprechenden Aufnahmen von Google Streetview eingefügt und zeigt, wie hübsch (zumindest auf den alten Schinken) London einmal war. Zehn Bilder hat er bisher in seiner Galerie, denen immer auch kurze historische Beschreibungen angefügt sind.

Northumberland-House

Northumberland House

Westminster-Abbey

Westminster Abbey

Video: Köln vom Krieg verschont

Kaum vorstellbar ist, wie Köln heute aussehen würde, wenn es nicht 262 Bombenangriffen ausgesetzt gewesen wäre durch die 80 % Prozent der Bebauung zerstört worden sind. Wie viele deutsche Städte vor dem zweiten Weltkrieg war auch Köln ein prunkvolles Juwel an Architektur aus der Kaiserzeit, jedoch auch versetzt mit einigen wenigen progressiveren Objekten, aus der Zeit nach 1918, wie das Disch-Haus und zu dem Vorkriegszeitpunkt durchaus eine Stadt mit stadtplanerischem Konzept, durch das Gebäude wie z.B. der Olivandenhof und der heutige Kaufhof ermöglicht wurden. Die sogenannte Kölner Altstadt hingegen, welche man als einen Kern des alten Kölns ansehen könnte, ist das fragwürdige historistische Ergebnis eines Umbaus in der NS-Zeit und sollte wohl als Aufwertung des damaligen Elendsviertels dienen. Im Grunde ist es heute nicht mehr als eine Kulisse für Touristen. Insgesamt hat Köln nicht viel Glück gehabt, was den Wiederaufbau nach dem Krieg anging, so wie die wenigsten deutschen Städte, aber auch hier gilt: ‚Die Zeit heilt alle Wunden.‘

Ungenommen, ist die visualisierte Idee des Videos verlockend, jedoch glaube ich, dass eine lebendige Stadt vom Wandel lebt und eine exakte Rekonstruktion nie wünschenswert ist. Köln wäre nicht Köln, wenn es heute so aussähe, wie in diesem Video. Trotzdem ist es schade, dass man nach dem Krieg nicht mehr auf eine umfassendere Stadtplanung geachtet hat.