Künstliche Intelligenz und die Konsequenzen

Der Guardian hat ein interessantes Video-Feature in seinem Online-Repertoire. Unter dem Titel ‚Original Drama‚ gibt es inszenierte Kurzgeschichten zu wichtigen Themen unserer Zeit. Die dritte Folge vom Februar dieses Jahres zeigt eine Debatte zwischen drei Menschen und einem Roboter namens Günther, in der erörtert wird, was man einer KI zutrauen kann bzw. darf.

Die mögliche Aussicht auf künstliche Intelligenzen, die unsere intellektuellen Fähigkeiten überflügeln könnten sind ja mittlerweile nicht mehr ganz von der Hand zu weisen. Daher sind solche Debatten auch durchaus sinnvoll, besonders wenn es auch um ethische Grundsatzentscheidungen geht, an Stellen, wo die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verwischen.

In diesem Kurzfilm werden einige der Themen angerissen und es bietet sich eine durchaus plausible Aussicht für eine Lösung des Problems neben der pessimistischen Annahme, dass wir alle vom AI-Overlord unterjocht werden.

Über künstliche Intelligenz; heute, morgen und übermorgen

Auf ‚Wait But Why‘ hat Tim Urban einen recht ausführlichen Text über die gegenwärtig stattfindende technologische Entwicklung geschrieben und erläutert zudem, was wir wahrscheinlich in den nächsten Jahren bis Jahrzehnten zu erwarten haben. Ausgehend von den Prognosen über die exponentiell wachsende Rechenleistung von handelsüblichen Computern zur Entwicklung von den verschiedenen Arten der künstlichen Intelligenz bis hin zu den Konsequenzen, die die Erschaffung einer solchen für uns bedeutet, fasst Urban diesen Themenkomplex anschaulich zusammen.

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Für mich das bisher beste, was ich zu dem Thema gelesen habe, obwohl ich zwei Punkte habe, die ich anmerken möchte. In einem Absatz bespricht er am Beispiel von ‚Zurück in die Zukunft‘, dass die technologische Entwicklung zwischen 1985 und 2015 wesentlich größere Fortschritte gemacht hat als zwischen 1955 und 1985 und es einer Person aus der heutigen Zeit schwerer fallen würde sich in den 80ern zu Recht zu finden, als jemanden aus den 80ern in den 50ern.

The movie Back to the Future came out in 1985, and “the past” took place in 1955. In the movie, when Michael J. Fox went back to 1955, he was caught off-guard by the newness of TVs, the prices of soda, the lack of love for shrill electric guitar, and the variation in slang. It was a different world, yes—but if the movie were made today and the past took place in 1985, the movie could have had much more fun with much bigger differences. The character would be in a time before personal computers, internet, or cell phones—today’s Marty McFly, a teenager born in the late 90s, would be much more out of place in 1985 than the movie’s Marty McFly was in 1955.

Technologisch mag das richtig sein. Ich bin aber der Meinung, dass sich 1955 von 1985 in gesellschaftlicher Hinsicht wesentlich mehr voneinander unterscheiden, als 1985 von heute. Gesellschaftliche Entwicklung im Vergleich zur technologischen Entwicklung wäre dann wohl noch ein Thema für einen anderen Artikel.

Die andere Anmerkung, die ich habe bezieht sich auf die Entwicklung einer künstlichen Superintelligenz, die alles, was wir je intellektuell erreicht haben, innerhalb weniger Tage (Stunden?) überflügeln könnte. Ich halte es zwar für durchaus denkbar, dass eine solche Intelligenz entstehen kann, aber dass diese zwingend alles verändern müsste, ist nicht gesagt. Erst einmal ist sie sehr ortsgebunden und des weiteren fragt sich, ob eine Superintelligenz nicht erkennen würde, wie sinnlos ihre Existenz ist und sich evtl. einfach abschaltet. Es wird ja oft davon ausgegangen, dass eine künstliche Intelligenz Begehrlichkeiten oder Moralvorstellungen entwickelt, die mit den menschlichen Vorstellungen nicht unbedingt kongruent sind. Das dem so ist, muss ja erst noch bewiesen werden und ich würde es darauf ankommen lassen.

Ungefähr zeitgleich habe ich dieses Kickstarter-Projekt gesehen, wo ich mir bei jeder Sekunde des Promovideos denke, ‚Nie im Leben bekommt ihr dieses Produkt dieses Jahr verschifft!‘ und ‚Ich glaub‘ euch kein Wort!‘. Wenn man den Text von Tim Urban gelesen hat, müsste einem eigentlich klar sein, dass solche persönlichen Assistenten noch mindesten zehn Jahre weit weg sind.

Das wäre ja so, als hätten Siri und Watson ein Kind mit einem Roomba gemacht. Wenn das Teil wirklich realisierbar wäre, wären sie schon längst von Google aufgekauft worden.

Die Zukunft der Arbeit

‚Humans Need Not Apply‘ von CGP Grey erläutert in 15 Minuten, die vor uns liegenden Herausforderungen in der Arbeitswelt durch zunehmende Automatisierung und Durchdringung vieler Arbeitsfelder durch Computer und Roboter. Dass diese Entwicklung das Verständnis von menschlicher Arbeit und ihrer Zukunftsfähigkeit in Frage stellt, scheint offensichtlich; welche gesellschaftlichen Konsequenzen daraus gezogen werden müssen, lässt das Video bewusst außen vor, da es nur die Ausgangssituation beschreibt. Dennoch werden wir uns mit einem Szenario auseinandersetzen müssen, in dem ein Großteil der Menschen nicht mehr einer (Erwerbs-)Arbeit nachgehen wird, denn die lächerliche Idee der Vollbeschäftigung ist nun mal ein Hirngespinst aus dem letzten Jahrhundert. Schlussendlich wird man sich wohl mit Ideen wie dem bedingungslosen Grundeinkommen oder negativer Einkommensteuer und der Besteuerung von automatisierten Prozessen auseinandersetzen müssen. Es wird nämlich verdammt eng für Menschen, insbesondere für Geringqualifizierte, wenn selbst das Burgerbraten von Robotern übernommen wird.

Linktipps: Zeichen der Zeit

Heute mal zwei Links zu längeren Artikeln, die sich mit verschiedenen Aspekten gegenwärtiger gesellschaftlicher Entwicklungen beschäftigen.

  • Der erste Artikel aus der New York Times behandelt die Nobelghettoisierung von ganzen Stadtteilen in London, die von wohlhabenden Leuten aus Russland und dem mittleren Osten aufgekauft werden, damit sie als Feriendomizil herhalten können.

A Slice of London So Exclusive Even the Owners Are Visitors

  • Bei netzwertig.com gibt es einen Artikel über unserer exponentiell beschleunigte technologische Entwicklung und die Auswirkung auf die Gesellschaft. Die Singularität ist Nahe. 😉

Science Fiction wird Realität: Das Zeitalter der exponentiellen Beschleunigung

Warum ich gerade diese beiden Artikel ausgesucht habe, liegt wohl daran, dass es zwei meiner Interessenssphären; einmal die Entwicklung des urbanen Lebensraums und das anderere, die generelle Auswirkungen des technologischen Fortschritts, berührt und beide Indikatoren dafür sind, was zur Zeit in unserer Welt so vor sich geht.

Nachrichten der letzten Zeit, welche auch in diese Richtung gehen sind zum Beispiel dies hier, wo ich mich so langsam frage, wo das noch hinführen soll. Nachdem man es bereits geschafft hatte zwei Ratten über das Internet mental miteinander zu verbinden, ist dies nun auch zwischen Mensch und Ratte möglich. Bestenfalls wird es eines Tages helfen, dass Menschen die Tiere besser verstehen, bisher bleibt es nur ein Wackeln mit dem Rattenschwänzchen:

Und wer es noch eine Spur gruseliger mag, schaue sich die neueste Entwicklung von Boston Dynamics an – ein Unternehmen, welches offensichtlich heftig vom amerikanischen Militär gesponsert wird. Dieses Unternehmen, dass uns schon mit so putzigen Videos von den ersten Gehversuchen von vierbeinigen Lastenrobotern unterhalten hat, oder solch tolle Entwicklungen wie Cheetah hervorbrachte. Ich gehe davon aus, dass Roboter die nahezu 50 km/h schnell laufen können irgendwann einmal ausschließlich zu unseren eigenen Sicherheit eingesetzt werden. Aber hier nun die neueste Weiterentwicklung des zweibeinigen Roboters Petman. Alles sehr vertrauenswürdig.