2016 – Ein Nachruf und Ausblick

„At least I am at loss to find appropriate words.“
– Noam Chomsky in an Interview with Alternet

Wow! Ich muss wohl kaum noch einmal feststellen, was für eine beschissene Katastrophe dieses Jahr von der Silvesternacht an war. Und dafür muss ich nicht noch rund einen Monat warten das zu beurteilen. Daher schon mal mein Jahresrückblick.

Wie schnell der Zerfall der sogenannten westlichen Wertegemeinschaft (wenn diese nicht schon immer eine Farce war) innerhalb kürzester Zeit fortgeschritten ist, war schon atemberaubend mit anzusehen.

Überall schmeißen sich ehemals stabile Demokratien den Faschisten an den Hals.
Die Briten lassen sich von einer saudämlichen Gurkentruppe, die in ihrer Regierungskompetenz noch mindestens zehn Stufen unter der Muppet Show steht, aus Europa drängen, provozieren damit eine weitere Destabilisierung einem in diesen Zeiten mehr als notwendigen vereinten Europa. Von dem britischen Abschaum, der sich dadurch legitimiert fühlte verbal bis physisch übergriffig gegen Menschen zu werden, die nicht weiß sind, mal ganz zu schweigen.

In der Türkei meint so ein hinterwäldlerischer Mikropenisträger mit Größenwahn mal eben mit seiner Version des Reichstagsbrandes ein vielversprechendes Land in ein totalitäres Regime mit Expansionsbestrebungen umzuwandeln. Und unsere Regierung schaut zu, weil irgendwo müssen ja die syrischen Flüchtlinge bleiben. Hier haben will man die ja nicht, weil sonst die ganzen kackbraunen Vollpfosten aus den national befreiten Zonen Deutschlands mit Fackeln und Mistgabeln nach Berlin ziehen (insofern dieses Pack überhaupt in der Lage ist solche Präzisionsinstrumente richtig herum zu halten). Und dann könnte sich der ewige Hosenanzug eine weitere Amtszeit ab 2017 aber komplett abschminken. Dann heißt es bei uns bald auch „Petri Heil!“.

Und über die ehemaligen Ostblockstaaten (inkl. Sachsen), die bis heute nicht geschnallt haben, wie eine freie Gesellschaft funktioniert schlagen wir auch erst mal ein Ei.

Und dann Trump! Man konnte das ganze Jahr nur mit offenem Mund da sitzen und war von der sich anbahnenden Misere gleichzeitig fasziniert und angewidert. Der ganze Präsidentschaftswahlkampf war daher vergleichbar ambivalent zu beobachten wie die Abzess-Ausdrück-Videos auf Youtube (sorry, kein Link an dieser Stelle).

Während ich das hier schreibe ist er noch nicht Präsident, aber seine Anhänger feiern ihn in Washington schon mal mit stramm ausgestreckten Arm. Good Night and Good Luck!

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Wer ist eigentlich diese Tequila-Schlampe??? – Symbolbild für das öffentlich wahrgenommene 2016

Vielleicht passiert ja noch ein Wunder und es stellen sich genug Wahlleute mit einem Gewissen gegen die Wahl und entsprechen der sog. „Popular Vote“ nach der Clinton gewonnen hätte. Wäre ein einmaliger Vorgang und unwahrscheinlich. Das traurige ist ja, das Clinton nun auch nicht die beste Wahl gewesen wäre, zumindest wüsste man in etwa, was einen erwartet (vermutlich noch mehr Drohnenkriege).

Im schlechtesten Fall sehen wir nächstes Jahr eine Neuauflage des amerikanischen Bürgerkriegs, aber nicht North vs. South, sondern eher East/Westcoast vs. Biblebelt/Flyover-States. Denn ich kann mir einfach beim besten Willen nicht vorstellen, wie ein so unglaublich vielseitiges Land wie die USA diesen Zustand einheitlich akzeptieren könnte. Dann, im besten Fall werden hoffentlich die Faschisten geschlagen, ansonsten rückt ein Szenario eines theokratisch-faschistischen Regimes in greifbare Nähe, das einem dystopischen Roman Margaret Atwoods entsprungen sein könnte.

So gesehen lässt nicht viel auf ein friedliches 2017 hoffen. Was mich dazu bringen wird mein Leben in nächster Zeit noch hedonistischer und gegenwärtiger zu leben als bisher schon. Ich habe noch nicht alle Sorten Rum, die es gibt, durchprobiert, aber ich werde verstärkt daran arbeiten. Wer weiß wieviel Zeit noch bleibt.

Was mich zu meinem persönlichen Jahresrückblick bringt! Und wenn ich das mal so rekapituliere, war es für mich eines der zufriedensten Jahre. Es gab zumindest die eine weniger angenehme Erfahrung, als mir mein Backenzahn gezogen wurde, aber das war schnell vorbei und der war auch schon knapp drei Jahre tot. Und es war mein erstes Jahr als Brillenträger. Ist auch schön mal wieder was scharf zu sehen.

Ansonsten freue ich mich darüber, wieder so viel Zeit mit lieben Menschen verbracht zu haben; einige, die ich schon lange kenne und einige, die ich in diesem Jahr erst kennen gelernt habe. Von diesem Jahr werden mir viele schöne Erinnerungen im Gedächtnis bleiben: Ein bemerkenswerter Kurztrip mit meinem Freund nach Amsterdam im Frühjahr, schöne Sommertage in den Beachclubs auf Ibiza, wo man schon am frühen Nachmittag einen sitzen hatte. Die Party mit DJ Dosem im Blue Marlin war das Highlight.
Die vielen schönen vom Rum geschwängerten Stunden in unseren Lieblingsbars (IceBar und Lab 12 oder auch mal die Pacific Bar) und die vielen schönen und langen Clubnächte bis in die Morgenstunden in Köln (JackWho, Odonien, Heinz Gaul, Artheater), wo uns unsere Bekannten fragen, wie wir das überhaupt in unserem Alter durchhalten ohne Drogen (ich verrate es euch: es ist die Musik… und Jungfrauen-/Jungmännerblut).
Die sommerlichen OpenAir-Parties, besonders mit Dirty Doering am Fühlinger See und die legendäre Closing Party der GRU:NToN. Nicht zu vergessen natürlich auch der alljährliche Blücher Park und wenigstens die eine Poller Wiesen, die ich dank zweier partywütigen Freundinnen mitgenommen habe. Und ich habe wohl die geilste selbst gemachte Lasagne gegessen, die mir jemals untergekommen ist. Auch an die kulinarischen Höhepunkte werde ich mich somit lange erinnern. 🙂

symbolbild2016

Symbolbild für das persönliche 2016

Ich würde das alles nicht so sehr betonen, wenn meine persönliches Erleben dieses Jahres nicht so diametral entgegengesetzt zu der Gesamtstimmung auf der Welt stünde. Bei all den aufgezählten Gelegenheiten traf ich Menschen, die so unterschiedlich sind; weiß, schwarz, braun, Atheisten, Christen und Muslime, heterosexuell, homosexuell, transsexuell, aber im Grunde alle vereint im elektronischen Klang, wenn man es mal so ausdrücken möchte. Und ich werde niemals akzeptieren, dass jemand eine solche Gesellschaft in Frage stellt.

Und daher möchte ich euch allen danke sagen, für das interessante und schöne Jahr, in dem das Gesetz der Anziehung 😉 wieder seine Wirkung tat und mich mit Leuten zusammengeführt hat, die mein Leben bereicherten und es hoffentlich auch weiterhin tun. Und ich hoffe, dass wir zusammen durch die kommende dunkle Zeit kommen und den rückwärts gewandten Idioten jederzeit ein ordentliches „Fuck you“ ins Gesicht spucken und wenn es einfach nur dadurch ist, wie wir unser Leben leben.

Mehr bleibt nicht zu sagen und ich gebe John Oliver und der amerikanischen Bevölkerung das letzte Wort, die die derzeitige Gefühlslage am besten wiedergibt. Hoffen wir, dass die Menschen sich in nächster Zeit auf die Errungenschaften der Demokratie zurück besinnen und den Kampf aufnehmen.

Fuck you 2016! And 2017! Fuck you too! I hate you already!

The world has lost one of its brightest, sharpest minds – R.I.P. Terry Pratchett

Das Herz ist mir schwer, denn am heutigen Tag starb Sir Terry Pratchett. Es mag größere Literaten auf dieser Welt geben und gegeben haben, aber auf meine Leseerfahrung hatte er wohl größeren Einfluss gehabt, als irgend jemand sonst.

48 seiner Bücher stehen in meinem Regal, die meisten in deutscher Übersetzung von Andreas Brandhorst, die späteren in Englisch und die neuesten Romane der letzten Jahre, die aufgrund ihrer stilistischen und inhaltlichen Qualität, gemischte Reaktionen beim Publikum hervorriefen, habe ich nicht mehr gekauft. Der letzte Roman, den ich las, war ‚Snuff‘ (‚Steife Prise‘), die letzte Geschichte jedoch, die mich wirklich berührte war ‚I shall wear midnight‘ (‚Das Mitternachtskleid‘), der vierte und letzte Teil der Geschichten um die heranwachsende Junghexe Tiffany Aching.

Ich erinnere mich, dass ein Rezensent auf Amazon schrieb, dass Terry Pratchett sich in gewisser Weise bereits mit diesem Roman von seinen Lesern verabschiedete. Zum Erscheinungszeitpunkt im Jahre 2010, lebte er bereits zwei Jahre mit der Alzheimerdiagnose, von der er sich nicht abhalten ließ, weiter seiner Tätigkeit als Schriftsteller nachzugehen und nicht den Humor zu verlieren. Er unterstützte derweil auch die medizinische Forschung auf diesem Gebiet und wäre sogar bereit gewesen einen Maulwurfshintern zu essen, wenn es denn gegen die Krankheit helfe würde, wie er zitiert wird.

Die Diagnose machte ihn aber auch zu einem prominenten Fürsprecher der Sterbehilfe bzw. des selbstbestimmten Sterbens, eine Option, die er nicht in Anspruch nahm, als er heute im Kreise seiner Familie und seiner bei ihm schlafenden Katze verstarb. Weiterlesen

Zum Tode Leonard Nimoys – Eine kleine Linksammlung

Natürlich ist der Tod von Leonard Nimoy auch nicht an mir vorbei gegangen. Sein Alter Ego Spock ist wahrscheinlich für viele Star Trek Fans eine Identifikationsfigur gewesen, wenn man es nicht so mit der rabaukigen Art eines Kirk oder dem raubeinigen Charme von Pille hatte. Hätte ich die Wahl, wäre eine Existenz als vulkanischer Wissenschaftsoffizier bestimmt nicht die schlechteste Entscheidung. Der Cast der Original-Enterprisecrew, ist schon ziemlich ausgedünnt, um so schwerer wiegt der Verlust.

Daher ein paar Links der letzten Tage, die zeigen, wie die Menschen dem Schauspieler, aber auch seiner Rolle des grünblütigen Halbvulkaniers, Respekt zollen. Jetzt nur nicht emotional werden – oder hätte Spock geheult?

Natürlich hat Nimoys Figur Spock als Wissenschaftler Generationen beeinflusst, wie man an den Reaktionen der heute tätigen Astronauten sehen kann:

Aber auch das Netz nimmt entsprechend Abschied:

FiveThirtyEight: Rest In Peace, Mr. Spock

[…] But Spock was also something that, in retrospect, mattered to me even more deeply: a scientist. Those oh-so-precise odds were a gag, but the ideals that Spock embodied — that logic can point the way to morality, that evidence is the basis for truth, that curiosity matters more than dogma — were powerful influences that resonate even as the show’s hackneyed plots and on-the-cheap special effects have come to feel dated. They’re also among the principles that underpin this website. […]

A.V. Club: Leonard Nimoy was Star Trek’s greatest ambassador

[…] But more so than anyone, Nimoy remained an ambassador for the Star Trek franchise. He reprised his role for an episode of the spin-off series Star Trek: The Next Generation (in which Spock was a literal ambassador) and appeared in both of J.J. Abrams’ rebooted films. His 1975 autobiography, I Am Not Spock, and his 1995 follow-up, I Am Spock, help track his growing acceptance of his association withTrek’s most famous Vulcan. […]

Das Internet wäre nicht das Internet, wenn nicht auch irgendwie ein Mem bei der ganzen Sache herausspringen würde. Auf dem kanadischen Fünf-Dollar-Schein wird der abgebildete ehemalige Premierminister in letzter Zeit in Spock umgestaltet. Anscheinend greift das so um sich, dass sich sogar schon die Bank of Canada eingeschaltet hat:

Dangerous Minds: Bank of Canada urges ‘Star Trek’ Fans to stop ‘Spocking’ their fivers

Die letzten Worte über Twitter, die Leonard Nimoy letzte Woche Montag mitteilte könnten nicht treffender gewählt sein. Vier Tage später verstarb er im Alter von 84 Jahren.

Live Long And Prosper