„PAGE“-Abo gekündigt

Es tut mir fast schon ein bisschen leid, dass ich das Abo für die einzige Fachzeitschrift, die ich jemals abonniert hatte, gekündigt habe. Als Mediengestalter ist es nach wie vor neben der Novum eine der Zeitschriften, die man wenigstens mal durchgeguckt haben sollte, wenn man auf dem Laufenden bleiben will, wenn es um Medienproduktion geht.

Ich habe jetzt aber 15 Pappschuber mit den Ausgaben der letzten 15 Jahre hier stehen und da ich mich schlecht von Dingen trennen kann, für die ich mal Geld bezahlt habe, nehmen diese natürlich auch mindestens vier Regalreihen ein. Dazu kommt, dass ich mit der Zeit, besonders in den letzten Monaten, immer seltener dazu gekommen bin überhaupt mal in die Ausgaben reinzuschauen, die regelmäßig in meinem Briefkasten landeten und mich immer wieder daran erinnerten, dass ja wieder ein Monat rum ist und die letzte Ausgabe noch ungelesen auf dem Wohnzimmertisch lag. Daher musste ich jetzt die Reißleine ziehen und mein Abo kündigen.

Damit schließe ich aber nun auch ein Kapitel in meinem Leben, in dem ich mich hauptsächlich über die Profession als Grafiker/Mediengestalter in einer Werbeagenturenwelt definiert habe. Mittlerweile hat sich mein Tätigkeitsfeld etwas verlagert und auch das ist mit ein Grund, warum ich auf das Abo verzichten kann.

Nun: Bevor ich jetzt noch sentimental werde, habe ich jetzt mal meine erste PAGE und die aktuelle PAGE nebeneinander gelegt und unter gestalterischen wie thematischen Merkmalen verglichen:

Page_2001_2016

Die linke Ausgabe ist Februar 2001 die rechte ist die von August 2016. Untertitel der alten PAGE, „Digitale Gestaltung & Medienproduktion“, bei dem aktuellen Heft, „Design > Code > Business >> Das Magazin der Kreativbranche“. Also schon was selbstbewusster, wie ich finde. Das Logo wurde irgendwann mal ein wenig abgeändert.

Preis damals 12,- DM, heute 9,95 €. Das kann sich jetzt ausrechnen, wer will.

Beim Titelthema 2001 geht es um Fusionen und Börsengänge in der Design- und Werbebranche, ein Thema, dass in der damals gerade heißlaufenden New Economy natürlich ernsthaft besprochen wurde. Heute fast nicht mehr vorstellbar, dass es das Ziel einer Agentur sein könnte an der Börse zu sein.

Der Titel 08/2016: Mach dein Ding (Side projects starten neben dem kreativen Alltagsgeschäft). Das zeigt, wo die Kreativszene heute steht. Komplette Individualisierung der Medienschaffenden, die sich mittlerweile interdisziplinär auf verschiedenen Feldern bewegen und auch verschiedene Rollen einnehmen können, aber oftmals auch einfach müssen, um über die Runden zu kommen.

Auch exemplarisch gut zu sehen, dass man heute vorzugsweise lieber mit Fotomaterial arbeitet, als mit eher unpersönlichen Vektorgrafiken.

Weitere Themen der 15 Jahre alten Ausgaben sind:
Profi-Tipps für Web & Print – Von Flash bis XPress: Know-how und Kniffe für kreative Publisher. Nun, weder Flash noch Xpress spielen heute noch eine große Rolle in diesem von Adobe beherrschten Markt.

Auch sehr schön: Illustrator-Workshop – Step by Step: Wie sich komplexe Verläufe einfach erstellen lassen. Ja, da höre ich doch die Zukunft.

Man muss sagen, dass sich auch das innere Layout von damals (auf dem Bild oben) gut gehalten hat. Es wirkt immer noch harmonisch und stimmig.

Page_2001_2016_02

Mittlerweile hat man aber auf ein breiteres Spaltenmaß und generell einem Satzspiegel gesetzt, der auch mehr entspannten Weißraum zulässt. Die Fließtextschrift war früher eine serifenlose Linear-Antiqua, heute setzt man auf die Serifenschrift FF Quadraat.

Interessant zu sehen im hinteren Teil der 2001er Ausgabe ist auch, wieviele Stellenanzeigen dort zu finden sind. Auf insgesamt acht Seiten bieten 19 Agenturen von Hamburg bis München Positionen als Art-Director, Grafiker oder Web-Designer an. In der aktuellen Ausgabe gibt es genau eine Seite mit zwei Anzeigen, von der eine sozusagen in eigener Sache ist (PAGE sucht einen Redakteur) und die andere Werbung für den Stellenmarkt der w&v. Auch eine Sache, die in den letzte 15 Jahren komplett ins Netz abgewandert ist.

So intensiv habe ich mich schon lange nicht mehr mit der PAGE auseinandergesetzt und die Frage bleibt, was ich jetzt mit den gesammelten Werken machen soll. Wenn wir mal umziehen sollten, könnte ich auf den Ballast gut verzichten. Andererseits ist das ja auch dokumentierte Zeitgeschichte einer Ära, in der die Digitalisierung einiges in der Branche umgerissen hat. Wo wir gerade bei Digitalisierung sind: Mit ein Grund, warum ich auch gut auf die Zeitschrift verzichten kann ist ja auch der Zugang zu genau den Themen im Internet. Und das ist die Tragik an der Sache, dass ein gut gemachtes Magazin nicht mehr mit der Informationsdichte des Netzes mithalten kann. Was sie können ist natürlich, das Wichtige herauszufiltern.

So halte ich etwas wehmütig die für mich letzte Ausgabe in den Händen und wünsche der PAGE weiterhin alles Gute. Wir sehen uns im Bahnhofskiosk.