Don’t Hug Me I’m Scared 6 – Das Finale

Und so schließt die DHMIS-Serie mit ihrem sechsten Teil den Kreis. Ein bisschen löst sich hier auf, was den drei Protagonisten dieser bizarren Show überhaupt zugestoßen ist.

Vinny von ‚YouTube Explained‘ hat (wie auch einige andere, z.B. der hier) auf jeden Fall eine recht schlüssige Erklärung der gesamten Serie zusammengefasst. Im Grunde geht es um Medienkritik, insbesondere um den Einfluss des Fernsehens. Seems legit.

Stinkefinger und mediale Korruption

Eines muss man Jan Böhmermann und seinem Team beim Neo Magazin lassen: Sie finden einen Weg mich zu erreichen, obwohl sie zur Zeit absurd blöde Sendezeiten haben. Offenbar hat man bei denen verstanden, wie man auf einem aussichtslosen Sendeplatz im ZDF trotzdem seine Reichweite nutzt und zwar durch möglichst gelungene Medienverarsche. Mit ‚Blamielen odel Kassielen‚ hatte sich das Neo-Team ja schon mal aufgewärmt und Stefan Raab bloßgestellt. Ein kleiner Fisch gegen den neuen Coup, der zeigt, wie Medienmanipulation in Zeiten des siechenden journalistischen Anspruchs funktioniert und ein paar Leute die Fähigkeit besitzen, mit dem Bild als Waffe, internationale Zwischenfälle zu provozieren.

Oder etwa doch nicht? Das Urteil bleibt jedem selbst überlassen, auch wenn es einige Indizien gibt (das wird sich die nächsten Tage zeigen), dass dies möglicherweise nicht der Fake des Fakes ist, sondern wirklich professionell eingefädelt. So oder so ist diese (mögliche) Aufdeckung in dem Video unten ein Fanal in Zeiten von unglaublich vielen, vom Netz und der Welt verwirrten, leichtgläubigen Menschen, endlich mal zur Kenntnis zu nehmen, dass man niemandem trauen kann, wir von allen Seiten verarscht, manipuliert, instrumentalisiert werden und uns nur erzählt wird, was wir hören wollen bzw. wir gerne bestätigt bekommen, was unseren Vorurteilen entspricht.

Qleek – Digitale Daten als haptisches Erlebnis

Wenn man eines in den letzten Jahren beobachten kann, dann ist es das allmähliche Verschwinden der (prä-)digitalen Datenträger. Bücher passen en masse auf kleine leichte Geräte, statt selbstgeklebte Fotoalben und Kisten mit unsortierten Fotos befinden sich die meisten unserer Bilder in der Cloud oder im Smartphone, wo auch unsere Video- und Musiksammlung ihren Platz gefunden hat, wenn man nicht sowieso nur noch Musik aus externen Kanälen des Netzes hört, während die alte CD/DVD/Bluray-Sammlung verstaubt.

Während es für meine Generation als Kinder noch normal war, große Vinylplatten von den Mumins oder die Märchenplatte aus dem Regal zu ziehen, das Gewicht zu spüren und den staubigen Geruch des Plattencoverkartons zu riechen, hat sich mit der Zeit das materielle aus der Datenwiedergabe verabschiedet. Eine großartige und praktische Entwicklung, mit der aber auch ein Verlust des Charmes einer zu Hause gepflegten Sammlung von besonderer Literatur und Musik verloren geht. Ein USB-Stick, der im Wohnzimmer liegt taugt z.B. wesentlich schlechter als Gesprächsgrundlage für Besuch, als die interessanten Romane oder die wohlsortierte Jazzplattensammlung.

Um ein bisschen dieser haptischen und visuellen Erfahrung in Zeiten der totalen Digitalisierung aller Medien zurückzuholen, haben Johanna Hartzheim, Pierre-Rudolf Gerlach und Ismail Salhi das Qleek-System entwickelt, welches unseren Daten wieder ein materielles Erscheinungsbild geben soll. Wobei die Betonung auf Schein liegt, da die sechseckigen Holzplättchen, die sich auf die dazugehörige Abspielstation legen lassen, keine Daten enthalten. Das ganze Konstrukt ist eine Art stylisher Chromecast-Stick und die wabenförmigen Holztafeln dienen ’nur‘ als Aktivierungsschalter für die Daten aus dem Netz, da auf ihnen lediglich der Verknüpfungshinweis auf einem RFID-Chip hinterlegt sind, die dann durch das Gerät abgerufen werden.

Interessantes Konzept, welches meines Erachtens nicht unsere Datennutzung revolutionieren wird, da unsere Smartphones als zentrale Schnittstelle unserer Datenströme wesentlich universeller angelegt sind. Jedoch ist Qleek ein Statement für eine sichtbare Individualisierung unserer Daten und statt einfach nur die Bilder vom letzten Urlaub in seinem flickr-Album gespeichert zu haben, hat die Vorstellung ein entsprechendes Holztäfelchen mit einem aufgedruckten Bild aus der Wabenwand im Wohnzimmer zu nehmen, um auf diese Daten unkompliziert zuzugreifen, eine gewisse Attraktivität.

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(via cnet)