Stranger Things – Die zielgruppenoptimierte Serie und die Kunst die richtigen Requisiten zu finden

Als Netflixnutzer habe ich natürlich die erste Staffel von ‚Stranger Things‘ schon gesehen und muss sagen, dass mir das Konzept schon gefallen hat. Ich bin skeptisch, ob die nächste, bereits angekündigte Staffel die Qualität halten kann. Für meinen Geschmack hätte man es auch dabei belassen können.

Die Serie ist auf jeden Fall ein bemerkenswertes visuelles Zitatengewitter und bedient sich enorm vieler Elemente aus Filmen um 1980 herum. Ulysse Thevenon hat sich in dem unten stehenden Video mal die Mühe gemacht, entsprechende Referenzen der Serie den Originalen gegenüber zu stellen.

References to 70-80’s movies in Stranger Things from Ulysse Thevenon on Vimeo.

Wie gesagt hat mir die Serie sehr gut gefallen, da ich auch den Filmen und Serien dieser Epoche einiges abgewinnen kann, nur habe ich einen schalen Beigeschmack bei der Sache, wenn auch nur einen minimalen. Und zwar:

Netflix nutzt das Sehverhalten seiner Abonnenten, um sein Programm den Kunden anzupassen.

2014 schrieb Martin Baumann in seinem Artikel ‚Big Data bei Netflix – diese Vorteile erhalten Zuschauer‚, wie der Streaming-Anbieter dabei vorgeht:

So zeichnet Netflix nicht nur auf, wann welcher Titel auf welchem Endgerät gestreamt wurde, sondern zum Beispiel auch, wann pausiert, vorgespult oder abgebrochen wurde. Außerdem weiß Netflix durch das Suchverhalten ihrer Kunden, welche Schauspieler, Genre etc. besonders beliebt sind.

Ein größerer Teil der Netflix-Kunden werden wohl auch Männer um die Vierzig sein, so wie ich, die in den 80ern medial sozialisert wurden. Ich liebe ‚Poltergeist‘, ‚Alien‘ und ‚Carrie‘ habe ich wahrscheinlich auch früher gesehen, als es die FSK wünschen würde. Zumindest in Westdeutschland sind wir nur getrennt durch eine leicht konvexe Glasscheibe mit amerikanischen Vorstadtkindern aufgewachsen. Und die Zielgruppe in den USA für ‚Stranger Things‘ dürfte noch um einiges größer sein. Natürlich hat das Netflix auch gesehen und eine Serie erschaffen, die zwar neben einer unbestrittenen inhaltlichen Eigenständigkeit extrem dick eingepackt ist in einen Fanservice-Overload. Teilweise, wie man im oben verlinkten Video sehen kann, sind es ja schon 1:1 Übernahmen von Settings, Kameraeinstellungen und Ausleuchtung, so dass man bei dieser Serie schon fast von einem Remix sprechen könnte.

Ich kann das akzeptieren, als eine Art „proof of concept“, dass man eine erfolgreiche Serie machen kann, in dem man gezielt die Wünsche und Sehgewohnheiten einer Zielgruppe triggert. Nur kann das, wenn es gut funktioniert, dazu führen, dass in Zukunft verstärkt bei der Produktion von Serien darauf geachtet wird bestimmte Elemente aufzunehmen, um eine Zielgruppe zu bedienen. Das könnte Film- und Serienproduktionen hervorbringen, die so perfekt zugeschnitten, wie auch vorhersagbar sind. Und die Menschen der jeweiligen Zielgruppen halten sich nun mal gerne an altbekanntes und werden das Angebot dankbar annehmen.

Zugegeben, Netflix kann auch anders. Serien wie z.B. ‚Better Call Saul‘, oder ‚Bojack Horseman‘ zeigen, wie viel Innovationskraft bzw. auch ein Händchen für zugekaufte Serien bei diesem Anbieter vorhanden sind und man Formate zu sehen bekommt, mit denen man nicht gerechnet hätte. In ‚Stranger Things‘ sehe ich zum ersten Mal jedoch diesen Testballon, eine Serie aus den Big-Data-Analysen zu kreieren, um zu sehen, ob es funktioniert. Dafür hat man hier aber auch nichts dem Zufall überlassen. In den Kommentaren zu dem obigen Video antwortet jemand auf die Frage, ob man noch mehr Referenzen gefunden hat:

You missed my favorite one. Watch Episode 7. They duplicate the kitchen almost exactly from Poltergeist. The shot composition is identical to the shot where Diane Freeling goes into the kitchen and comes back to find the chairs stacked. Even the chairs around the table are exactly the same, both the style and the number of chairs. Jumped out at me immediately!

Was mich zu der wirklich gelungenen Ausstattung führt. Menschen bei Film und Fernsehen, die sich anständig um die Requisite kümmern haben sowieso meine vollste Bewunderung. Den Sets einer Serie die Anmutung der Authentizität zu geben, besonders, wenn in einer anderen Ära befindlich, ist bestimmt kein leichtes Unterfangen. Daher möchte ich noch auf den Wired Artikel ‚The Stories Behind Stranger Things’ Retro ’80s Props‚ verweisen, in dem die Arbeit von Lynda Reiss, der verantwortlichen Prop Master…in(?), Mistress(?)… der Requisitenverantwortlichen beleuchtet wird und wie sie auch bei den eher nebensächlichen Objekten auf Authentizität achtete.

Nachtrag

Auch sehr lesenswert ist Sarah Gless‘ Artikel ‚The Typograpy of ‚Stranger Things“ über die Schriftauswahl für den Vorspann, ebenfalls fest verwurzelt im Stil der 80er.

Operation Naked – Demokratisierung der Totalüberwachung

Ist ja eigentlich schon nicht mehr ganz neu, aber ich bin gestern endlich mal dazu gekommen, mir das von Mario Sixtus produzierte ZDF-Fernsehspiel „Operation Naked“ anzuschauen. Da solche Sachen bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten ja gerne unter Ausschluss der Öffentlichkeit Nachts im Nischenprogramm versendet werden und ich davon ausgehe, dass keiner von euch den bisher gesehen hat, kann ich ja auf hier auf jeden Fall noch mal drauf hinweisen, denn mir hat dieses Gedankenexperiment, welches nicht weit von der Realität entfernt ist, gut gefallen.

„Operation Naked“ ist ein fiktionaler Film über die Einführung von Datenbrillen und deren Auswirkung auf die Gesellschaft. Regisseur und Autor Mario Sixtus erzählt seinen Film nicht mit konventionellen Bildern, sondern setzt die Geschichte aus kurzen Ausschnitten aus ZDF-Sendungen zusammen. Bei der Collage aus unterschiedlichen Szenen haben rund 15 ZDF-Sendungen und ihre Moderatoren mitgemacht.

Filmzitate finden mit QuoDB

Es gibt ja viele (mehr oder weniger) geläufige Zitate aus Filmen, doch ist manchmal nicht ganz klar, woher sie stammten. Um hier Diskussionen auf Küchenparties, die ja manchmal hitzig werden können, zu vermeiden, bietet der neue Onlinedienst QuoDB von Luis Sobrecueva eine umfassende mit imdb verknüpfte Datenbank, die einem bei der Suche hilft.

quodb

(via A.V. Club)

Linktipps der KW 31/14

Big Data

Gizmag: Academics to create 1,000-year evolving model of Venice

FlowingData: Explorations of People Movements

arstechnica: Algorithm predicts US Supreme Court decisions 70% of time


Kunst

bradovich6_queenbees_regalia

Wired: Art, Science, and an Insect Renaissance

Peter-root

freeyork: Peter Root’s Ephemicropolis

 

 

 

 

 

 

 

fubiz: Wood Art Quid by Rocco Pezzella

fubiz: Wood Art Quid by Rocco Pezzella

cnet: Bonsai and bouquet photographed in the stratosphere

cnet: Bonsai and bouquet photographed in the stratosphere

 

 

 

 

 

 

 

 


Urbanes

starchitects

Archinect & archdaily via NYT: Are the ‘Star’ Architects Ruining Cities?

Archinect: What ‘urban physics’ could tell us about how cities work

 

 


Humor

whaat

 

 

 

 

Stadtpläne aus Bewegungsdaten der Bewohner

Die freiwillige Totalüberwachung, die ‚Quantified Self‚-Apps hervorbringen haben ja auch was ästhetisches. Die Produzenten der Activity-Tracking-App ‚Human‘, haben die Daten, die sich aus den Bewegungen ihrer Nutzer (zu Fuß, mit Fahrrad oder auch Auto) ergeben zu variablen Stadtplänen zusammenfließen lassen. Auf ihrer Seite kann man sich von insgesamt 30 Städten die entsprechenden Statistiken im Vergleich nebst Animation anschauen.

This is how we move from Human on Vimeo.

24 Stunden Flugverkehr über dem Atlantik visualisiert

Im März hatte ich bereits schon einmal ein Video von NATS, in dem der Flugverkehr über England dargestellt wurde. Diesmal haben sie anhand ihrer Daten einen ganztägigen Zyklus der Flugbewegungen zwischen Europa und den USA visualisiert.

This visualization shows Transatlantic traffic over a 24 hour period taken from a day in August last year and shows 2,524 flights crossing the North Atlantic, of which 1,273 pass through the Shanwick OCA. At its busiest traffic can peak at 1,500 flights a day in the Summer.

North Atlantic Skies from NATS on Vimeo.

(via laughing squid)

Wissenschaftliche Kollaboration grafisch visualisiert

Inspiriert von der Datenvisualisierung der Facebook-Freundschaften hat der Programmierer Olivier H. Beauchesne mit einem ihm vorliegenden Datensatz über die internationale Zusammenarbeit bei wissenschaftlichen Projekten eine Weltkarte erstellt, die zeigt, wie in der Forschung global zusammen gearbeitet wird. Es zeigt aber auch, wieviele Teile der Welt immer noch abgehängt sind vom gemeinsamen Erkenntnisgewinn und welches Potenzial so nicht genutzt wird.

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(via FlowingData)

 

Flugverkehr über Europa (speziell UK)

Die NATS, ein Unternehmen auf Effizienz- und Sicherheitsmanagement im Flugverkehr spezialisiert, hat aus den ihnen vorliegenden Informationen der britischen Radarüberwachung und den europäischen Flugplaninformationen aus dem Zeitraum vom 21. Juni bis 28. diese Animation erstellt. Schön zu sehen, wie schnell sich ein tödlicher Virus heutzutage übertragen lässt.

Europe 24 from NATS on Vimeo.

Hörbefehl! Zündfunk Generator

Habe soeben die neueste Ausgabe des Zündfunk Generators von Bayern 2 auf der Heimfahrt gehört. Dieses wieder mal sehr interessante Feature führt noch einmal vor Augen, wie sehr sich die Schlinge um unsere Hälse schon zugezogen hat und was wir gegen das drohende Ende der Demokratie für Mittel in der Hand haben:

Waking the Dead? Selbstermächtigung in Zeiten von Big Data und digitaler Kontrolle

Big Brother is watching you: Die digitale Privatsphäre ist tot, so viel ist seit Edward Snowden klar. Die große Frage ist nun: Können wir das Internet reparieren? Welche technischen und politischen Maßnahmen sind dazu nötig? George Orwells 1984? Ein Witz! Die Stasi? Analoge Freaks! Im Vergleich zu den Praktiken der NSA verblassen alle historischen und futuristischen Überwachungsszenarios, die wir bisher kannten. Mit jedem neuen Detail, das Edward Snowden an ausgesuchte Zeitungen streut, wird die Totalität der Maßnahmen deutlicher, wird klarer, an welcher Zeitenwende wir stehen. Noch komplexer wird unser digitales Dilemma durch Big Data, der Erfassung und Kommerzialisierung unserer persönlichen Daten, die wir tagtäglich im Internet hinterlassen. Die digitale Privatsphäre scheint tot. Der Zündfunk Generator fragt Netzaktivisten, Hacker und Philosophen nach dem Stand der Bytes. Das Internet ist tot – es lebe das Internet.