Das letzte Meme des Jahres – gegenläufige Bild-Text-Qualität

Schwer in einer Headline zu beschreiben, aber eigentlich ganz einfach. Man nehme ein Originalbild mit der passenden Beschreibung/Slogan/Aussage. Diese werden nun iteriert, wobei die Bilder immer schlechter werden (entweder durch kaputt digitalisieren oder jeweiliges nachmalen der vorherigen Vorlage) und die Beschreibungen immer ausführlicher.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, daher:

Wie man sieht, entwickelt sich das dann oftmals zu rudimentären Kritzeleien mit dazugehörigen naturwissenschaftlichen/kulturhistorischen Abhandlungen.

Mehr davon gibt es z.B. in dem reddit-Forum coaxed into a snafu unter dem Stichwort „increasingly verbose„, was soviel heißt wie ‚zunehmend ausführlicher‘.

Ein paar Lesetipps über die Feiertage

Wir wollen es ja nicht zu beschaulich werden lassen zwischen den Tagen. Daher hier ein paar Longreads, wie normal lange Texte ja jetzt heißen.

Hauptsächlich geht es um das wohl einschneidenste Ereignis des an beschissenen Ereignissen ja nicht arme Jahr 2016, der „Wahl“ aka Ernennung Trumps von Putins Gnaden zum dümmsten und ignorantesten Autokraten in der Weltgeschichte.

Die Auswirkungen dieser Entwicklung wird die nächsten Jahre überschatten und 2016 wie eine Party aussehen lassen. Ehrlich gesagt bin ich mir nicht mal mehr sicher, ob wir noch Jahre haben. Daher hier ein paar Artikel, die eine Aussicht auf die kommende Zeit liefern.

Chomsky: Is the American Dream Dead?
Noam Chomsky im Interview über die kaputte US-Wirtschaft und dem nicht mehr funktionierenden politischen System der USA.

But the current period is extreme because inequality comes from super wealth. Literally, the top one-tenth of a percent are just super wealthy. This is not only extremely unjust in itself, but represents a development that has corrosive effects on democracy and on the vision of a decent society.

I’m on the Professor Watchlist — and it’s exposed a radical truth about the future of social justice
Prof. Matthew Pratt Guterl berichtet über seine Erfahrung auf der Liste der liberalen Intellektuellen gelandet zu sein, die die neuen Nazis/Trump-Unterstützer in den USA eingerichtet haben, um gegen die Intellektuellen im Land vorzugehen.

Someday, when they write the histories of all that is to come, they will remember how easily progress can be reversed or proven illusory. They will write detailed narratives of how Trump’s victory stripped away all remaining restraint from a white electorate conditioned to want a return to a racist dreamscape. And they will recount how, quite suddenly, racial slurs, swastikas, and other markers of prejudice thought to have been shunted from the mainstream for good returned to the status of ordinary, everyday speech and action.

How the Trump filter changes the way we talk about pop culture
Ein paar Gedanken, wie sich die amerikanische Popkultur mit den veränderten gesellschaftlichen Verhältnissen wandelt und mit Dingen aneckt, die bisher als Common Sense angesehen wurden und mittlerweile sog. Culture Wars auslösen. Ob das liberale Hollywood die Definitionshoheit über die Narrative behalten kann wird sich zeigen.

For decades, America has thought itself as a country that opposes Nazis and fascists. We’re the ones who saved the world from Hitler, we’re the ones who beat the bad guys, and the ultimate bad guys are Nazis. So any mediocre action movie that wanted to clarify its moral stakes could just say something like, “Our bad guys are a metaphor for fascism!” and we would all sit back, united in the understanding that the villains were fascists and the heroes believed in democracy.

2016 – Ein Nachruf und Ausblick

„At least I am at loss to find appropriate words.“
– Noam Chomsky in an Interview with Alternet

Wow! Ich muss wohl kaum noch einmal feststellen, was für eine beschissene Katastrophe dieses Jahr von der Silvesternacht an war. Und dafür muss ich nicht noch rund einen Monat warten das zu beurteilen. Daher schon mal mein Jahresrückblick.

Wie schnell der Zerfall der sogenannten westlichen Wertegemeinschaft (wenn diese nicht schon immer eine Farce war) innerhalb kürzester Zeit fortgeschritten ist, war schon atemberaubend mit anzusehen.

Überall schmeißen sich ehemals stabile Demokratien den Faschisten an den Hals.
Die Briten lassen sich von einer saudämlichen Gurkentruppe, die in ihrer Regierungskompetenz noch mindestens zehn Stufen unter der Muppet Show steht, aus Europa drängen, provozieren damit eine weitere Destabilisierung einem in diesen Zeiten mehr als notwendigen vereinten Europa. Von dem britischen Abschaum, der sich dadurch legitimiert fühlte verbal bis physisch übergriffig gegen Menschen zu werden, die nicht weiß sind, mal ganz zu schweigen.

In der Türkei meint so ein hinterwäldlerischer Mikropenisträger mit Größenwahn mal eben mit seiner Version des Reichstagsbrandes ein vielversprechendes Land in ein totalitäres Regime mit Expansionsbestrebungen umzuwandeln. Und unsere Regierung schaut zu, weil irgendwo müssen ja die syrischen Flüchtlinge bleiben. Hier haben will man die ja nicht, weil sonst die ganzen kackbraunen Vollpfosten aus den national befreiten Zonen Deutschlands mit Fackeln und Mistgabeln nach Berlin ziehen (insofern dieses Pack überhaupt in der Lage ist solche Präzisionsinstrumente richtig herum zu halten). Und dann könnte sich der ewige Hosenanzug eine weitere Amtszeit ab 2017 aber komplett abschminken. Dann heißt es bei uns bald auch „Petri Heil!“.

Und über die ehemaligen Ostblockstaaten (inkl. Sachsen), die bis heute nicht geschnallt haben, wie eine freie Gesellschaft funktioniert schlagen wir auch erst mal ein Ei.

Und dann Trump! Man konnte das ganze Jahr nur mit offenem Mund da sitzen und war von der sich anbahnenden Misere gleichzeitig fasziniert und angewidert. Der ganze Präsidentschaftswahlkampf war daher vergleichbar ambivalent zu beobachten wie die Abzess-Ausdrück-Videos auf Youtube (sorry, kein Link an dieser Stelle).

Während ich das hier schreibe ist er noch nicht Präsident, aber seine Anhänger feiern ihn in Washington schon mal mit stramm ausgestreckten Arm. Good Night and Good Luck!

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Wer ist eigentlich diese Tequila-Schlampe??? – Symbolbild für das öffentlich wahrgenommene 2016

Vielleicht passiert ja noch ein Wunder und es stellen sich genug Wahlleute mit einem Gewissen gegen die Wahl und entsprechen der sog. „Popular Vote“ nach der Clinton gewonnen hätte. Wäre ein einmaliger Vorgang und unwahrscheinlich. Das traurige ist ja, das Clinton nun auch nicht die beste Wahl gewesen wäre, zumindest wüsste man in etwa, was einen erwartet (vermutlich noch mehr Drohnenkriege).

Im schlechtesten Fall sehen wir nächstes Jahr eine Neuauflage des amerikanischen Bürgerkriegs, aber nicht North vs. South, sondern eher East/Westcoast vs. Biblebelt/Flyover-States. Denn ich kann mir einfach beim besten Willen nicht vorstellen, wie ein so unglaublich vielseitiges Land wie die USA diesen Zustand einheitlich akzeptieren könnte. Dann, im besten Fall werden hoffentlich die Faschisten geschlagen, ansonsten rückt ein Szenario eines theokratisch-faschistischen Regimes in greifbare Nähe, das einem dystopischen Roman Margaret Atwoods entsprungen sein könnte.

So gesehen lässt nicht viel auf ein friedliches 2017 hoffen. Was mich dazu bringen wird mein Leben in nächster Zeit noch hedonistischer und gegenwärtiger zu leben als bisher schon. Ich habe noch nicht alle Sorten Rum, die es gibt, durchprobiert, aber ich werde verstärkt daran arbeiten. Wer weiß wieviel Zeit noch bleibt.

Was mich zu meinem persönlichen Jahresrückblick bringt! Und wenn ich das mal so rekapituliere, war es für mich eines der zufriedensten Jahre. Es gab zumindest die eine weniger angenehme Erfahrung, als mir mein Backenzahn gezogen wurde, aber das war schnell vorbei und der war auch schon knapp drei Jahre tot. Und es war mein erstes Jahr als Brillenträger. Ist auch schön mal wieder was scharf zu sehen.

Ansonsten freue ich mich darüber, wieder so viel Zeit mit lieben Menschen verbracht zu haben; einige, die ich schon lange kenne und einige, die ich in diesem Jahr erst kennen gelernt habe. Von diesem Jahr werden mir viele schöne Erinnerungen im Gedächtnis bleiben: Ein bemerkenswerter Kurztrip mit meinem Freund nach Amsterdam im Frühjahr, schöne Sommertage in den Beachclubs auf Ibiza, wo man schon am frühen Nachmittag einen sitzen hatte. Die Party mit DJ Dosem im Blue Marlin war das Highlight.
Die vielen schönen vom Rum geschwängerten Stunden in unseren Lieblingsbars (IceBar und Lab 12 oder auch mal die Pacific Bar) und die vielen schönen und langen Clubnächte bis in die Morgenstunden in Köln (JackWho, Odonien, Heinz Gaul, Artheater), wo uns unsere Bekannten fragen, wie wir das überhaupt in unserem Alter durchhalten ohne Drogen (ich verrate es euch: es ist die Musik… und Jungfrauen-/Jungmännerblut).
Die sommerlichen OpenAir-Parties, besonders mit Dirty Doering am Fühlinger See und die legendäre Closing Party der GRU:NToN. Nicht zu vergessen natürlich auch der alljährliche Blücher Park und wenigstens die eine Poller Wiesen, die ich dank zweier partywütigen Freundinnen mitgenommen habe. Und ich habe wohl die geilste selbst gemachte Lasagne gegessen, die mir jemals untergekommen ist. Auch an die kulinarischen Höhepunkte werde ich mich somit lange erinnern. 🙂

symbolbild2016

Symbolbild für das persönliche 2016

Ich würde das alles nicht so sehr betonen, wenn meine persönliches Erleben dieses Jahres nicht so diametral entgegengesetzt zu der Gesamtstimmung auf der Welt stünde. Bei all den aufgezählten Gelegenheiten traf ich Menschen, die so unterschiedlich sind; weiß, schwarz, braun, Atheisten, Christen und Muslime, heterosexuell, homosexuell, transsexuell, aber im Grunde alle vereint im elektronischen Klang, wenn man es mal so ausdrücken möchte. Und ich werde niemals akzeptieren, dass jemand eine solche Gesellschaft in Frage stellt.

Und daher möchte ich euch allen danke sagen, für das interessante und schöne Jahr, in dem das Gesetz der Anziehung 😉 wieder seine Wirkung tat und mich mit Leuten zusammengeführt hat, die mein Leben bereicherten und es hoffentlich auch weiterhin tun. Und ich hoffe, dass wir zusammen durch die kommende dunkle Zeit kommen und den rückwärts gewandten Idioten jederzeit ein ordentliches „Fuck you“ ins Gesicht spucken und wenn es einfach nur dadurch ist, wie wir unser Leben leben.

Mehr bleibt nicht zu sagen und ich gebe John Oliver und der amerikanischen Bevölkerung das letzte Wort, die die derzeitige Gefühlslage am besten wiedergibt. Hoffen wir, dass die Menschen sich in nächster Zeit auf die Errungenschaften der Demokratie zurück besinnen und den Kampf aufnehmen.

Fuck you 2016! And 2017! Fuck you too! I hate you already!

Flughafen Amsterdam Schiphol 1916 – 2016 Animation

Amsterdams Flughafen Schiphol hatte am 16. September 100-jähriges Gründungsjubiläum und diese Animation zeigt in detaillierter Form den Ausbau auf dem Gebiet des trockengelegten Haarlemmermeer von den Anfängen bis heute.

(via kfmw)

GRU:NToN Open-Air Closing Party 2016

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Es war bei schwül-feuchtem Wetter in einer Augustnacht in einer kleinen Westernstadt am Arsch der Welt (Worringen). Eine Nacht, die in das kollektive Gedächtnis als die Moskito-Party eingehen wird. Es war eine der besten Parties des Jahres, auch wenn sich zu später Stunde ein Schwarzmarkt für Essbares zu etablieren begann, da neben dem Alkohol und andere Substanzen irgendwie keiner an Grillgut gedacht hatte. Aber Bier ist ja auch Brot und eine nette Frau aus Moskau hat mir einen Sesamkringel geschenkt, um wenigstens meine Crowd zu versorgen (Danke Sasha!).

Einen Teil dieser unvergesslichen Nacht hat Carsten Halm dokumentiert und sein Set auf Soundcloud gestellt. Wir hatten Spaß, die Mücken hatten eine Überdosis von allem und so kann es auch gerne im nächsten Jahr weitergehen.

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„PAGE“-Abo gekündigt

Es tut mir fast schon ein bisschen leid, dass ich das Abo für die einzige Fachzeitschrift, die ich jemals abonniert hatte, gekündigt habe. Als Mediengestalter ist es nach wie vor neben der Novum eine der Zeitschriften, die man wenigstens mal durchgeguckt haben sollte, wenn man auf dem Laufenden bleiben will, wenn es um Medienproduktion geht.

Ich habe jetzt aber 15 Pappschuber mit den Ausgaben der letzten 15 Jahre hier stehen und da ich mich schlecht von Dingen trennen kann, für die ich mal Geld bezahlt habe, nehmen diese natürlich auch mindestens vier Regalreihen ein. Dazu kommt, dass ich mit der Zeit, besonders in den letzten Monaten, immer seltener dazu gekommen bin überhaupt mal in die Ausgaben reinzuschauen, die regelmäßig in meinem Briefkasten landeten und mich immer wieder daran erinnerten, dass ja wieder ein Monat rum ist und die letzte Ausgabe noch ungelesen auf dem Wohnzimmertisch lag. Daher musste ich jetzt die Reißleine ziehen und mein Abo kündigen.

Damit schließe ich aber nun auch ein Kapitel in meinem Leben, in dem ich mich hauptsächlich über die Profession als Grafiker/Mediengestalter in einer Werbeagenturenwelt definiert habe. Mittlerweile hat sich mein Tätigkeitsfeld etwas verlagert und auch das ist mit ein Grund, warum ich auf das Abo verzichten kann.

Nun: Bevor ich jetzt noch sentimental werde, habe ich jetzt mal meine erste PAGE und die aktuelle PAGE nebeneinander gelegt und unter gestalterischen wie thematischen Merkmalen verglichen:

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Die linke Ausgabe ist Februar 2001 die rechte ist die von August 2016. Untertitel der alten PAGE, „Digitale Gestaltung & Medienproduktion“, bei dem aktuellen Heft, „Design > Code > Business >> Das Magazin der Kreativbranche“. Also schon was selbstbewusster, wie ich finde. Das Logo wurde irgendwann mal ein wenig abgeändert.

Preis damals 12,- DM, heute 9,95 €. Das kann sich jetzt ausrechnen, wer will.

Beim Titelthema 2001 geht es um Fusionen und Börsengänge in der Design- und Werbebranche, ein Thema, dass in der damals gerade heißlaufenden New Economy natürlich ernsthaft besprochen wurde. Heute fast nicht mehr vorstellbar, dass es das Ziel einer Agentur sein könnte an der Börse zu sein.

Der Titel 08/2016: Mach dein Ding (Side projects starten neben dem kreativen Alltagsgeschäft). Das zeigt, wo die Kreativszene heute steht. Komplette Individualisierung der Medienschaffenden, die sich mittlerweile interdisziplinär auf verschiedenen Feldern bewegen und auch verschiedene Rollen einnehmen können, aber oftmals auch einfach müssen, um über die Runden zu kommen.

Auch exemplarisch gut zu sehen, dass man heute vorzugsweise lieber mit Fotomaterial arbeitet, als mit eher unpersönlichen Vektorgrafiken.

Weitere Themen der 15 Jahre alten Ausgaben sind:
Profi-Tipps für Web & Print – Von Flash bis XPress: Know-how und Kniffe für kreative Publisher. Nun, weder Flash noch Xpress spielen heute noch eine große Rolle in diesem von Adobe beherrschten Markt.

Auch sehr schön: Illustrator-Workshop – Step by Step: Wie sich komplexe Verläufe einfach erstellen lassen. Ja, da höre ich doch die Zukunft.

Man muss sagen, dass sich auch das innere Layout von damals (auf dem Bild oben) gut gehalten hat. Es wirkt immer noch harmonisch und stimmig.

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Mittlerweile hat man aber auf ein breiteres Spaltenmaß und generell einem Satzspiegel gesetzt, der auch mehr entspannten Weißraum zulässt. Die Fließtextschrift war früher eine serifenlose Linear-Antiqua, heute setzt man auf die Serifenschrift FF Quadraat.

Interessant zu sehen im hinteren Teil der 2001er Ausgabe ist auch, wieviele Stellenanzeigen dort zu finden sind. Auf insgesamt acht Seiten bieten 19 Agenturen von Hamburg bis München Positionen als Art-Director, Grafiker oder Web-Designer an. In der aktuellen Ausgabe gibt es genau eine Seite mit zwei Anzeigen, von der eine sozusagen in eigener Sache ist (PAGE sucht einen Redakteur) und die andere Werbung für den Stellenmarkt der w&v. Auch eine Sache, die in den letzte 15 Jahren komplett ins Netz abgewandert ist.

So intensiv habe ich mich schon lange nicht mehr mit der PAGE auseinandergesetzt und die Frage bleibt, was ich jetzt mit den gesammelten Werken machen soll. Wenn wir mal umziehen sollten, könnte ich auf den Ballast gut verzichten. Andererseits ist das ja auch dokumentierte Zeitgeschichte einer Ära, in der die Digitalisierung einiges in der Branche umgerissen hat. Wo wir gerade bei Digitalisierung sind: Mit ein Grund, warum ich auch gut auf die Zeitschrift verzichten kann ist ja auch der Zugang zu genau den Themen im Internet. Und das ist die Tragik an der Sache, dass ein gut gemachtes Magazin nicht mehr mit der Informationsdichte des Netzes mithalten kann. Was sie können ist natürlich, das Wichtige herauszufiltern.

So halte ich etwas wehmütig die für mich letzte Ausgabe in den Händen und wünsche der PAGE weiterhin alles Gute. Wir sehen uns im Bahnhofskiosk.

Keep it classy, Manchester! – Der Renaissance-Schnappschuss zum Jahresanfang

Als der Fotograf Joel Goodman an Silvester durch die Straßen Manchesters zog, um Aufnahmen für die Manchester Evening News zu machen, hat er wohl nicht damit gerechnet den ersten großen Internethype 2016 loszutreten. Der Grund ist dieses Bild, welches durch einen Tweet von Ronald Hughes, einem BBC-Produzenten, schnell die Runde machte:JS79535762Oberflächlich gesehen ein Schnappschuss, doch durch einen glücklichen Umstand zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort auf den Auslöser zu drücken und, nehme ich zumindest an, dem geübten Auge des Fotografen, ergibt das Ganze eine Komposition im Stile der Renaissance-Künstler.

Dem geübten Betrachter fällt direkt die gefällige Positionierung der Elemente im goldenen Schnitt auf. Die Gesamtkomposition folgt der Schnecke hin zu dem Gesicht des am Boden liegenden Mannes im Vordergrund.painting2Demzufolge wurde das Bild einer noch genaueren Untersuchung unterzogen und die einzelnen Elemente des Bildes (mit einem Augenzwinkern) im Sinne der Kunsthistorie analysiert:Was natürlich auch nicht ausblieb, war das Bild anhand eines Deep-Learning-Algorithmus namens DeepForger an verschiedene Kunststile anzupassen.

Rückblick • Ausblick

Och nee… Jahresrückblicke! Langweilig! War ja wieder alles dabei von Terrorismus bis zu blauschwarzweißgoldenen Kleidern, yadda yadda.

Möglicherweise komme ich ja jetzt mit Ende 30 in das „I-don’t-give-a-fuck-and-I’m-sick-of-your-shit‘-Alter, aber vieles, von dem, worüber sich die Öffentlichkeit™ und die Medien im letzten Jahr ausgelassen haben, ging mir überhaupt nicht nahe, um nicht zu sagen am Arsch vorbei. Wahrscheinlich sind das einfach nur Abgrenzungsbemühungen, weil ich den alltäglichen Wahnsinn, an dem es auch 2015 nicht mangelte, nicht mehr ertragen kann. Und auch, weil ich mich weigere an der lächerlichen Verunsicherungsspirale teilzunehmen, an der hauptsächlich von den unfähigen Subjekten unserer und anderer Regierungen gedreht wird und damit ein gesellschaftlicher Schaden provoziert wird, der größer ist, als alles, was irgendwelche Nahost-Nihilisten uns antun könnten.

Deswegen halte ich es auch mit der Titel-Headline von ‚Charlie Hebdo‘: „Ihr habt die Waffen. Scheiß drauf, wir haben den Champagner.“ Und für meinen Geschmack sollte man noch hinzufügen: Und es ist genug Champagner für alle da! Auch für die, die dieses Jahr temporär oder auch langfristig ihre Heimat verlassen mussten und zu uns gekommen sind.

Persönlich war es ein interessantes Jahr; das erste in meinem mindestens 10 Jahre andauernden Berufsleben, in dem ich Mal drei Monate arbeitslos war. Einerseits okay eine Pause einzulegen (besonders während der Sommermonate), andererseits echt knapp, wenn man mit weniger Geld zu Recht kommen muss. Aber ich hab mal wieder gelernt mit meinem Geld zu haushalten. Alles jammern auf hohem Niveau, wenn man bedenkt, was ich dieses Jahr alles gesehen und gemacht habe; Amsterdam (zum ersten Mal), Mykonos (zum ersten Mal), Mischkonsum (zum letzten Mal!).

Nur, was ein bisschen auf der Strecke geblieben ist – besonders ab dem Herbst – ist dieses Blog. Ich hab wesentlich weniger geschrieben und noch hunderte Links in meiner Liste, die ich nie verlinkt habe. Meine wöchentlichen Linksammlungen habe ich auch nicht konsequent durchgezogen. Im Moment weiß ich auch noch nicht, wo es hingehen soll, weiterführen werde ich dieses Projekt auf jeden Fall. Im Grunde alles nur ein Zeitproblem, denn seit ich meinen neuen Job angetreten habe, der mich natürlich erst mal fordert, habe ich wesentlich weniger Energie, um sie hier reinzustecken.

Wie auch immer. Erfreulich zu sehen ist jedoch, dass weniger Aktivität meinerseits an diesem Blog nicht zu einer Abnahme an Besuchern geführt hat, ganz im Gegenteil. Das Vorjahresergebnis konnte im Oktober bereits überholt werden. Ich zitiere aus dem Jetpack-Jahresbericht zu Logbuch Labelizer:

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieses Blog wurde 2015 etwa 35.000 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 13 ausverkaufte Aufführungen benötigen um so viele Besucher zu haben, wie dieses Blog.

Mit 223 Besuchern war der 15. November der geschäftigste Tag des Jahres. Eine Flagge für die Erde war der beliebteste Beitrag an diesem Tag.

Jaja, ich weiß, das sind lächerliche Zahlen; 35.000 Besuche machen Top-Blogs in ein paar Tagen. Aber ich weiß wo ich stehe und das ist okay so.

Wann ich wieder mehr schreiben und verlinken werde, kann ich noch nicht sagen, aber ich bin hoffnungsvoll, dass es auch mal wieder mehr wird. In letzter Zeit finden sich für meinen Geschmack aber immer weniger wirklich teilenswerte Inhalte im Netz (vielleicht suche ich auch nur falsch) und bei selbst geschriebenen Sachen rege ich mich ja meistens nur über irgendein Thema auf. Ist ja auch nicht gesund.

Vielmehr werde ich versuchen meine künstlerisch-kreative Arbeit wieder zu forcieren. Ein bisschen was ist ja in 2015 aus meinem Kopf in den Rechner gefallen, darf 2016 ruhig wieder mehr werden. Ich habe auch schon konkrete Pläne.

Aber genug des Geschwafels, wir haben ja alle bestimmt noch ein käsehaltiges Silvestermenu zu kreieren und davon will ich euch nicht abhalten. Somit schließe ich mit dem guten Vorsatz meines Lieblingscaptains:

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Moschino Spring/Summer 2016

Da hat wohl jemand die Phrase „Mode inspiriert von der Straße“ sehr wörtlich genommen.

(via Dazed Digital)