Rückblick 2018 – Oder soll man es lassen?

2018 in a nutshell © Ilya Varlamov

Eigentlich könnte ich im Groben dasselbe schreiben, wie letztes Jahr. Für mich persönlich war es kein schlechtes Jahr, aber für die Welt im gesamten ein merklich schlechteres mit wenigen Lichtblicken. Diese Diskrepanz kann auf Dauer nicht gut gehen.

2018 war das viertwärmste Jahr seit Beginn der Messungen, was selbst im fossilienbetriebenen Autoland Deutschland wenigstens mal zu Diskussionen geführt hat. Spätestens als der Rhein nicht mehr befahrbar war und die Benzinlieferungen an den Tankstellen ausblieben (ein Teufelskreis).
Für mich bedeutete dies hingegen jeden Abend in der Dürreperiode zwischen April und Oktober bis nachts um zwölf auf dem Balkon zu liegen und mir die Sternbilder anzuschauen. Dabei ist im Übrigen nicht wenig Wein geflossen.

Die sogenannte westliche Wertegemeinschaft, wenn es diese über den Hegemonialanspruch einzelner Staaten hinaus überhaupt jemals gegeben hat, und ihre nicht mehr funktionsfähigen Demokratien zerbröseln zusehends. Solange der EU-Ostblock, der die Demokratie eh nie kapiert hat, inklusive Österreich sich sanktionsfrei allerhand autokratischen Mist erlauben kann und das Geld aus Brüssel und die Propaganda aus Russland fließt, wird sich da wohl auch nicht viel ändern.
Ebenso hat die EU ihre humanitären Ansprüche dieses Jahr vollends preisgegeben und wir lassen tausende Menschen im Mittelmeer staatlich legitimiert ersaufen. Ohne den Einsatz privater – und von staatlicher wie medialer Seite kriminalisierter – Organisationen, wären es noch viel mehr gewesen.
Andererseits muss ich schon anerkennend anmerken, wie vorbildlich hart die EU im Umgang mit dieser Brexit-Muppet-Show geblieben ist. Großbritannien hat sich Dank seiner völlig degenerierten Polit-„Elite“ in eine Lage gebracht, deren Konsequenzen sie wohl am eigenen Leib erfahren müssen. Und wenn in gut drei Monaten von einem Tag auf den anderen der Zugang von Menschen und Waren zur Insel nicht mehr gewährleistet ist, der Flugverkehr lahmliegt und die Supermarktregale veröden, könnte ich es der britischen Bevölkerung nicht verübeln, nach guter alter französischer Tradition einige schlecht frisierte Köpfe rollen zu lassen.

Ein vorheriges Einlenken und den ganzen Schwachsinn abzublasen, wäre natürlich willkommener. Ich würde gerne noch einmal nach London, aber bitte ohne lästigen Bürgerkrieg.

Zu dem verzogenen Gör in Washington werde ich mich nicht mehr äußern. Da wurde schon zuviel gesagt und das Problem wird sich bald lösen.


Es ist auf jeden Fall ein Jahr, in dem auch in mir der Wunsch nicht mehr so weiterzumachen wie bisher immer stärker wurde. Ich denke viel über mein eigenes Zutun zur Lage nach; meinen kleinen Einfluss, den ich auf die Welt nehme. Muss ich wirklich noch mehr Kleidung haben? Wie wäre es denn mal längere Zeit auf Fleisch zu verzichten? Ein Monat vegan und sich dann ein geiles Steak beim Spanier erlauben? Verbessert sich damit meine CO2-Bilanz? Flugreisen. Auch ein Problem. Besonders, wenn Freunde über die Grenzen Europas hinaus verstreut sind. Ein Besuch würde ja bedeuten ein Jahr lang keinen Stoffwechsel mehr zu betreiben und dabei jeden Tag einen Baum zu pflanzen, wenn man es denn irgendwie ausgleichen will.
Und bloß immer schön die Zutatenlisten von fertigen Lebensmitteln durchschauen und sobald „Palmöl“ auftaucht, sofort zurück ins Regal. Was aber wenig bringt, wenn ich auf der anderen Seite Maracujas aus Südamerika esse 🙄 . Daher bin ich ja schon froh, dass ich vermehrt selber koche und dies dann auch mit Zutaten aus der Region. Das cookit-Mobil auf dem Rudolfplatz in Köln hat mir da als Koch-Legastheniker dieses Jahr bisher gut geholfen, besonders nachdem ich der Hello-Fresh-Rezepte müde war.

Auch was die politische Teilhabe anging, war dieses Jahr für mich ein Novum. Ich bin zum ersten Mal gegen und für etwas auf die Straße gegangen (zumindest wenn man die Demo in Bonn Anfang der 80er Jahre gegen die Stationierung von Pershing-Raketen nicht mitzählt (da wurde ich einfach von meinen Eltern mitgenommen)).
Am unglaublich warmen 07. Juli war ich bei der Großdemo in Düsseldorf gegen das Polizeigesetz einer von mindestens 20.000 Teilnehmern, die das Kö-Publikum beim Anstehen vor Gucci irritierten. Es war eine wichtige und richtige Entscheidung dabei zu sein, zumal eine Stadt von der Mitte einer Straße irgendwie anders wirkt. Des Weiteren hat mir dieses Sammelsurium an verschiedenen Gruppen auf der Demo gezeigt, dass ich bei weitem nicht so links bin, wie ich dachte. Schwarzer Block, Marxistisch-Leninistische Partei; alles gut und schön, solange die mich nicht unsittlich berühren. Aber mir sind immer noch diese hohlen Fritten in Erinnerung, die tatsächlich in FDJ-Uniform rumliefen. Das muss man sich mal vorstellen: Auf einer Demo gegen ein Polizeigesetz, welches der Polizei weitgehende fragwürdige Befugnisse gibt, welche die Grundrechte der Bürger beschneiden, in der Uniform einer Jugendorganisation eines Polizeistaates herumzulaufen, ist an Dämlichkeit kaum zu überbieten. Hufeisentheorie hin oder her. Aber vielleicht war das ja auch nur ein perverses Cosplay. Wäre in Düsseldorf ja nichts ungewöhnliches.

Nur gut zwei Wochen davor nahm ich am (wesentlich kleineren) „March for a new Europe“ in Köln teil. Die Publikumsmischung war hier auf jeden Fall mehr in der Mitte verortet und die Musik war auch besser. Grundsätzlich ist es natürlich immer schöner für etwas zu demonstrieren, als gegen etwas.

So oder so, war 2018 eine Art Scheideweg und die Richtung, die 2019 für mich nehmen wird hängt viel davon ab, wie konsequent ich mir Diskrepanzen bewusst mache und mein Verhalten an die Gegebenheiten anpasse, um zumindest das Gefühl zu haben, nicht ein komplettes apolitisches Umweltschwein zu sein. in dieser Hinsicht bin ich bin echt froh kein Auto zu besitzen oder zu benötigen.

Besonders für  2019 gilt es auch die Nutzung von Social Media Kanälen zu überdenken. Facebook weiterhin zu unterstützen ist eigentlich nicht mehr vereinbar mit dem eigenen Anspruch auch in Zukunft noch eine funktionierende Demokratie haben zu wollen. Nach den Skandalen dieses Unternehmens, die wir alle bisher schulterzuckend hingenommen haben, wird es wohl Zeit sich von den verschiedenen Angeboten zu trennen. Wie man sein Leben ohne Facebook und Whatsapp organisieren soll, wird somit die Herausforsderung des neuen Jahrs. Instagram, dass ja nun mal auch dazu gehört ist noch am entbehrlichsten.


Wie die Jahre davor möchte ich mich natürlich bei den Menschen bedanken, die mich durch mein Leben begleiten. Bei den nahen und fernen. Für die Abende auf dem Balkon, am Esstisch auf der Tanzfläche und im Bett.


Lieblingsbilder 2018

Keine großen Reisen dieses Jahr, aber doch in Amsterdam, Dublin und Rom gewesen. In Amsterdam bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass es in Köln an einem Käsefondue-Restaurant mangelt. Irland war nach über zwanzig Jahren auch eine Erfahrung wert, auch wenn das Wetter einfach unberechenbar ist und Rom, wie immer la Grande Bellezza.


Lieblingstracks 2018 (auch wenn sie nicht zwingend aus diesem Jahr sind)



… and many more.