Roberto Orci – Die Killer-Wahl

Heute wurde mir von einem Freund, der sich mehr im Themenfeld Kino und Medien bewegt als ich, mitgeteilt, wer denn bei dem nächsten Star-Trek-Film Regie führen wird. Woraufhin ich erstmal nachschauen musste, wer das sein soll, dieser Roberto Orci.

Eigentlich bin ich immer bereit über die unsäglichen letzten zwei Star-Trek-Filme abzuranten, die, der nach eigenen Aussagen an Trek uninteressierte, Jar Jar Abrams abgeliefert hat. Aber die neuesten Entwicklungen lassen mich mit einer solchen Resignation zurück, dass ich nicht mal mehr über diese kolossalen Fehlentscheidungen reden kann. Daher eine Abschrift meines Dialogs mit meinem Filmexperten, bei der wir von Star Trek mal wieder, wie so oft, zu einer generellen Bestandsaufnahme der Medienwelt kommen:

IK: Zum Thema Star Trek – setz‘ dich am besten hin:

Paramount Hires Guy With No Directing Experience For STAR TREK 3

Der Typ ist der (Co-)Autor von Abrams beiden Star-Trek-Filmen, dem ersten Transformer, Cowboys vs. Aliens und ein 9/11-Truther, der auch gerne mal im Internet Fans blöd anmacht (er wäre ja erfolgreich und die Fans, die über seine Stories jammern nicht, also macht er alles richtig). Und das habe ich gerade gelesen:

He’s not just a Truther, he’s a goddamn lunatic. Before he shut down his Twitter feed he was advancing the theory that Sandy Hook was a false flag operation meant to cow the American public into accepting gun control.

LB: Ich hatte mit der Sache eh schon abgeschlossen.

IK: Ja, ich auch. Und glücklicherweise auch mit Star Wars.

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The internet is awesome.

LB: Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Einerseits ist es so tragisch, andererseits ist es mir auch schon total egal.

IK: Ja, das verstehe ich. Andererseits ist es schon erstaunlich, das Paramount einem Typen der noch nie was gedreht hat (nicht mal einen Kurzfilm oder sonstwas) so ein Projekt gibt. „Star Trek  Into Darkness“ hatte ein 185-Mio-Dollar Budget. Der neue Film wird in ähnlichen Gefilden unterwegs sein. Finde ich extrem erstaunlich. Mir sind für sowas auch keine Präzedenzfälle bekannt.

LB: Eine Verschwörungstheorie wäre angebracht.

IK: Für die Studios zählt offenbar nur noch irgendetwas, das grob dem Marketingversprechen entspricht, ins Kino zu bringen. Fast wie bei diesen Nachahmer-Filmen; Transmorphers und Co. Parallel zu der Entwicklung, das seit den 90ern in den Studios die Produzenten und Entscheider zunehmend aus den Mutterkonzernen kommen und vom Filmemachen null Ahnung haben. Das erste Beispiel wo mir das auffiel: Shane Black hat man, als er Kiss Kiss Bang Bang gedreht hat (zugegeben nach längerer Pause), für einen Newcomer gehalten.
Das haben zwischendurch aber auch andere bemängelt
.
Hast Du die Stories um Soderbergh mitbekommen? Dass er eigentlich keine Projekte mehr finanziert bekommen kann? Steven Soderbergh’s State Of Cinema Talk (Anm. LB: Sehr lesenswert)

LB: Ist das das Ende des Kinos? Also jetzt nicht reißerisch gemeint, sondern wirklich ernst. Geht es nur noch darum auf Gedeih und Verderb, das letzte bisschen Geld herauszuholen, ohne dass Substanz noch eine Chance hat? Ich meine, es ist ja nicht nur Star Trek. Überraschungen kommen aus Hollywood ja eher selten und die großen Geschichten finden auf Abo-Sendern statt.

IK: Ja, so ähnliche Gedanken habe ich mir auch schon gemacht. Man vergleiche auch die „Einspielergebnisse“ von Computer Games. Das muss ja auch einen Eindruck bei den Konzernen hinterlassen.
Da frage ich mich auch, ob das überhaupt sinnvoll ist da rein zu wollen.

LB: Du meinst beruflich ins Filmgeschäft?

IK: Jup.

LB: Da bleibt dann wohl eher der ausländische Fernsehmarkt. Weil hier läuft ja nichts. Wenn ich Katja Riemann wieder schwadronieren höre von einer 50% deutschen Filmquote im Kino (nach Frankreich-Vorbild) könnte ich ja schon kotzen. Als ob das was nützen würde.

IK: Naja, die Franzosen haben damit Erfolg gehabt und technisch haben wir schon die Möglichkeiten.

LB: Evtl. weil sie Filme machen, die Franzosen sehen wollen.

IK: Vergleiche sowas wie die deutschen Produktionen Anatomie und Antikörper. Nette, nicht zu teure Genresachen. Und die Franzosen machen durchaus Filme, die nicht nur Franzosen sehen wollen.

LB: Ist ja auch okay, aber man kann doch keine Quote erzwingen.

IK: Doch, kann man. Beispiel hatten wir ja gerade. Dann wären sie gezwungen sich damit auseinander zu setzen, was sie machen, statt einfach vor sich hin zu popeln. Könnte man theoretisch was dran ändern, dass deutsche Filme scheiße sind.

Übrigens, leicht mit unserem Thema verwandt, im Sinne von unkontrolliertem Marketing:

Watch Dogs: Zehn Spielversionen vorbestellbar – Kritik am Pre-Order-Dschungel

LB: Naja, wenigstens haben die potenziellen Spieler eine Wahl. :-)) Bei Sim City gibt es bisher immer noch nur eine Version, die nicht zufriedenstellend ist.

IK: Ja, aber das liegt ja an ganz anderen Gründen: Das eine ist nur verkacktes Marketing, das andere ein Produkt, das absolut nicht stimmt. Wo wir wieder bei den neuen Star-Trek-Filmen sind.

LB: Ich kann dazu, wie gesagt, nichts mehr sagen. Wie man eine Sache so grandios gegen die Wand fahren kann spottet jeder Beschreibung. Ich hab da keine Hoffnungen mehr und erfreue mich an Fanfiction, wie die Webserie, die Star Trek TOS komplettiert.

 

 

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