Jung & naiv – Tilo Jung stellt Fragen

Tilo Jung ist freier Journalist und hat keine Hemmungen Fragen zu stellen. Man sollte meinen, dass das das Mindeste ist, was man von einem Journalisten erwarten könnte, um einen Beitrag zu gesellschaftlichen Diskursen zu leisten. Als Betreiber des YouTube-Kanals Jung & naiv spricht er nicht nur mit Menschen aus dem gesamten politischen Spektrum von Erika Steinbach bis zu Christopher Lauer, sondern nimmt auch regelmäßig an den Bundespressekonferenzen teil, was ein besonders unterhaltsames aber auch mit Fremdscham behaftetes Vergnügen ist. Nicht, weil Jungs Fragen wirklich naiv wären, sondern eher, weil sich die Regierungsvertreter anscheinend zum ersten Mal in diesem Setting genötigt fühlen, Sachverhalte darzulegen, obwohl es doch bei diesen Pressekonferenzen anscheinend eher darum gehen soll, in vertrauter Runde Textbausteine für die auf Linie gebrachte Journaille aus Print-, öffentlich-rechtlichem sowie Privatfernsehen auszugeben, um dann pünktlich vor dem Mittagessen da raus zu sein.

Anders lässt sich wohl nicht erklären, wie es am Freitag zu diesem Vorfall kommen konnte:

Ob sich dieser Kollege wohl auch bei der RTL-Kollegin beschwert hat, die sich so investigativ bei Steffen Seibert nach dem Befinden der Kanzlerin erkundigte? Zeit für menschelndes bei der schlaflosen Mutti Merkel muss ja immer sein. Wo sie doch die Welt jeden ein Tag ein bisschen besser macht. </sarcasm>

Da genau diese Art der Hofberichterstattung offenbar zum normalen Umgangston in Berlin gehört, ist es gut, wenn jemand wie Tilo Jung dazwischengrätscht und einfach mal nachfragt, an Stellen, wo der geübte Hauptstadtkorrespondent, keinen Gedanken mehr an die Thematik verschwendet. Jung übernimmt somit für uns die Rolle des politikinteressierten Bürgers in diesem Forum, der sich ja normalerweise unter solchen Umständen nicht unbedingt trauen würde immer nachzuhaken. Dadurch, dass er mit dieser Art eine solche Reaktion, wie oben gezeigt, provoziert, zeigt viel vom Selbstverständnis der selbsternannten Welterklärer, die ebenso, wie die Regierungsvertreter lange genug in ihrem gemütlichen Konsenskränzchen gesessen haben.

Daher mache ich an dieser Stelle, wie Tilo es am Ende seiner Videos wünscht, gerne Werbung für seine Arbeit und wollte euch mit dem Artikel auf ihn aufmerksam machen. Reinschauen lohnt sich.

(via Netzpolitik)

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