Inside Roma

In der letzten Woche hatte ich noch einmal die Gelegenheit die ewige Stadt zu besuchen. Statt nun die vielmals dokumentierten Sehenswürdigkeiten vorzustellen, die sowieso jeder kennt habe ich ein paar Fotos und Tipps, die meist nicht in den Reiseführern auftauchen.

Dass man in Rom, generell in Italien, gut essen kann, ist ja nun kein Geheimnis. Dass man aber auch als Tourist tunlichst jedes Restaurant meiden sollte, was karierte Tischdecken hat, ist vielleicht nicht jedem bewusst. Das sind meist auch die Restaurants, die es nötig haben, jemanden an den Eingang zu stellen, um die Kundschaft hereinzuholen. Dort bekommt man meist zwar anständige, aber auf Touristen abgestimmte Gerichte zu überteuerten Preisen. Und wenn man im Urlaub schon für gutes Essen viel Geld lassen will, dann sollte man dies in den Restaurants tun, die ein wenig versteckt vor den Touristen sind.

Settimio

Dieses Foto von Trattoria Settimio wurde von TripAdvisor zur Verfügung gestellt

Wer die reduzierte und essentiellste Küche Roms erleben will, geht zu Settimio in der Via del Pellegrino 117 mitten in der Altstadt. Diese kleine und unscheinbare Trattoria, die man im Vorübergehen glatt übersehen könnte, hat eine sehr einfache Karte mit nur wenigen Gerichten vornehmlich bestehend aus Suppen sowie einfachen Pasta- und Fleischgerichten.

In diesem Familienunternehmen halten vier Senioren die Zubereitung und den „Service“ auf ihre Art aufrecht. Als wir um halb neun zu dritt den Laden betraten (man muss an der Tür klingeln) war es bereits brechend voll, hauptsächlich mit Ortsansässigen älteren Herrschaften, die wahrscheinlich schon seit Jahrzehnten Stammgäste waren. Es gab aber auch einige Tische mit Ausländern, die wohl auch über die Mundpropaganda hierhin gefunden hatten. So wurden wir noch an einen der Tische gequetscht, die so eng standen, dass wir der beleibten Nonna und dem etwas zittrigen Nonno auch beim Weiterreichen der Gerichte behilflich waren, bevor noch ein Unglück geschah.

Der Raum an sich ist so spartanisch, wie das Essen; kahle Wände mit einigen Kunstdrucken. Wenn man dann zum Glück das richtige bestellte Gericht bekommt und auch schon das passende Besteck auf dem Tisch hat, kommt man in Genuss der ‚Das-haben-wir-immer-schon-so-gemacht“-Cuisine. Kein Firlefanz, kein Chichi. Du willst Polpette (ital. Frikadellen)? Du bekommst Polpette. Zwei Stück. Sogar auf einem Teller. Keine Beilagen. Du willst Involtini al Sugo (Fleischröllchen in Tomatensauce)? Geht nicht, habe gerade die letzten an den Herrn am Nebentisch gegeben.

Wenn man sich auf diese Art von Restaurantbetrieb einlässt und noch eine Flasche Weißwein auf dem Tisch hat, kann man diese Erfahrung als positiv verbuchen. Man sollte bloß kein Festessen erwarten oder dass man satt wird. Die Rechnung indes stand einem normalen Restaurantbesuch in nichts nach (30 €/Person).

Mò Mò Republicfilename-momo-giardinoDas Mò Mò, an der Piazza Carlo Forlanini 10, ein wenig außerhalb des Zentrums hinter Trastevere im Westen der Stadt gelegen, befindet sich in einer alten Kardinalsvilla in einer Parkanlage und bietet auf drei Etagen und Pavillons um das eigentliche Gebäude gehobenes Ambiente und sehr gute Küche zu sehr vernünftigen Preisen.

Von leichteren Pastagerichten und Fisch, bis hin zu enormen 1 kg Portionen T-Bone-Steak, die auf der heißen Platte serviert werden, ist für jeden was dabei. Auch die Dessertauswahl ist umfangreich und keines kostet über 5 Euro. Sehr lecker ist auch der zum Dessert gereichte Moscato Rosa aus dem Hause Franz Haas.

Neben Restaurant ist das Mò Mò auch Veranstaltungsort diverser Events und im Sommer kann man sein Essen am neu installierten Pool im Garten einnehmen. Bei einem 3-Gänge-Menü mit Wein sollte man pro Person mit 75-100 € rechnen.

Assunta Madre
Das Assunta Madre in der altehrwürdigen Via Giulia ist mit Abstand das beste Fischrestaurant. Hier geben sich nationale wie internationale Unterhaltungs- und Politprominenz die Klinke in die Hand. Seien es Stars, wie Robert de Niro oder Sophia Loren aber auch die italienischen Minister, die den Arbeitstag bei einem Glas Wein und Fisch ausklingen lassen. Für sie gibt es ein eigens eingerichtetes Séparée mit eigenem Eingang, wo sie ungestört speisen können.

Direkt im Eingangsbereich wird in einer Auslage der frische Fang präsentiert und wenn man nicht aufpasst, kann man auch von einer Muschel mit Meerwasser angespuckt werden.
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Unter schweren Holzbalken im Hauptraum, der dem gemeinen Volk zu Verfügung steht, serviert man hier die Meeresfrüchte so frisch, dass sie buchstäblich noch vom Eis zu krabbeln versuchen. Wem das etwas zu frisch ist kann sich die Gambas und Langusten freilich auch anbraten lassen. Hervorragend sind hier die diversen Carpaccios aus Fisch und Krebs und das Thunfischtartar auf Püree sollte man sich nicht entgehen lassen. Des Weiteren werden noch unzählige Pasta-Fisch-Gerichte, frittierte Calamari und Hummer u.v.m. geboten. Alles in Spitzenqualität und perfekt präsentiert.

Wer dann noch Platz hat sollte als Dessert die Fruttini di gelato probieren. Dabei handelt es sich um hausgemachtes kleine Sorbet-/Eisportionen (Banane, Erdbeere, Orange, Zitrone, Walnuss und Kastanie), die jeweils in der jeweiligen Frucht bzw. Schale serviert werden.

Da das Assuntra Madre in Rom so erfolgreich ist, wird es ab dem 19. März auch eine Dependance in London geben. Nur mal als Tipp, falls Rom gerade nicht auf dem Weg liegen sollte.

Ein solches kulinarisches Erlebnis wie hier hat natürlich auch seinen Preis und bei einem vollumfänglichen Abend mit mehreren Gängen und Getränken, sollte man mit min. 150 €/Person rechnen.

D.O.M Hotel
Ebenfalls im oberen Preissegment und auch auf der Via Giulia 131 (direkt gegenüber der Antimafia-Polizei) befindet sich das 5 Sterne Hotel D.O.M, welches letztes Jahr in den Gemäuern einer Villa aus dem 16. Jahrhundert eröffnet wurde. Die Verbindung aus alter Architektur mit noblem, modernem Interieur macht den Reiz dieses Hauses aus. Schon beim Eintreten umfängt einem ein angenehmer Raumduft aus Ingwer und Zedernholz, der auf das Ambiente abgestimmt zu sein scheint. Zur Linken befindet sich die gut sortierte Bar, deren Longdrinks und Cocktails mit einem Preis von rund 18 bis 20 € schon sehr teuer sind. Aber man bezahlt für das Gesamterlebnis und außerdem bekommt man dazu noch Oliven und Schnittchen gereicht.

Gegenüber des Eingangsbereiches befindet sich das Hotelrestaurant mit niedrigen silbergrau bezogenen Sofas und Cocktailsesseln und entsprechend niedriger Tische. Die Karte ist exquisit und nicht allzu groß, so dass der Chefkoch einem persönlich Empfehlungen geben kann. Mit Fisch- und Fleischgerichte, Pasta und Salate, eher international ausgerichtet und qualitativ hochwertig und mit leckeren Pralinen zum Espresso ist dieses Restaurant durchaus zu empfehlen. Auch hier sollte man mit
100-150 €/Person rechnen.

Wer nach soviel Essen und Trinken noch geradeaus gehen kann und es gerade mal ein Uhr nachts ist (die normale römische Zeit für das Ende eines Abendessens), der kann ja noch eine Cocktailbar aufsuchen.

Jerry Thomas Speakeasy Bar
Versteckt in einer der kleinen Gassen der römischen Altstadt (Vicolo Cellini 30), findet sich eine sehr britisch aussehende Tür, die so gar nicht in die Umgebung zu passen scheint. Hat man das richtig ermittelte Passwort dabei – und ist der Laden nicht rappelvoll – wird von dem Mann hinter der Luke evtl. die Tür für einen geöffnet. Dahinter verbirgt sich die Jerry Thomas Speakeasy Bar, welche sich ganz im Stil und den entsprechenden Dekorationen der Prohibitionszeit präsentiert. Selbst die Mitarbeiter sind vom äußeren dem Ambiente angepasst. Gespielt wird Jazz, aber der ist in dem ganzen Stimmengewirr um einen herum eigentlich kaum zu hören. Die Cocktails sind von hervorragender Qualität und preislich mit 10-12 € im normalen Bereich. Die Bar ist Dienstags bis Samstags von 22 bis 4 Uhr geöffnet und man sollte an der Tür etwas Geduld mitbringen.

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