imm 2014 – Some think out of the box, some sell out of the container

imm_2014_Suedeingang

Fast schon zu schön war der Sonnenschein, um den gestrigen Samstag in den weitläufigen Hallen der Kölner Messe zu verbringen, aber das Ticket war gekauft und der kalte Wind machte die Entscheidung dann doch nicht so schwer.

Wie auch im letzten Jahr spielten sich die wichtigsten Dinge in nur wenigen Hallen (1, 2.2, 3.2 und 11) am Südeingang ab. Außerdem hatte ich dieses Jahr auch ein besonderes Ziel, welches ich aufsuchen wollte.

Boca do Lobo

Seit ich letztes Jahr zum ersten Mal von dieser portugiesischen Manufaktur hörte, war ich hin und weg von ihrem Stil. So etwas opulentes und außerhalb des Gewöhnlichen hat man selten gesehen und es war mir ein großes Anliegen ihren Stand auf dem Möbelmesse zu besuchen.

Vielen Dank an der Stelle geht an Tiago Reis von Boca do Lobo, mit dem ich mich unterhalten habe und der mir noch einiges an Material mitgegeben hat. Vielen Dank auch an Andrea Metz von der spanischen Porzellanmanufaktur Lladró, welche in Kooperation mit Boca do Lobo den Stand mit ihren außergewöhnlichen Objekten und Lampen komplettierte. Beide Marken sind vielleicht nicht für jeden Geschmack, aber mir gefallen sie beide sehr gut, auch wenn ich sonst eher einen puristischen Stil bevorzuge. Hier hat man mal ungewöhnliche Ideen, von denen es meines Erachtens dieses Jahr auf der imm wesentlich zu wenig gab.

Das Haus im Pure Village

Seit 2012 bietet die imm an dieser Stelle jedes Jahr einem anderen Designer die Möglichkeit, seine individuelle Vision eines Hauses zu realisieren. War es letztes Jahr der italienische Produktdesigner Luca Nichetto, der ein sehr 60er-Jahre-lastige Version eines begrünten Hauses präsentierte so war die nüchterne Installation dieses Jahres von Louise Campbell schon fast schockierend reduziert. Das Haus war ein großer Raum; an einer Wand eine geschlossene Bettenreihe für zig Personen, ebenso ein großer Gemeinschaftstisch im Zentrum. Das Bad war reduziert auf eine frei im Raum stehende Badewanne, die sich im angesagten Shabby-Chic präsentierte. Auf der anderen Seite des Raumes befand sich die Küchen-/Werkstattinstallation mit unzähligen Werkzeugen, die die Wand bekleideten.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Diese Installation ist sozusagen der holzgewordene Hipstertraum, sozusagen ein Konzept für die zeitgenössische Hipsterkommune. Der Grad der Offenheit dieser Ein-Raum-Wohnung für mindestens zwanzig Leute kann einen durchaus spekulieren lassen, ob dies nicht auch ein Statement zur Privatsphärendebatte sein könnte; einen persönlichen Rückzugsort beinhaltet dieser Wohnraum auf jeden Fall nicht. Dieses Haus bietet aufgrund seiner Vereinfachung und seiner Ausstattung mit einer Menge Werkzeug Raum zum selber gestalten und fordert zur Mitarbeit an der Entwicklung dieses Ortes auf. Zusammenfassend lässt sich sagen, es impliziert einen Ort einer offenen Gemeinschaft, die jedem Raum zur Verwirklichung bereithält. Wer mehr erfahren will, kann auch noch einmal das Konzept von der Designerin selbst erläutert bekommen:

Bocci

Ein Glasleuchtenproduzent namens Bocci  aus Vancouver ist mir mit seinen ausgefallenen Lampen aufgefallen. Würde ich so nehmen.

Paschen

Ich mag Stände, die ihre Produkte nicht einfach nur lieblos in die Dunkelheit der Messehallen stellen, sondern auch auf das Ambiente achten. Besonders aufgefallen ist mir in dieser Hinsicht der Stand von Paschen, wo sich wirklich große Mühe gegeben wurde eine lebendige Wohnsituation rund um ihre Sideboards zu simulieren.

 Halle 1 – Die High-Tech-Avantgarde

Nicht unerwähnt sollten die Entwicklungen sein, die dieses Jahr von den jungen Designern und den klugen Köpfen der Hochschulfakultäten für Gestaltung präsentiert wurden. Auch die imm kam dieses Jahr nicht um das Thema 3D-Druck herum. Besonders interessant waren die Ansätze der Studenten der ‚Hochschule der Bildenden Künste Saar‘, welche mit ihrem dpz (digitalen produktionszentrum) zeigten, wie sich u.a. Keramikobjekte und Kleinspielzeug mit dem 3D-Drucker verwirklichen lassen. Besonders bemerkenswert war die Entwicklung von Felix Christmann, der ein mit Bauklötzen einfach zu bedienendes Interface konstruiert hat, mit dem sich 3D-Modelle bearbeiten und als 3D-Druck ausgeben lassen. Wer mehr darüber erfahren möchte sollte sich die dpz-Projektseite anschauen.

Weitere Impressionen aus Halle 1 inkl. einigen Objekten aus dem [D³] Contest:

Farben und Formen 2014

Der Lowpoly-Stil des Vorjahres hat sich nicht gehalten, dafür sieht man noch mehr Lampen im Wireframe-Look. In gewisser Weise setzt sich der 60s-Trend weiter fort, jedoch mit einer emanzipierteren Formensprache, die bekannte Formen neu interpretiert und mit einem Trend zusammenfließt, den ich mal ‚Gesteppte Gemütlichkeit‘ nennen möchte. Hier einige Beispiele:

Die Formen sind teilweise schon sehr klassisch bis konservativ und wie man vielleicht hier schon sehen kann gibt es eine Bandbreite aus ein paar gedeckten dunkleren Farbtönen wie Braun und einigen wenigen kräftigen Farben wie das bereits vom Vorjahr bekannte Petrol und auch einige Gelb und Lila-Varianten. Was aber auffiel, waren die vielen grau bis graublauen Schattierungen, sowie die fahlen bis pudrigen Blau-, Violett- und Rosatöne, die fast an jedem Stand zu sehen waren.

Wie im Vorjahr werden auch verstärkt goldene und kupferfarbene Elemente als Akzente eingesetzt.

Viel Wert legt man bei der Innenausstattung auf viele kleinteilige Kinkerlitzchen und Staubfänger oder Dekoelemente, wie man in Fachkreisen sagt.

Da es dieses Jahr keine Küchenausstellung gab, war die entsprechende Halle mit chinesischer Massenware besetzt, was ein ziemlich deprimierender Anblick war. Dieser Stand, war sozusagen eines der ehrlichen Statements aus dieser Halle.

2014-01-18-12.43.48

Warum einen Stand gestalten, wenn man doch sowieso einen Transportcontainer hat?

Zum Schluss noch einige unkommentierte Impressionen:

 

 

Kommentar verfassen