GEZ-Reform – Quid pro quo

Generell hätte ich keine Probleme damit, die GEZ zu bezahlen, wenn das Geld auch so verwendet werden würde, wie es eigentlich vorgesehen ist. Die Idealsituation sieht ja folgendermaßen aus: alle Haushalte haben die Rundfunkgebühren zu entrichten. Im Gegenzug sind die öffentlich-rechtlichen Anstalten durch Rundfunkgesetze dazu verpflichtet, ihren Bildungsauftrag zu erfüllen und ausgewogen alle gesellschaftlich relevanten Gruppen in der Berichterstattung zu berücksichtigen.

Die Realität sieht aber anders aus: Eine Verflachung des Tagesprogrammes, dass sich an den Privatsendern anbiedert, Bildungsauftrag und journalistische Informationen kommen viel zu kurz und in einer endlosen Aneinanderreihung von Talkshows (besonders in der ARD) werden z.T. wichtige Themen ohne wirkliche Moderation hohlgeredet.

Laut Tagesspiegel wird die GEZ für die öffentlich-rechtlichen Sender zwischen 2013 und 2016 rund 29,6 Milliarden Euro einnehmen. Es gehen, wenn man das Ganze aufdröselt, somit beispielsweise grob geschätzt ca. fünf bis sechs Milliarden Euro jährlich allein an die ARD. Das ist vergleichbar mit den Geldmitteln der BBC, die gut fünf Millarden Pfund pro Jahr zur Verfügung stehen hat. Wenn man diese beiden ÖR-Konzepte miteinander vergleicht kommt das deutsche Fernsehen bei gleicher finanzieller Ausstattung und ähnlich gelagerten Problemen wesentlich schlechter weg, was Qualität, Innovation und journalistische Sorgfältigkeit angeht.

Daher fordere ich, wenn wir schon jetzt alle Haushalte in die Pflicht nehmen, Rundfunkgebühren zu entrichten, endlich mal die öffentlich-rechtlichen Sender inhaltlich wie strukturell auf den Prüfstand zu stellen und radikal zu erneuern.

1. Abschied von der Quotenhörigkeit

Es kann nicht sein, dass Sender, die über eine Zwangsabgabe sicher finanziert werden sich überhaupt Gedanken über die Zuschauerzahlen machen und dementsprechend ihre Programmgestaltung am dümmsten anzunehmenden Zuschauer ausrichten. Aufgrund dieser Haltung sitzen die Programmverantwortlichen den Zuschauern gegenüber wie das Kaninchen der Schlange, wenn es darum geht mal etwas zu wagen. Innovationsfähigkeit ist so gut wie nicht gegeben und wenn doch mal gut gemachte Fernsehunterhaltung aus Versehen produziert wird, sendet man diese verschämt im Nachtprogramm weg (siehe die Serie „Der Tatortreiniger“ vom NDR), weil sie offenbar dem Durchschnittszuschauer um 20.15 Uhr nach der Tagesschau nicht zumutbar ist (wie z.B. anfänglich „Mord mit Aussicht„). Dafür beglücken uns ARD und ZDF in ihren Hauptprogrammen überproportional mit flachster DEGETO-Massenware oder Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen, die man nur ohne Ton wegen der schönen Landschaftsaufnahmen ertragen kann. Gerade für den Sendeplatz um 20.15 Uhr wünsche ich mir mehr Abwechslung, evtl. auch mal einen Spielfilm, der sonst erst nach 22.00 Uhr gesendet wird oder eben unterhaltsame Eigenproduktionen, die nicht meinen Intellekt beleidigen. Davon gibt es auf den Privatsendern schon genug.

2. Maximale Zugriffsmöglichkeiten

Was ARD und ZDF noch nicht mitbekommen zu haben scheinen, ist, dass viele Menschen unterhalb der Rollator-Grenze sich an dieses Internet gewöhnt haben und es als normal ansehen, dass man sich Inhalte jederzeit für jedes Endgerät besorgen kann. Unter anderem deckt die Rundfunkgebühr ja auch diese Nutzung mit ab. Daher wäre es nur logisch, dass man auf jede Sendung, die die öffentlich-rechtlichen Sender ausgestrahlt haben auch nachträglich über das Netz zugreifen kann. Die bisherigen Angebote sind inhaltlich und in ihrer Benutzerfreundlichkeit noch eingeschränkt. Besonders die Mediathek des ZDF erweist sich als zu schlecht programmiert, um sie auf einem Smartphone zu benutzen. Des weiteren gibt es keine Möglichkeit alte Inhalte in einem Archiv abzufragen, wie zum Beispiel Sendungen aus den 70er Jahren, was meiner Meinung nach bei einer Zwangsabgabe von fast 20 Euro monatlich angemessen wäre.

3. Neustukturierung der Haupt- und Spartenkanäle

Ich habe oftmals schon gesagt, dass ich kein öffentlich-rechtliches Fernsehen mehr schauen würde, wenn es nicht zum Glück noch 3sat und arte geben würde. Ebenso bin ich sehr froh über einsfestival, einsplus sowie zdf.kultur und zdf.neo. Gerade hier werden neben den Wiederholungen aus den Hauptprogrammen Experimente gewagt. Nur frage ich mich, warum werden diese Sender überhaupt benötigt? Wie ich schon sagte, gibt es keinen Grund auf Zuschauerquoten zu schauen und es wäre für ARD und ZDF sinnvoll die Formate, denen sie auf ihren Nebensendern einen Platz zur Entwicklung bieten auch irgendwann die Aussicht auf einen Aufstieg ins Hauptprogramm zu geben. Ansonsten fristen fähige junge Fernsehschaffende wie Sarah Kuttner, Katrin Bauerfeind oder auch Joko und Klaas mit neoParadise ein Nischendasein mit Zuschauerzahlen im maximal fünfstelligen Bereich und man muss sich nicht wundern, wenn diese dann irgendwann zur privaten Konkurrenz abwandern.

Ebenso ist es nicht nachvollziehbar, wie ein Sender wie das ZDF wirklich gute Serien wie „Mad Men„, „30 Rock„, „The big C„, die Staffeln von „Weeds„, die Pro7 nicht mehr zeigte,  von unseren Gebühren teuer einkaufen kann, ohne sie dann konsequent im Hauptprogramm auszustrahlen. Denkbar wäre ja auch eine Crosspromotion, so dass neue Folgen immer zuerst auf dem Nebensender gezeigt werden und dann erst im Hauptprogramm, wenn man die Spartenkanäle stärken wollte. Im Moment wirken diese Sender aber eher wie die Halde für alles, wofür man im 08/15-Programm grade keine Verwendung hat.

4. Politisches Informationsniveau anheben

Was das angeht, haben sich die öffentlich rechtlichen Sender mehr und mehr zurückentwickelt. Die Politmagazine werden eher stiefmütterlich behandelt, was sich in gekürzten Sendezeiten und Änderungen bei den Sendeplätzen zum Nachteil dieser Formate zeigt. Auch das Sammelsurium diverser Talkshows bei ARD und ZDF, sind großteils nur als Zeitfüller gedacht, da es inhaltlich nicht darum geht Themenkomplexe analytisch auseinanderzunehmen, sondern den immer selben Politikern und Prominenten ein Forum für ihre polarisierende Dampfplauderei zu geben und Meinungsvielfalt zu simulieren. Konfrontation statt Debatte ist hier die Devise, wobei jegliche Formulierung von Lösungsansätzen von gesellschaftlichen Problemen auf der Strecke bleibt. Auch hier bleibt zu sagen, dass sich die Sender jenseits des eigentlich nicht vorhandenen Quotendrucks mehr Zeit nehmen könnten. Warum nicht mal eine politische Talkshow mit mindestens zwei Stunden Sendezeit oder offenem Ende? Mit einem echten Moderator, der diese Bezeichnung auch verdient. Das jetzige Personal an diesen Stellen macht ja eher den Job der Kindergartentante. Warum nicht mal wieder fliegende Fetzen, Getränke, die in Gesichtern landen oder Äxte in Tischen? Aber auch, wenn möglich, konstruktiver Gedankenaustausch verschiedener sich gegenüberstehnder Interessensgruppen. Stattdessen haben wir die immer selben weichgewaschene Statements aus dem Worthülsenbaukasten. Es findet im Massenmedium Fernsehen einfach keine gesellschaftspolitische Debatte mehr statt. Die Hoheit darüber scheint ins Netz abgewandert zu sein und da erreicht sie noch lange nicht genug Menschen.

Fazit:

Ein Umdenken bei den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ist dringend nötig, aber nicht absehbar. Werden die verkrusteten Strukturen innerhalb der Sender nicht aufgebrochen und der Filz zwischen Intendaten, Produzenten und Politik, der sich über Jahrzehnte gebildet har nicht entfernt, wird die Zukunft schwarz aussehen. Die Musikindustrie, die Filmindustrie, sowie die Zeitungs- und Buchverlage befinden sich bereits in der schmerzlichen Übergangsphase des digitalisierten 21. Jahrhundert und auch das Fernsehen wird nicht umhin kommen sich zu verändern. Für die heutige Zeit ist das Fernsehen einfach zu unflexibel und gefährdet seinen eigenen Fortbestand.

Ich bin dennoch bereit Geld für ein öffentlich-rechtliches Fernsehmodell zu bezahlen, da ich den Sinn und Wert eines staatlich und kommerziell unabhängigen Informationsmediums gewappnet vor einseitiger Propaganda oder den Interessen einiger weniger finanziell einflussreichen Personen durchaus sehe. Wenn ich aber schon dafür bezahle, dann nur zu meinen Konditionen. Immerhin bin ich der Kunde in diesem Spiel und der Kunde ist König.

  • Maximale und zeitunabhängige Zugriffsmöglichkeiten auf alle Inhalte.
  • Innovative Formate entwickeln oder einkaufen und Mut diese auch zu senden. Keine Orientierung mehr an verzerrten Quotenmessungen.
  • Die öffentlich-rechtlichen müssen Ihrer gesellschaftlichen und politischen Informationspflicht wieder mehr nachkommen, denn dafür hauptsächlich wird nach meinem Verständnis überhaupt GEZ gezahlt.

Also ARD, ZDF, jetzt ist es an euch…

 

2 Gedanken zu „GEZ-Reform – Quid pro quo

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