CityLeaks – Galerientour Belgisches Viertel

Ich hatte mich ja schon lange auf die CityLeaks Biennale in Köln gefreut und dann in den letzten drei Wochen gar keine Zeit gefunden, mir irgendeine der Ausstellungen anzuschauen. Damit aber das Event nicht komplett an mir vorrüberginge, entschied ich mich wenigstens die geführte Galerientour durch das Belgische Viertel zu machen.

Die Interessierten trafen sich um 16.00 Uhr an der Brüsseler Straße an der Ecke Aachener Straße, wo mir bereits zu meinem Erstaunen auffiel, wie sehr gemischt die Gruppe vom Alter her war. Ich hätte mehr Jüngere erwartet. Geleitet wurde die Führung von Gabi und Eva, welche uns am Treffpunkt schon auf das erste Werk aufmerksam machten:

Dieses Mural, also Wandgemälde, stammt von der schweizer Künstlerin Tika, die ihre Motive kontextuell an die Umgebung anpasst, einerseits durch Farbgebung und durch die gegebenen Umstände. Das oben gezeigte Motiv trägt den Titel ‚Königin der Nacht‚, die schützend über dem nächtlichen Köln und dem Partyvolk wacht. Auf das Motiv sind wie die Schuppen einer Schlange kleine dreieckige reflektierende Folien angebracht, die in der Nacht die Lichter der Stadt reflektieren sollen, aber auch am Tag im Sonnenschein ihre Wirkung entfalten.

Nicht nur die offiziellen Punkte wurden auf dieser Tour von unseren Guides besprochen, sondern auch die eher kleinen Graffitis, Stencils (Schablonenarbeiten) und Paste-Ups (Motive auf Papier), welche auf unserem Weg auftauchten. Anhand dieser Beispiele konnten die Grundlagen und Herkunft dieser Kunstrichtungen erörtert werden.

Der nächste größere Halt fand an bzw. in der Kirche St. Michael am Brüsseler Platz statt. Dort gab es eine Holzplastik des Künstlers Christian Stefanovici zu sehen, welche im Rahmen des Kunstprojektes ‚Stadtmöblierung‘ der Chu Galerie entstand. Mela Chu, die ebenfalls an der Tour teilnahm, erläuterte uns die Idee und Umsetzung des Objekts, zu dem die Menschen aufgerufen wurden Material beizutragen. So entstand ein einzigartiges Werk, dass sich thematisch mit dem Begriff Gemeinde auseinandersetze.

Ebenfalls am Brüsseler Platz gab es Figuren von Mark Jenkins zu sehen; gesichtslose monochrome Figuren, die auf einem Balkonsims hockten. Chillend? Bereit zum Sprung? Man weiß es nicht…

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Mark Jenkins

Auf dem Weg zur Galerie ‚Die Kunstagentin‚ wurden wir noch kurz an dieser Einfahrt in der Maastrichter Straße aufgehalten, an der man die Vergänglichkeit der Street-Art im öffentlichen Raum gut ablesen konnte. Bestehende Motive werden überklebt, ergänzt, neu gestaltet:

In den sehr großzügigen Räumlichkeiten der Galerie ‚Die Kunstagentin‘ gab es geometrisch-abstrakte Gemälde von SatOne, Rauminstallationen und Plastiken von Clemens Behr und einige Werke von Boris Hoppek zu sehen. Ebenso gab es Neuinterpretationen aktueller Wahlplakate von SpY.

Boris Hoppek begegnete uns noch einmal an der Wand des Geschäfts ‚Siebter Himmel‘ in der Brüsseler Straße.

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Boris Hoppek

In der Bismarckstraße betraten wir einen Innenhof, um ein Mural zu bestaunen, dass für den normalen Fußgänger auf der Straße nicht sichtbar ist, eher gedacht für die Gäste der nebenan vorbeifahrenden Bahnen. Es handelte sich um ein von Hendrik ‚ecb‘ Beikirch geschaffenes überdimensionales Portrait.

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Der Name Transib-Greyhound weist auf die Gegebenheit hin, dass Beikirch Portraits von Leuten realisiert, die er auf seinen Reisen mit ebenjenen Transportmitteln getroffen hat.

Nach diesem beeindruckenden Anblick ging es weiter zu der in der selben Straße gelegenen Galerie ‚Ruttkowski;68‚, in der es eine Ausstellung mit sehr interessantem Ansatz zu sehen gab. Unter dem Titel ‚Zuerst war die Haut‘ wurden hier Werke von Tätowierkünstlern vorgestellt, die einst von ihnen angefertigte Tätowierungen in einer neuen Form zeigten. Dabei waren sie frei in der Wahl des Mediums und so fand man neben den Fotografien der Tattoos, Gemälde, Collagen und Plastiken, die diese Motive neu interpretierten.

Nach einem kleinen Zwischenstopp an den Spichern Höfen, wo leider die Ausstellungsräumlichkeiten schon geschlossen waren, fanden wir am Friesenplatz dann dieses urbane Konglomerat von Odo Rumpf vor, seines Zeichens auch Betreiber des Veranstaltungsareals Odonien:

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Der gelernte Maschinenbauingenieur arbeitet künstlerisch mit Stahl und Industriefundstücken und in diesem Fall passend zur Umgebung mit Verkehrsschildern und Baustellensignalen.

Zu guter letzt hatten wir noch die Gelegenheit in der ‚30works‚ Galerie einzukehren, wo wir die Zeit bekamen exklusiv als Gruppe Werke von Decycle, mittenimwald, L.E.T., Van Ray und noch viele mehr zu begutachten.

Alles in allem gut angelegte zweieinhalb Stunden an einem angenehm warmen Samstagnachmittag im September, mit nochmal einem herzlichen Dank an Eva und Gabi für das Begleiten.

Worauf ich zuletzt noch hinweisen möchte, für die, die mal im Belgischen Viertel vorbeikommen und Hunger verspüren: In der Händelstraße 2 gibt es einen kleinen unscheinbaren Thai-Imbiss namens Rak Khun. Diesen suchten wir nach der Tour noch auf, denn dort gibt es thailändische Küche ohne geschmacksverstärkende Zusätze. Für die moderaten Preise der Gerichte bekommt man ein Geschmackserlebnis jenseits des Einheitsbreis der Glutamatsoßen anderer Restaurants. Echt empfehlenswert. Mit besten Dank an Steffi für den Vorschlag. 🙂

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