Netflix präsentiert das passende Gras zur Serie

Ach ja, Herbstzeit ist neue-Serien-Zeit. Das gilt auch in Zeiten des Videostreamings. Und würden wir in einem Land mit einer vernünftigen Drogengesetzgebung leben, könnten wir vielleicht auch auf solches Gras zurückgreifen, welches auf einzelne Fernsehserien zugeschnitten ist, so wie es Netflix nun in Hollywood in einem Pop-Up-Event präsentiert hat.

Für eine Serie wie ‚Arrested Development‘ wird das Gras ‚Banana Stand Kush‘ empfohlen und eine Sorte namens ‚Prickly Muffin‘ bei Bojack Horseman. Wobei ich bei dieser Serie eher an andere Drogen denke.

Das ganze soll eigentlich eine Kampagne zu der neuen Netflix-Serie ‚Disjointed‘ sein, in der es um eine Hippiemutti geht, die einen Marihuana-Laden führt. Aber diese Serie ist nicht mal bekifft halb so lustig, wie manches, was ich schon nüchtern gesehen habe.

Simpsons-Cocktails nachgemacht

Immer denke ich gerne an die Folge mit dem „Flaming Moe“ zurück, der eigentlich der „Flaming Homer“ war. Aber es gab bei den Simpsons immer wieder mal Getränkekreationen, deren Umsetzung im echten Leben überprüft werden sollten. Der Cocktail Chemistry Kanal hat genau dies getan, damit wir es nicht machen müssen. Spoiler! Der „Flaming Homer“ ist nicht entflammbar. 🙁

(via Laughing Squid)

Wie man an TV-Vorlieben die Spaltung einer Gesellschaft ablesen kann

Die New York Times hat anhand von Facebook Likes für verschiedene Fernsehserien 50 Karten der USA erstellt. Aus diesen lässt sich relativ klar ablesen, wie sich in Amerika die progressiven (urbanen) sowie die konservativen (ländlichen) Kräfte verteilen. Ebenso werden die Unterschiede zwischen den TV-Vorlieben zwischen Weißen und Schwarzen offensichtlich.

Die Ergebnisse sind nicht besonders überraschend. Serien wie „Modern Family“, die eine diversifizierte, liberale, wenn auch eher weiße Klientel ansprechen, werden vor allem an der Ost- und Westküste gerne gesehen, bekommen aber in den Südstaaten, bis auf ein paar Ausnahmen in Ballungsgebieten, nicht sehr viele Facebook Likes.

Modern Family

Verteilung Facebook Likes „Modern Family“

Fernsehsendungen wie die White-Trash-Serie „Duck Dynasty“ und Serien, die Teenager als Mütter zum Thema haben, sind vor allem in den ländlichen Gebieten von Texas, Arkansas und Louisiana beliebt. Generell erscheinen gerade die Bundesstaaten von Arkansas bis Georgia als Zentrum derer, die man sich gemeinhin als typische Trump-Wähler vorstellt. Sendungen mit einer liberalen Agenda haben hier kaum eine Chance.

Duck Dynasty

Verteilung Facebook Likes „Duck Dynasty“

Es ist jedoch auch die Region, im Artikel ‚The Black Belt‘ genannt, mit den meisten Facebook Likes für Serien mit PoC-Bezug, wie z.B. „Empire“ und andere Serien, die das schwarze Amerika abbilden.

Empire

Verteilung Facebook Likes „Empire“

Wenn man entsprechendes Kartenmaterial übereinander legen würde, wäre die Korrelation zwischen den Daten der Wahlergebnissen und TV-Serien-Likes in den USA bestimmt recht groß.

Hier geht es zum Artikel:
‘Duck Dynasty’ vs. ‘Modern Family’: 50 Maps of the U.S. Cultural Divide

Black Mirror Folgen als alte Comictitel

Butcher Billy, selbst ernannter Kulturmetzger, hat sehr schöne Comictitel zu diversen Folgen der Media-Dystopie Black Mirror erstellt. Jedes Cover fasst auf geschickte Weise die Essenz der jeweiligen Folge im Stil billiger Comicheftchen aus den 60ern zusammen.

Black Mirror - San JuniperoBlack Mirror - Nosedive

Auch zur ersten Episode der ersten Staffel hat er das passende Motiv gefunden. :-))Black Mirror - The National AnthemDiese Motive und viele der anderen fabelhaften Arbeiten von Butcher Billy kann man auch als Drucke u. ä. in seinem Shop kaufen.

Ren und Stimpy ein bisschen zu realistisch

Andrew Freeman ist Spezialist für Silikonmasken und hat nichts besseres zu tun, als meine Erinnerung an Ren und Stimpy zu zerstören. Für mich waren der cholerische Chihuahua und die dümmliche Katze immer sowas wie kauzige bis knuffige Gesellen. Natürlich gab es auch schon mal diese unappetitlichen Detailaufnahmen diverser Körperbereiche der beiden, aber diese die Realität weit überziehenden Büsten der beiden sehen ja schon eher aus, als ob sie Vertreter aus Gollums Familie wären. *Schauder*

ren-stimpy-naturalistisch

Mehr Fotos dazu auf Dangerous Minds

Star Trek – Das erste halbe Jahrhundert

Heute vor 50 Jahren, am 08. September 1966, wurde die erste Folge von Star Trek in den USA ausgestrahlt. In unruhigen Zeiten des kalten Krieges und des Vietnamkrieges, sowie generell großer gesellschaftlicher Umbrüche erschien diese Serie auf den Bildschirmen, die den Menschen von einer Welt im 22. Jahrhundert erzählte, in der die Völker der Erde in Eintracht mit etlichen anderen außerirdischen Zivilisationen zu den Sternen aufbrachen, um Neues zu entdecken und in der es gewagt wurde, den ersten Kuss zwischen Schwarz und Weiß ins TV zu bringen. Natürlich gab es auch hier immer wieder Konflikte, besonders mit den Klingonen, die symbolisch für die Sowjets standen und diese Auseinandersetzungen waren oft kämpferischer Art aber eben nicht immer.

Mein erster echter Kontakt mit Star Trek muss um 1988 gewesen sein und ich war ca. 11 Jahre alt. Mein Einstieg war aber nicht die Originalserie, sondern der Nachfolger „The Next Generation“, wobei der deutsche Titel „Das nächste Jahrhundert“ zwar korrekt aber irgendwie plump war. Zu dieser Zeit, liebe Kinder, musste man, wenn man eine aktuelle Serie außerhalb des Fernsehprogramms sehen wollte, noch das Haus verlassen und einen Ort namens Videothek aufsuchen, der immer etwas nach staubigen Büroteppich und kaltem Kaffee roch, um dort nummerierte Plastikschlüssel-Anhänger von Regalen voller bunter Plastikhüllen zu nehmen, um sie einem mehr oder weniger motiviertem Mitarbeiter an der Theke im Austausch gegen buchgroße Plastikkassetten mit Magnetbändern drin zu übergeben.

So kam ich in den Genuss die ersten Folgen dieser neuen Serie zu sehen und war angefixt für den Rest meines Lebens. Auch wenn sich TNG erst etwas lahmarschig entwickelte wurde es spätestens ab der dritten Staffel die Serie, an der sich andere SF-Serien (auch aus dem selben Universum) lange messen lassen mussten. Für mich waren nicht nur die Geschichten interessant, sondern auch meine ästhetische Prägung, was Interior- und Grafikdesign anging wurde nachhaltig von den Star Trek Serien beeinflusst.

Anlässlich dieses Jubiläums habe ich hier ein paar Links zusammengestellt, die in letzter Zeit durch meine Feed-Timeline kamen. Weiterlesen

Stranger Things – Die zielgruppenoptimierte Serie und die Kunst die richtigen Requisiten zu finden

Als Netflixnutzer habe ich natürlich die erste Staffel von ‚Stranger Things‘ schon gesehen und muss sagen, dass mir das Konzept schon gefallen hat. Ich bin skeptisch, ob die nächste, bereits angekündigte Staffel die Qualität halten kann. Für meinen Geschmack hätte man es auch dabei belassen können.

Die Serie ist auf jeden Fall ein bemerkenswertes visuelles Zitatengewitter und bedient sich enorm vieler Elemente aus Filmen um 1980 herum. Ulysse Thevenon hat sich in dem unten stehenden Video mal die Mühe gemacht, entsprechende Referenzen der Serie den Originalen gegenüber zu stellen.

References to 70-80’s movies in Stranger Things from Ulysse Thevenon on Vimeo.

Wie gesagt hat mir die Serie sehr gut gefallen, da ich auch den Filmen und Serien dieser Epoche einiges abgewinnen kann, nur habe ich einen schalen Beigeschmack bei der Sache, wenn auch nur einen minimalen. Und zwar:

Netflix nutzt das Sehverhalten seiner Abonnenten, um sein Programm den Kunden anzupassen.

2014 schrieb Martin Baumann in seinem Artikel ‚Big Data bei Netflix – diese Vorteile erhalten Zuschauer‚, wie der Streaming-Anbieter dabei vorgeht:

So zeichnet Netflix nicht nur auf, wann welcher Titel auf welchem Endgerät gestreamt wurde, sondern zum Beispiel auch, wann pausiert, vorgespult oder abgebrochen wurde. Außerdem weiß Netflix durch das Suchverhalten ihrer Kunden, welche Schauspieler, Genre etc. besonders beliebt sind.

Ein größerer Teil der Netflix-Kunden werden wohl auch Männer um die Vierzig sein, so wie ich, die in den 80ern medial sozialisert wurden. Ich liebe ‚Poltergeist‘, ‚Alien‘ und ‚Carrie‘ habe ich wahrscheinlich auch früher gesehen, als es die FSK wünschen würde. Zumindest in Westdeutschland sind wir nur getrennt durch eine leicht konvexe Glasscheibe mit amerikanischen Vorstadtkindern aufgewachsen. Und die Zielgruppe in den USA für ‚Stranger Things‘ dürfte noch um einiges größer sein. Natürlich hat das Netflix auch gesehen und eine Serie erschaffen, die zwar neben einer unbestrittenen inhaltlichen Eigenständigkeit extrem dick eingepackt ist in einen Fanservice-Overload. Teilweise, wie man im oben verlinkten Video sehen kann, sind es ja schon 1:1 Übernahmen von Settings, Kameraeinstellungen und Ausleuchtung, so dass man bei dieser Serie schon fast von einem Remix sprechen könnte.

Ich kann das akzeptieren, als eine Art „proof of concept“, dass man eine erfolgreiche Serie machen kann, in dem man gezielt die Wünsche und Sehgewohnheiten einer Zielgruppe triggert. Nur kann das, wenn es gut funktioniert, dazu führen, dass in Zukunft verstärkt bei der Produktion von Serien darauf geachtet wird bestimmte Elemente aufzunehmen, um eine Zielgruppe zu bedienen. Das könnte Film- und Serienproduktionen hervorbringen, die so perfekt zugeschnitten, wie auch vorhersagbar sind. Und die Menschen der jeweiligen Zielgruppen halten sich nun mal gerne an altbekanntes und werden das Angebot dankbar annehmen.

Zugegeben, Netflix kann auch anders. Serien wie z.B. ‚Better Call Saul‘, oder ‚Bojack Horseman‘ zeigen, wie viel Innovationskraft bzw. auch ein Händchen für zugekaufte Serien bei diesem Anbieter vorhanden sind und man Formate zu sehen bekommt, mit denen man nicht gerechnet hätte. In ‚Stranger Things‘ sehe ich zum ersten Mal jedoch diesen Testballon, eine Serie aus den Big-Data-Analysen zu kreieren, um zu sehen, ob es funktioniert. Dafür hat man hier aber auch nichts dem Zufall überlassen. In den Kommentaren zu dem obigen Video antwortet jemand auf die Frage, ob man noch mehr Referenzen gefunden hat:

You missed my favorite one. Watch Episode 7. They duplicate the kitchen almost exactly from Poltergeist. The shot composition is identical to the shot where Diane Freeling goes into the kitchen and comes back to find the chairs stacked. Even the chairs around the table are exactly the same, both the style and the number of chairs. Jumped out at me immediately!

Was mich zu der wirklich gelungenen Ausstattung führt. Menschen bei Film und Fernsehen, die sich anständig um die Requisite kümmern haben sowieso meine vollste Bewunderung. Den Sets einer Serie die Anmutung der Authentizität zu geben, besonders, wenn in einer anderen Ära befindlich, ist bestimmt kein leichtes Unterfangen. Daher möchte ich noch auf den Wired Artikel ‚The Stories Behind Stranger Things’ Retro ’80s Props‚ verweisen, in dem die Arbeit von Lynda Reiss, der verantwortlichen Prop Master…in(?), Mistress(?)… der Requisitenverantwortlichen beleuchtet wird und wie sie auch bei den eher nebensächlichen Objekten auf Authentizität achtete.

Nachtrag

Auch sehr lesenswert ist Sarah Gless‘ Artikel ‚The Typograpy of ‚Stranger Things“ über die Schriftauswahl für den Vorspann, ebenfalls fest verwurzelt im Stil der 80er.

Don’t Hug Me I’m Scared 6 – Das Finale

Und so schließt die DHMIS-Serie mit ihrem sechsten Teil den Kreis. Ein bisschen löst sich hier auf, was den drei Protagonisten dieser bizarren Show überhaupt zugestoßen ist.

Vinny von ‚YouTube Explained‘ hat (wie auch einige andere, z.B. der hier) auf jeden Fall eine recht schlüssige Erklärung der gesamten Serie zusammengefasst. Im Grunde geht es um Medienkritik, insbesondere um den Einfluss des Fernsehens. Seems legit.

Powerpuff Yourself

Die Powerpuff Girls stehen vor ihrem Comeback bei Cartoon Network und entsprechend könnt ihr euch auf der Seite Powerpuff Yourself im Stile der Zeichentrickserie nachbauen. Bei mir sieht das dann in etwa so aus.

ppmarcus

Oder so:

ppmarcus-animated

Und als Wallpaper:

ppmarcus-wallpaper

(via reddit)