Ungewöhnliches Porzellan 10

Jedes Mal, wenn ich einen neuen Artikel mit diesem Thema anfange, frage ich mich, warum ausgerechnet dazu immer wieder was zu finden ist. But here we go again!

Tim Kowalczyk kreiert unter anderem Kaffeetassen, die aussehen, als ob sie aus Fein- bis Mittelwelle-Wellpappe zusammen geklebt wären. Der realistische Anschein wird noch durch Aufdrucke, Resten von Etiketten und Paketband-Streifen verstärkt.

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(via Design Stories)


Unter dem Titel „Denkmäler des Irrtums – Hoffnung von Gestern – Folklore von Morgen“ vertreiben Mia Grau und Andree Weissert dekorative Wandteller mit pittoresken Ansichten deutscher Atomkraftwerke in Delfter Blau, die die Unausweichlichkeit zur Auseinandersetzung mit diesem Jahrmillionen-Erbe aufzeigt. Auf atomteller.de gibt es den Einzelteller für 39,- €, alle 19 Motive für 680,- €. Wenn das nicht mal was für Weihnachten ist!

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(via Nerdcore)


Der Porzellankünstler John de Fazio erschuf eine Keramik-Bong, die aussieht, wie der Kopf des Regisseurs John Waters. Weird. Zu sehen gibt es das Exponat derzeit in der ‚Venus over Manhattan‚-Ausstellung in Los Angeles.

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nikkiswarm/instagram

(via Dangerous Minds)

3D Renderings mit 80er Jahre Nostalgie

Mike Campau ist Digital Artist und dürfte ungefähr meine Generation sein. Für seine Serie „Generation Gap“ hat er daher auch einige Gegenstände des kindlichen Alltags in den 80er Jahren, wie Cornflakespackungen, Spielkonsolen und andere Accessoires, in 3D Renderings verarbeitet. Schöne bunte Eindrücke einer vergangenen Zeit, in einem sehr cleanen Look.

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Star Trek gegen Trump

Eine Vielzahl der Mitglieder der großen Star Trek Familie wie Schauspieler, Produzenten und Angehörige der Familien Roddenberry und Nimoy haben sich in einem Statement gegen die grauenvolle Möglichkeit eines Präsidenten namens Trump ausgesprochen. Sie rufen dazu auf sich für die Wahlen registrieren zu lassen (auch schon an sich ein Unding dieses Prozedere, aber anderes Thema) und nicht für einen Kandidaten zu stimmen, der das komplette Gegenteil all der humanistischen und progressiven Werte ist, für die der
TV-Klassiker und seine Charaktere stand und steht:

Never has there been a presidential candidate who stands in such complete opposition to the ideals of the Star Trek universe as Donald Trump. His election would take this country backward, perhaps disastrously. We need to elect a president who will move this country forward into the kind of future we all dream of: where personal differences are understood and accepted, where science overrules superstition, where people work together instead of against each other.

Der komplette Wortlaut und die Liste der Unterstützer ist auf der Facebook-Seite der Initiative nachzulesen.

(via Good)

Computer und Musik – Damals und Heute

Zwei Interessante Artikel flogen diese Woche durch meine Timeline, die beide mit Computern und Musik zu tun haben und zeigen, wie der Computer vom Instrument zur kreativen Erzeugung von synthetischen Klängen zu einem selber gestaltenden Mitspieler in der Kunst geworden ist.

Bereits 1951 hat Alan Turing den ersten programmierbaren Rechner Manchester Mark I dazu gebracht mit seinen Warntönen „God Save the Queen“ zu spielen und hat somit den Grundstein für Synthesizer-Musik gelegt. (via engadget)

Zugegeben, ich habe schon Festplatten und Diskettenlaufwerke im Zusammenspiel gehört, die besseren Sound produziert haben, aber immerhin.

Den anderen Artikel las ich auf Quartz, in dem behauptet wird, das eine künstliche Intelligenz aus dem Hause Sony, zum ersten Mal überhaupt selbständig einen Popsong komponiert hat. Ob man das so stehen lassen kann ist fraglich. Es ist natürlich schon eine interessante Leistung für eine KI aus einem riesigen Fundus an Musik herauszufinden, was passende Melodien sind und dann daraus was Neues zu erschaffen, aber erstens ist das nicht das erste Mal, wie einige Kommentatoren unter den YouTube-Videos richtig hinweisen und zum Zweiten sind die Texte zu den Liedern von einem Menschen hinzugedichtet worden. Nicht verwerflich, sowas nennt man wohl eine Koproduktion von Mensch und Maschine. Zumal es ja durchaus auch schon KI-Bestrebungen gibt, Texte zu schreiben, wie ich bereits in diesem Artikel schon mal präsentiert habe.

Auf jeden Fall sind das die beiden Werke der KI aus dem Sony CSL Research Laboratory; „Daddy’s Car“ und das wesentlich schrägere „Mr. Shadow“.


Star Trek – Das erste halbe Jahrhundert

Heute vor 50 Jahren, am 08. September 1966, wurde die erste Folge von Star Trek in den USA ausgestrahlt. In unruhigen Zeiten des kalten Krieges und des Vietnamkrieges, sowie generell großer gesellschaftlicher Umbrüche erschien diese Serie auf den Bildschirmen, die den Menschen von einer Welt im 22. Jahrhundert erzählte, in der die Völker der Erde in Eintracht mit etlichen anderen außerirdischen Zivilisationen zu den Sternen aufbrachen, um Neues zu entdecken und in der es gewagt wurde, den ersten Kuss zwischen Schwarz und Weiß ins TV zu bringen. Natürlich gab es auch hier immer wieder Konflikte, besonders mit den Klingonen, die symbolisch für die Sowjets standen und diese Auseinandersetzungen waren oft kämpferischer Art aber eben nicht immer.

Mein erster echter Kontakt mit Star Trek muss um 1988 gewesen sein und ich war ca. 11 Jahre alt. Mein Einstieg war aber nicht die Originalserie, sondern der Nachfolger „The Next Generation“, wobei der deutsche Titel „Das nächste Jahrhundert“ zwar korrekt aber irgendwie plump war. Zu dieser Zeit, liebe Kinder, musste man, wenn man eine aktuelle Serie außerhalb des Fernsehprogramms sehen wollte, noch das Haus verlassen und einen Ort namens Videothek aufsuchen, der immer etwas nach staubigen Büroteppich und kaltem Kaffee roch, um dort nummerierte Plastikschlüssel-Anhänger von Regalen voller bunter Plastikhüllen zu nehmen, um sie einem mehr oder weniger motiviertem Mitarbeiter an der Theke im Austausch gegen buchgroße Plastikkassetten mit Magnetbändern drin zu übergeben.

So kam ich in den Genuss die ersten Folgen dieser neuen Serie zu sehen und war angefixt für den Rest meines Lebens. Auch wenn sich TNG erst etwas lahmarschig entwickelte wurde es spätestens ab der dritten Staffel die Serie, an der sich andere SF-Serien (auch aus dem selben Universum) lange messen lassen mussten. Für mich waren nicht nur die Geschichten interessant, sondern auch meine ästhetische Prägung, was Interior- und Grafikdesign anging wurde nachhaltig von den Star Trek Serien beeinflusst.

Anlässlich dieses Jubiläums habe ich hier ein paar Links zusammengestellt, die in letzter Zeit durch meine Feed-Timeline kamen. Weiterlesen

GRU:NToN Open-Air Closing Party 2016

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Es war bei schwül-feuchtem Wetter in einer Augustnacht in einer kleinen Westernstadt am Arsch der Welt (Worringen). Eine Nacht, die in das kollektive Gedächtnis als die Moskito-Party eingehen wird. Es war eine der besten Parties des Jahres, auch wenn sich zu später Stunde ein Schwarzmarkt für Essbares zu etablieren begann, da neben dem Alkohol und andere Substanzen irgendwie keiner an Grillgut gedacht hatte. Aber Bier ist ja auch Brot und eine nette Frau aus Moskau hat mir einen Sesamkringel geschenkt, um wenigstens meine Crowd zu versorgen (Danke Sasha!).

Einen Teil dieser unvergesslichen Nacht hat Carsten Halm dokumentiert und sein Set auf Soundcloud gestellt. Wir hatten Spaß, die Mücken hatten eine Überdosis von allem und so kann es auch gerne im nächsten Jahr weitergehen.

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Stranger Things – Die zielgruppenoptimierte Serie und die Kunst die richtigen Requisiten zu finden

Als Netflixnutzer habe ich natürlich die erste Staffel von ‚Stranger Things‘ schon gesehen und muss sagen, dass mir das Konzept schon gefallen hat. Ich bin skeptisch, ob die nächste, bereits angekündigte Staffel die Qualität halten kann. Für meinen Geschmack hätte man es auch dabei belassen können.

Die Serie ist auf jeden Fall ein bemerkenswertes visuelles Zitatengewitter und bedient sich enorm vieler Elemente aus Filmen um 1980 herum. Ulysse Thevenon hat sich in dem unten stehenden Video mal die Mühe gemacht, entsprechende Referenzen der Serie den Originalen gegenüber zu stellen.

References to 70-80’s movies in Stranger Things from Ulysse Thevenon on Vimeo.

Wie gesagt hat mir die Serie sehr gut gefallen, da ich auch den Filmen und Serien dieser Epoche einiges abgewinnen kann, nur habe ich einen schalen Beigeschmack bei der Sache, wenn auch nur einen minimalen. Und zwar:

Netflix nutzt das Sehverhalten seiner Abonnenten, um sein Programm den Kunden anzupassen.

2014 schrieb Martin Baumann in seinem Artikel ‚Big Data bei Netflix – diese Vorteile erhalten Zuschauer‚, wie der Streaming-Anbieter dabei vorgeht:

So zeichnet Netflix nicht nur auf, wann welcher Titel auf welchem Endgerät gestreamt wurde, sondern zum Beispiel auch, wann pausiert, vorgespult oder abgebrochen wurde. Außerdem weiß Netflix durch das Suchverhalten ihrer Kunden, welche Schauspieler, Genre etc. besonders beliebt sind.

Ein größerer Teil der Netflix-Kunden werden wohl auch Männer um die Vierzig sein, so wie ich, die in den 80ern medial sozialisert wurden. Ich liebe ‚Poltergeist‘, ‚Alien‘ und ‚Carrie‘ habe ich wahrscheinlich auch früher gesehen, als es die FSK wünschen würde. Zumindest in Westdeutschland sind wir nur getrennt durch eine leicht konvexe Glasscheibe mit amerikanischen Vorstadtkindern aufgewachsen. Und die Zielgruppe in den USA für ‚Stranger Things‘ dürfte noch um einiges größer sein. Natürlich hat das Netflix auch gesehen und eine Serie erschaffen, die zwar neben einer unbestrittenen inhaltlichen Eigenständigkeit extrem dick eingepackt ist in einen Fanservice-Overload. Teilweise, wie man im oben verlinkten Video sehen kann, sind es ja schon 1:1 Übernahmen von Settings, Kameraeinstellungen und Ausleuchtung, so dass man bei dieser Serie schon fast von einem Remix sprechen könnte.

Ich kann das akzeptieren, als eine Art „proof of concept“, dass man eine erfolgreiche Serie machen kann, in dem man gezielt die Wünsche und Sehgewohnheiten einer Zielgruppe triggert. Nur kann das, wenn es gut funktioniert, dazu führen, dass in Zukunft verstärkt bei der Produktion von Serien darauf geachtet wird bestimmte Elemente aufzunehmen, um eine Zielgruppe zu bedienen. Das könnte Film- und Serienproduktionen hervorbringen, die so perfekt zugeschnitten, wie auch vorhersagbar sind. Und die Menschen der jeweiligen Zielgruppen halten sich nun mal gerne an altbekanntes und werden das Angebot dankbar annehmen.

Zugegeben, Netflix kann auch anders. Serien wie z.B. ‚Better Call Saul‘, oder ‚Bojack Horseman‘ zeigen, wie viel Innovationskraft bzw. auch ein Händchen für zugekaufte Serien bei diesem Anbieter vorhanden sind und man Formate zu sehen bekommt, mit denen man nicht gerechnet hätte. In ‚Stranger Things‘ sehe ich zum ersten Mal jedoch diesen Testballon, eine Serie aus den Big-Data-Analysen zu kreieren, um zu sehen, ob es funktioniert. Dafür hat man hier aber auch nichts dem Zufall überlassen. In den Kommentaren zu dem obigen Video antwortet jemand auf die Frage, ob man noch mehr Referenzen gefunden hat:

You missed my favorite one. Watch Episode 7. They duplicate the kitchen almost exactly from Poltergeist. The shot composition is identical to the shot where Diane Freeling goes into the kitchen and comes back to find the chairs stacked. Even the chairs around the table are exactly the same, both the style and the number of chairs. Jumped out at me immediately!

Was mich zu der wirklich gelungenen Ausstattung führt. Menschen bei Film und Fernsehen, die sich anständig um die Requisite kümmern haben sowieso meine vollste Bewunderung. Den Sets einer Serie die Anmutung der Authentizität zu geben, besonders, wenn in einer anderen Ära befindlich, ist bestimmt kein leichtes Unterfangen. Daher möchte ich noch auf den Wired Artikel ‚The Stories Behind Stranger Things’ Retro ’80s Props‚ verweisen, in dem die Arbeit von Lynda Reiss, der verantwortlichen Prop Master…in(?), Mistress(?)… der Requisitenverantwortlichen beleuchtet wird und wie sie auch bei den eher nebensächlichen Objekten auf Authentizität achtete.

Nachtrag

Auch sehr lesenswert ist Sarah Gless‘ Artikel ‚The Typograpy of ‚Stranger Things“ über die Schriftauswahl für den Vorspann, ebenfalls fest verwurzelt im Stil der 80er.

Vollautomatische Hanfaufzucht mit „Leaf“

Das ist bisher die wohl stylishste und modernste Art und Weise den Eigenbedarf an Rauchwaren zu decken. Mit „Leaf“ kann man in einem Kasten, der unauffällig wie ein Kühlschrank daherkommt sein eigenes Gras anbauen. Vollautomatische Bewässerung, Düngung sowie Temperatur- und Feuchtigkeitskontrolle bis hin zur Trocknung der Ernte wird alles in diesem Gerät erledigt. Instruktionen zum Anbau und der Fortschritt der Bemühungen lassen sich natürlich mittels einer eigenen App auf dem Smartphone nachvollziehen.

Einen Preis gibt es noch nicht und ob wir irgendwann in Deutschland so eine Aufzuchtstation ohne bürokratische Probleme erstehen können, steht ja auch noch in den Sternen.

(via engadget)

Graffiti Tags in Schönschrift umgewandelt

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Es gibt ja Graffiti mit ästhetischem Anspruch und dann gibt es ja auch noch diese schriftähnlichen Schmierereien, mit denen irgendwelche testosteronüberladenen Jüngelchen wahrscheinlich Gebiets- bzw. Besitzansprüche anmelden und somit auf dem Niveau des hündischen Markierens laufen.

Daher ist es eine vortreffliche Idee diese unnötigen Entstellungen im öffentlichen Raum auf eine besondere Weise aufzuräumen, wie es diese beiden Herren auf dem oberen Bild (Namen unbekannt) getan haben. All die unschönen Pseudonyme und andere textliche Auswürfe haben sie in fein leserliche Grotesk und Serifenschriften umgewandelt und so diesen Orten mehr Ordnung und Stil gegeben.

Die ganze Fotoserie kann man sich hier anschauen.

(via design you trust)

Ian Davis‘ Gemälde totalitärer Großveranstaltungen

Die Acrylgemälde von Ian Davis zeigen Szenen, wie wir sie aus Nordkorea oder früher aus der DDR und evtl. bald aus der Türkei kennen. Viele hunderte von Menschen, anonymisiert und entpersonalisiert in der Masse einer Großveranstaltung vor gigantomanischen und dem menschlichen Maß befreiten Kulissen.

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Bis zum 13. August kann man sich die Werke des US-Amerikaners in London in der Josh Lilley Gallery anschauen.

(via It’s Nice That)