Black Mirror S02E03 – Review

Nun lief am Montag die letzte der drei Folgen (Reviews Season 2: Episode 1, Episode 2) dieser Staffel Black Mirror und erinnerte in ihrem realitätsnahen Setting an die erste Folge der ersten Staffel „The National Anthem“. Wie immer mit Spoiler bzw. vollständiger Widergabe des Inhalts, also selber entscheiden.

Zusammenfassung

Jamie war einst ein Comedian, doch wie das Schicksal es wollte ist er mittlerweile nur noch im Hintergrund tätig und steuert mittels Motioncapturing einen virtuellen blauen Bär namens Waldo, der als Sidekick in einer politischen Satireshow in Videoeinspielern unbedarfte Politiker vorführt, die sich in einer Kindersendung wähnen.

In der Rolle Waldos ist Jamie offensiv und respektlos, aber eigentlich versteckt sich hinter dem animierten Bär, ein durch seine dahindümpelnde Karriere desillusionierter, deprimierter Zyniker, der den Glauben in die Menschheit verloren hat.

Während einer Brainstorming-Sitzung der Showmitarbeiter schlägt der Produzent Jack vor, Waldo solle aufgrund seiner Beliebtheit bei der Bevölkerung an den anstehenden Kommunalwahlen teilnehmen und öffentlich gegen den konservativen Kandidaten Liam Monroe vorgehen und diesen lächerlich machen. Dies ermöglichen sie mit einem umgebauten Lieferwagen, an dessen Außenseite ein großer Screen angebracht ist, von dem Waldo aus spricht. Auch wenn Jamie anfangs nicht von der Idee begeistert ist, kommen die Bloßstellungen des Bär-Avatars bei den Passanten gut an und die Kampagne wird über die Social-Media-Plattformen viral.

Eines Abend lernt Jamie die Labour-Kandidatin Gwendolyn kennen, von der man zu Beginn schon erfuhr, dass sie nur aus Karrieregründen in die Politik will. Die beiden kommen sich näher und sie verbringen die Nacht miteinander. Tags darauf wird Gwendolyn von ihrem Manager untersagt, während des Wahlkampfs den Kontakt mit Jamie aufrecht zu erhalten. Dieser ist daraufhin natürlich irritiert von ihrer abweisenden Art.

Während einer Diskussionsrunde mit den Kandidaten, bei der Monroe, Gwendolyn und Waldo anwesend sind, macht sich der konservative Politiker über Jamies erbärmliche Existenz als Handlanger einer Cartoonfigur lustig, woraufhin dieser (bzw. Waldo) die versammelten Politiker aggressiv anfährt und diese selber aufgrund ihres Habitus und ihrer Motivationen als künstlicher und weniger glaubwürdig als eine Comicfigur diskreditiert. Der Beifall des Publikums die steigende Popularität auf Youtube, Twitter etc. zeigt, dass er die öffentliche Meinung komplett auf seiner Seite hat.

Kurz darauf bekommt Jamie und der Produzent ein Angebot von „der Agentur“ (CIA), diese Popularität Waldos global zu nutzen, um die Meinungen der Menschen zu beeinflussen. Jamie, dem es von Anfang an nicht gefiel, aufs politische Parkett zu gehen hat daraufhin eine Auseinandersetzung mit seinem Produzenten, dass er sich dafür nicht hergeben wird. Doch Jack, als Rechteinhaber an Waldo, macht ihm klar, dass er jederzeit ersetzbar ist, wenn er nicht mitmacht.

So kommt es, dass Jamie, aufgrund seines moralischen Dilemmas, beim nächsten öffentlichen Auftritt durch Waldo an die Menschen appelliert ihn nicht zu wählen. Nach Handgreiflichkeiten mit seinem Produzenten, schmeißt Jamie hin und verlässt den Transporter. Nachdem Jack die Kontrolle über Waldo übernommen hat, versucht Jamie den Screen zu demolieren, wird jedoch von einem der Waldofans unter Anfeuerung des Bären niedergeschlagen.

Vom Krankenbett aus verfolgt er den Ausgang der Wahl, bei der der konservative Monroe zwar gewinnt, aber Waldo auch nicht wenige Stimmen auf sich vereinen konnte.

In den Nachspann eingebettet sieht man einen Blick in Jamies Zukunft als Obdachloser in einer Welt, die komplett unter dem Diktat Waldos steht. Als er versucht einen der öffentlichen Wandscreens mit der Waldopropaganda zu beschädigen, wird er von Polizisten getasert.

Fazit

Wie gesagt: Von den drei Folgen dieser Staffel ist diese die meiner Meinung nach inhaltlich Stärkste, da sie die jetzige Situation nur ein wenig in die Zukunft (wenn überhaupt) weiterdenkt. Es wäre natürlich nicht „Black Mirrors“, wenn es im Ende nicht noch die dystopische Extrapolation gegeben hätte, die man meines Erachtens auch hätte weglassen können. Spätestens nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses und der Aufforderung von Waldo den Politiker mit Schuhen zu bewerfen, was aus dem Publikum heraus gerne aufgenommen wird, wäre die Geschichte ohne Abstriche auch gut erzählt gewesen.

Dennoch schafft diese Folge eine sehr glaubwürdige Kulisse aus den Phänomenen und Entwicklungen unserer Zeit heraus zu konstruieren. Es geht auf der einen Seite um den Zustand des politischen Systems in der westlichen Welt. Unsere sog. Demokratien werden geprägt von bestenfalls farblosen bis unhaltbar unglaubwürdigen Politikern, die einem selbst die Wahl des kleineren Übels so madig machen, dass man gar nicht erst wählen möchte, da sich aus der Erfahrung heraus für die Normalbevölkerung sowieso nichts ändert, egal ob Partei A oder Partei B am Ruder ist. Aus diesem Stimmungsbild heraus, dass man als Durchschnittsbürger eh nichts zu melden hat und nur verarscht wird, bilden sich momentan neue Bewegungen, sei es Occupy, sei es die Piratenpartei oder auch Beppo Grillo (um diese mal zusammen in den ganz generellen Topf zu werfen), die ungeachtet ihres wirklichen Einflusses ‚denen da oben‘ mal zeigen, mit wem sie es zu tun haben. Protest ist en vogue in diesen Zeiten der starren unzeitgemäßen Politikmodellen.

Der andere Aspekt, der in dieser Folge behandelt wurde, ist die menschliche Faszination für virtuelle Persönlichkeiten. Wie ein Baby, das sich von der Rassel ablenken lässt, sind Menschen bereit auch nicht echten Wesen wie z.B. dem virtuellen Popstar Hatsune Miku Aufmerksamkeit zu schenken und ihnen dadurch Bedeutung zu geben.

Diese beiden Einflüsse bilden die Grundlage der Story, in der Waldo der virtuelle Blaubär als Instrument einer politischen Bewegung benutzt wird, die in althergebrachter Hofnarrenart die Würdenträger zur Belustigung der Bevölkerung vorführt, bis er selber zum König gemacht wird. Das Bewußtsein darüber, wer die Fäden im Hintergrund bewegt ist nicht vorhanden und die Interessen dahinter sind nicht ersichtlich. Dafür bedarf es in der Realität nicht mal einen animierten Bär.

Auf der Plausibiltätsskala von 1 (komplett abgedreht) bis 5 (realistisch) bekommt sie eine 4,5. Ein halber Punkt Abzug wegen dem Ende, denn ich habe den Glauben in die Menschheit noch nicht verloren und denke, dass man virtuellen Figuren bis mind. 2050 noch kein politisches Mandat anvertraut.

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