Black Mirror S02E01 – Review

Wie bereits erwähnt läuft seit Montag auf Channel4 die zweite Staffel von „Black Mirror“. Heute abend habe ich dann endlich mal Zeit gefunden mir die erste Episode mit dem Titel „Be Right Back“ anzuschauen. Alle, die sich die Spannung erhalten wollen, sollten dies nicht lesen (Spoiler ahead!).

Zusammenfassung

Die Geschichte spielt in naher Zukunft und handelt von dem jungen Paar Martha und Ash, die sich mitten im Umzug in ein Haus auf dem Land befinden. Ash ist immer sehr damit beschäftigt seinen Status in den allgegenwärtigen sozialen Netzwerken zu aktualisieren sowie Videos und Bilder aus seinem Leben hochzuladen.

Als Ash von der Rückgabe des Umzugswagens nicht zurückkehrt, bewahrheiten sich schon bald Marthas schlimmste Befürchtungen. Ash hatte einen tödlichen Unfall.

Auf der Trauerfeier versucht eine Freundin von Martha ihr die Anmeldung bei einen Onlinedienst näherzubringen, der ihr helfen könnte besser mit dem Verlust fertig zu werden. Es handelt sich um einen Dienst, der aus allen Daten, die der Verstorbene in seiner Lebenszeit gesammelt hat eine virtuelle Persönlichkeit generiert, die der echten Person so ähnlich ist, dass man mit ihr wie zu Lebzeiten kommunizieren kann.

Martha ist zuerst abgestoßen von dieser Idee, doch schon bald, nachdem sie von jener Freundin ohne ihr Wissen dort angemeldet worden ist, bekommt sie eine Mail von Ash. Anfangs ignoriert sie diese Mails, doch als sie erfährt, dass sie schwanger ist, beginnt sie mit ihrem verstorbenen Freund zu chatten.

Es kommt dem echten Ash schon sehr nahe, jedoch nutzt Martha die Möglichkeit, mit eigenen Daten und durch die persönlichen Gespräche mit der Kopie ihres Freundes, das Profil zu optimieren und Lücken zu füllen, die die Online-Aktivitäten nicht abdeckten.

Martha isoliert sich zunehmend, und hält Dauerkontakt mit der Ash-Simulation, bis diese ihr einen Vorschlag macht, der aber nicht ganz billig ist. Sie nutzt die Option sich einen biosynthetischen Körperrohling nach Hause liefern zu lassen, der sich innerhalb einer Nacht in der Badewanne in eine nahezu perfekte Kopie ihres toten Freundes verwandelt und in den der gesamte Datensatz übertragen wird.

Somit wird die Illusion ein Stück weit perfekter, jedoch wird Martha schnell klar, dass dieser Klon kein Ersatz für den echten Ash ist – zu lückenhaft sind die Informationen aus dem Online-Profil, um eine echte Persönlichkeit zu simulieren und dadurch zu beschränkt in der Selbstständigkeit. Dass Martha außerdem nur ein gemeinsames Leben im Geheimen mit ihm führen könnte und ihn vor ihrer Schwester verstecken muss, macht die Lage nicht besser.

So trifft Martha eine Entscheidung und fährt mit Ash 2 an die steilen Kreideklippen und verlangt von ihm sich hinunterzustürzen, was dieser auch ohne mit der Wimper zu zucken täte, wenn sie nicht im letzten Moment an das emotional korrekte Verhalten in ihm appellieren würde, so dass er nach kurzem Datencheck in Tränen ausbricht und sie anbettelt ihn nicht dazu zu zwingen.

In der letzten Szene sieht man, wie die mittlerweile herangewachsene Tochter von Martha und Ash mit einem Stück Kuchen von ihrer Mutter auf den Dachboden geschickt wird, um mit dem dorthin abgeschobenen Ash-Double ihren Geburtstag zu feiern.

Fazit

An sich war die Geschichte um den Online-Service, der den gesamten Lebensdatensatz eines Menschen in eine künstliche Persönlichkeit umwandelt, durchaus plausibel. Es ist auch vorstellbar, dass es Menschen gibt, die so sehr trauern, dass sie wirklich diese Option der Trauerbewältigung nutzen würden. Frühere Generationen hätten Fotos und Videos unserer verstorbenen Verwandten möglicherweise auch als widernatürlich angesehen, während es für uns schöne Erinnerungen beinhaltet.

Der Knackpunkt den ich sehe – ungeachtet der tollen schauspielerischen Leistung in dieser Episode – ist der Twist, dass sie sich wirklich eine Art Klon ins Haus holt. An der Stelle driftet die Geschichte dann doch zu sehr in den abwegigen Science-Fiction-Bereich ab, die zuvor durch den subtilen Einsatz von technischen Geräten, der unsere Welt in die nächsten ca. zehn Jahre weiterdenkt, glaubwürdig aufgebaut wurde. Es kommt ab dieser Stelle dann eher eine Art Pinocchio-Story durch, wo vorher das eigentlich interessante Thema behandelt wurde, nämlich, wieviel von uns bleibt, wenn unser gesamtes Leben in Bild, Ton und Text festgehalten wird und was aus unseren Daten wird, wenn wir mal nicht mehr sind. Schlussendlich ist der Erfolg von sozialen Netzwerken und auch Blogs (wie dieser) und alles, was Menschen machen und in die Welt hinaustragen dem Wissen um die Sterblichkeit geschuldet. Die Frage ist, inwiefern wir über unseren Tod hinaus Einfluss auf unsere persönlichen Daten haben. Eine Folge die auf jeden Fall existentielle und ethische Fragen der Informationsgesellschaft aufwirft.

Interessant war auch der Aspekt, wie der Begriff der digitalen ‚Cloud‘ eine Konnotation im Sinne von Himmel (Jenseits) bekam. Das nur am Rande.

Des Weiteren war die Geschichte mit dem Double, auch wenn etwas abwegig, atmosphärisch rund. Man spürt Marthas Unbehagen, in den ersten Momente mit der Ash-Kopie. Man kann das Dilemma nachempfinden, dass sie sich selbst verschuldet auferlegt hat, als ihr klar wird, dass dieser Ash kein Ersatz für den Verlust ist. Doch trotzdem, fragt man sich, ob man selber so handeln würde. Könnte man sich einer Kopie des Partners einfach so entledigen? Insgesamt hinterlässt diese Folge durch ihre Aussage einen bitteren Nachgeschmack. Auf der Plausibiltätsskala von 1 (komplett abgedreht) bis 5 (realistisch) bekommt sie eine 3,5.

Update

Und so beginnt es:

You’ll tweet when you’re dead: LivesOn says digital ‚twin‘ can mimic your online persona

2 Gedanken zu “Black Mirror S02E01 – Review

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