Ausstellung „David Hockney. A Bigger Picture“ im Museum Ludwig, Köln

Ich habe mir gestern die Ausstellung der jüngeren Werke von David Hockney angesehen. Ich kannte bereits seine Arbeiten aus den 60er bis 80er Jahren aus seiner Zeit in Kalifornien. Seine legendären Swimmingpool-Gemälde und die Fotocollagen aus dieser Zeit gehören zu meinen Favoriten der modernen Kunst.

Nun ist David Hockney also nach einer langen Zeit unter kalifornischer Sonne vor ein paar Jahren wieder in seine Heimat nach East Yorkshire zurückgekehrt und hat begonnen diese Landschaft in seinen Formen und Farben zu interpretieren.

Die Ausstellung zeigt hauptsächlich David Hockneys studienhafte Auseinandersetzung mit der Landschaft, oftmals mehrere Bilder mit dem gleichen Motiv (Feldwege, Baumgruppen) in den verschiedenen Jahreszeiten. Dabei variierte Hockney zwischen den verschiedenen Motiven im Abstraktionsgrad der Details und der Farbgebung. Die Werke sind aber durchgehend in sehr kräftigen Farben gemalt, die weniger dem natürlichen visuellen Eindruck Rechnung tragen, als dem Empfinden einer lebendigen und kraftvollen Natur, die soviel Energie in sich trägt.

Einzig eine Bilderserie fällt aus der britischen Naturbeobachtung heraus und das ist Hockneys Neuinterpretation von Claude Lorrains „The Sermont on the Mount“, also der Bergpredigt, welche er auch in verschiedenen Vereinfachungen bis hin zur Reduzierung auf wenige geometrische Formen herunterbricht.

Neben Öl auf Leinwand nutzt Hockney des Weiteren in jüngerer Zeit auch das IPad als künstlerisches Instrument. Einige der ausgestellten Werke sind großformatige Drucke seiner Landschaftsbilder, die auf ebenjenem Gerät entstanden sind. Diese zeichnen sich nochmals durch eine gewisse Verinfachung aus, die den begrenzten Möglichkeiten der „Fingermalerei“ auf einem Touchscreen geschuldet sind. Was man dem Künstler zugute halten muss, ist, dass auch diese Motive die Atmosphäre trotz der technischen Limitierung gut rüberbringen.

Neben der Malerei in verschiedenen Techniken zeigt die Ausstellung auch Videoinstallationen aus 3×3 Bildschirmen in denen weiterhin die Landschaft East Yorkshires und der Wandel der Jahreszeiten das Thema sind. Mit neun leicht verschieden ausgerichteten Kameraperspektiven bewegt man sich langsam durch die Landschaft und durch die Aufbrechung in neun Einzelmotive, die zusammen ein Ganzes ergeben, ist man als Beobachter aufgefordert sich mit Perspektive und Blickwinkeln auseinanderzusetzen. Somit kann man diese Installationen als eine Fortführung seiner Foto/Polaroidcollagen in Bewegtbild ansehen. Grundsätzlich scheint es Hockney ein Anliegen zu sein zu sagen, ‚Es gibt mehr als nur die persönliche Sicht der Dinge‘. Von jedem Standpunkt aus ist die eigene Ansicht nämlich nur eine von unendlichen Möglichkeiten und das nicht nur in optischer Hinsicht.

Fazit:

Ich muss sagen, es fiel mir anfangs schwer die künstlerische Tiefe in diesem Spätwerk zu sehen, da einige seiner Werke aus den Siebzigern weitaus reifer wirkten (wenn auch nicht durchgehend). Viele der sehr bunten Landschaftsbilder wirken auf mich wie kindlich-naive Fingerfarbenbilder, aber ich weiß ich würde mit diesem Urteil David Hockney nicht gerecht werden. Zu einigen der Exponate waren auch die Vorstudien in Form seiner Skizzenbücher ausgestellt und diese zeigen, dass Hockney durchaus genau beobachtet und Natur sehr detailliert abbilden kann. Der Stil seiner Bilder scheint daher ein gezieltes herunterbrechen auf bestimmte ihm eigene Farb- und Formschemata zu sein. Des weiteren kommen hier wahrscheinlich verschiedene Aspekte einer Künstlerbiographie zusammen. Zum einen denke ich, dass Hockney einen anderen Bezug zu der Landschaft seiner Heimat hat, als zu dem immersonnigen Kalifornien. Er schafft es jedoch, was er über Licht und Farbe in Kalifornien gelernt hat in sein jetziges Werk mitzunehmen und mit der Perspektive eines Außenstehenden die alte Heimat neu zu interpretieren. Zum zweiten ist Hockney mit 75 in einem Alter, in dem er es sich als Künstler durchaus erlauben kann sich frei und jenseits formaler Zwänge groß und bunt auszutoben. Was soll’s wenn die Perspektive im Bild völlig für den Hund ist, hauptsache es ist ein fröhliches Bild, was die Lebendigkeit und die Energie des Naturerlebnisses transportiert.

Ich denke die 10 Euro Eintritt sind schon gut investiert, wenn man sich die Ausstellung anschauen möchte. Macht euch selbst ein Bild.

Museum Ludwig

 

 

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