Aus Rücksicht auf Muslime?

In letzter Zeit stoße ich auf die eine oder andere Weise immer wieder auf Berichte, wo christlich-kulturelle Traditionen angeblich aus falsch verstandener ‘Political Correctness’, also falsch verstandener Rücksicht gegenüber muslimischer Minderheiten heruntergeschraubt werden.

Zum ersten Mal hörte ich eine solche Story, als ich mit Freunden im November 2012 in Brüssel war und wir die, sagen wir, recht progressive Interpretation eines Weihnachtsbaumes vor dem Rathaus stehen sahen.

weihnachtsbaum

Reduziert aus Rücksicht?

Mir wurde kolportiert, dass dieser Weihnachtsbaum deswegen so zurückgenommen aussähe und man weitestgehend auf christliche Symbolik verzichtete, um den angeblich großen Anteil an der muslimischen Bevölkerung der Stadt nicht konfessionell auf die Füße zu treten.

Ich hatte diese Logik schon zu dem Zeitpunkt nicht verstanden, weil es sich erstens offensichtlich um eine Art Weihnachtsbaum handelte (man hätte ihn sonst ja auch gleich weglassen können) und ich zweitens nicht verstand, warum eine Stadt wie Brüssel angeblich einer so mächtigen islamischen und antichristlichen Lobby gegenüberstand, dass Sie auch nicht mehr trauten die gängigen kulturellen Traditionen zu unterstützen. So ließ mich diese Episode erstmal mit einem Stirnrunzeln zurück.

Doch dies war nicht die einzige Geschichte dieser Art, welche mir in den letzten Monaten unter die Augen kam. Offenbar scheint es ein Muster von Gerüchten zu geben, die ähnlich wie eine urbane Legende immer wieder in Variationen durch die Lokalblätter geistern und im Netz von Trollen aus dem christlich-konservativen bis rechten Milieu einseitig wiedergegeben werden.

Nur wieviel Wahrheitsgehalt haben diese Berichte und warum werden diese so gerne benutzt?

Das Beispiel aus Brüssel zeigt dies exemplarisch: Absicht der Stadt war es in diesem Fall, einmal einen neuen, modernen und eben nicht traditionellen Ansatz bei der Form des Weihnachtsbaumes, gestaltet durch einen Künstler, auszuprobieren. Das Ergebnis war nun mal etwas abstrakt und anscheinend zu abstrakt für die Traditionalisten. Deren Protest, begleitet von einer Petition mit 12.000 Unterschriften forderte die Rückkehr zu einem echten Baum und die Entfernung der jetzigen ‘Abscheulichkeit’. Nicht mehr und nicht weniger. Von der Kleingeistigkeit dieser Leute, die nur ihr eigenes Kunst- und Ästhetikverständnis gelten lassen, mal abgesehen, war das ja durchaus ein legitimes Recht sowas zu fordern.

In einen kulturkämpferischen Aspekt kippte die Diskussion, als sich Stadträtin Bianca Debaets darüber beklagte, dass angeblich immer mehr christliche Symbole aus der Öffentlichkeit verschwinden. Ein gefundenes Fressen für die Stammtischparolen-Posauner, die dies natürlich im Netz breittraten, um ihre irrwitzigen Hypothesen von der bevorstehenden Einführung der Scharia in Europa zu untermauern.

Unabhängig davon, dass der Weihnachtsbaum (ebenso wie das Osterei) keine christlichen Symbole sind (siehe ‘Des Menschen Werk‘), gibt es weitere solcher Geschichten, die immer wieder dazu genutzt werden Stimmung gegen Muslime zu machen.

Wie zum Beispiel die Anekdote um einen Facebook-Kettenbrief einer angeblichen Lehrerin, der im August dieses Jahres im Umlauf war, in dem behauptet wurde, es wäre an Stuttgarter Schulen nun verboten ‘Grüß Gott’ zu sagen, um muslimische Mitschüler nicht zu beleidigen. Es handelte sich um eine Fälschung. “Eine Anweisung gegen das ‘Grüß Gott’ ist in Baden-Württemberg undenkbar. Und es haben sich im Übrigen auch nie Muslime darüber beschwert, dass im Namen Gottes gegrüßt wird.”, wurde von verantwortlicher Stelle verlautbart.

Ähnlich auch die Geschichte mit der städtischen Weihnachtsbeleuchtung in der Solinger Innenstadt, die angeblich auch aus Rücksicht auf die muslimisch gläubigen Menschen ohne christliche Symbolik auskommen sollte. So wurde es zumindest von der lokalen Presse berichtet. Und Drecksblätter wie die Junge Freiheit oder so ekelhafte Webseiten wie Politically Incorrect nehmen solche Debatten dankbar auf, um Ressentiments gegen Muslime zu schüren. Was an sich schon unlogisch ist, weil Muslime in diesen Berichten nie in eine entsprechende Entscheidung eingebunden waren, was die rechten Hysteriker natürlich eine islamische Verschwörung im Hintergrund vermuten lässt, die Einfluss auf Entscheidungsträger nimmt.

Des Weiteren, um beim Beispiel Solingen zu bleiben, gab es sowieso noch nie christliche Symbole in der Weihnachtsbeleuchtung (ich kann mich generell an keinen Weihnachtsmarkt erinnern, auf dem Kreuze aus Glühbirnen das Bild dominiert hätten), wie dieser Bericht der Rheinischen Post auch noch einmal betont.

Man kann also davon ausgehen, dass solche aufgebauschten Geschichten oftmals auf absichtlich missverstandenen Aussagen von Verantwortlichen beruhen oder ganz frei erfunden sind. Manchmal enthalten sie auch einen wahren Kern, wie in dem von der Taunuszeitung erwähnten Fall, dass angeblich das St.-Martins-Fest eines städtischen Kindergartens in Bad Homburg aus Rücksicht auf muslimische Kinder (ich glaube, ich sehe ein Muster) in Sonne-Mond-und-Sterne-Fest umbenannt wurde (nicht zu verwechseln mit diesem Elektrofestival). Wie sich in der offiziellen Stellungnahme der Stadt herausstellte, handelte es sich schon seit mehreren Jahren um die inoffizielle Bezeichnung, aufgrund einer zum Anlass gereichten Suppe mit entsprechend aussehenden Nudeln und hatte keine weltanschaulichen Gründe.

Außerdem muss man einer städtischen, also säkularen, Einrichtung wie diesem Kindergarten durchaus zugestehen, dass sie im Sinne der geistigen Unversehrtheit ihrer Schützlinge, idealerweise den ganzen religiösen Firlefanz von ihnen fernhält und ihnen ethische und moralische Werte auf der Basis des kategorischen Imperatives lehrt und nicht auf den Grundlagen kruder Rachereligionen, christliche wie muslimische.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass folgende Formel in Artikeln, die durch die Medien (besonders den angeblich sozialen) geistern immer mit Vorbehalt gelesen werden sollten:

Der/Die [hier Entscheidungsträger einfügen] verzichtet auf [hier (pseudo)religiöse Symbolik einfügen], um [hier regionale religiöse Minderheit einfügen] nicht zu verärgern.

Denn auch wenn all diese Geschichten nach demselben Muster gestrickt sind und, wenn man es weiß, schnell als rechte Propaganda zu erkennen sind, so hinterlassen sie bei einem Teil der Bevölkerung das Bild, der Islam wolle uns Weihnachten wegnehmen und wir wären nur noch fremde im eigenen Land und dürften bald gar nichts mehr.

Diese Art der Stimmungsmache vergiftet die Köpfe der Menschen und das verbleibt nicht nur in rechtskonservativen Kreisen. Sobald so eine Geschichte z.B. auf Facebook rumgeht gibt es genug, die das ungefragt übernehmen, oder noch schlimmer direkt ungefiltert rumtrollen und über Ausländer herziehen. Der kleinste Anlass im Netz genügt heutzutage, um die dünne Decke der Zivilisation zu entfernen und die hässliche Fratze des Deutschen bloßzulegen.

Also, geben wir denen die Informationen an die Hand, die vorschnell falsche Schlüsse ziehen und geben wir denen keine Chance, die Hass und Zwietracht säen wollen.

flattr this!

40 Gedanken zu “Aus Rücksicht auf Muslime?

  1. Ein überaus wichtiger und richtiger Artikel der gar nicht genug geteilt werden kann. Mit einer Anmerkung:

    “… Kindergarten durchaus zugestehen, dass sie im Sinne der geistigen Unversehrtheit ihrer Schützlinge, idealerweise den ganzen religiösen Firlefanz von ihnen fernhält und ihnen ethische und moralische Werte auf der Basis des kategorischen Imperatives lehrt”

    Die Martinsgeschichte ist doch genau dafür prädestiniert: eine der wenigen die mir einfällt die mit einer absolut simplen Botschaft ohne religiösen Pomp oder -grade für Kinder- nicht nachvollziehbaren übermenschlich-religiös-abstraktem Grusel daherkommt: Teilen ist was Gutes.

    Daher denke ich dass man diese Geschichte doch ruhig weitererzählen sollte statt die Kinder einfach nur Sinnfrei mit Laternen durch die Gegend wackeln zu lassen. Das Schöne ist doch dass die Geschichte losgelöst jeder Religion funktioniert.

    • Da stimme ich mit dir überein. Ich wollte auch nur drauf hinweisen, dass genau genommen, sie nicht verpflichtet wären was vom St. Martin zu erzählen. Aber ich gebe dir Recht, dass dies wirklich kein überaus einseitig religiöse Angelegenheit ist, sondern universelle Werte vermittelt. Für religiöse Indoktrination von Kindern ist das natürlich kein valides Beispiel.

    • Vielen Dank für den Artikel. Hans-Jürgen Irmer, hessischer Landtagsabgeordneter (CDU), bedient sich oft solcher Legenden in seiner Monatszeitung “Wetzlar Kurier” (leider oder Gott sie Dank nicht im Internet zu finden).

  2. Pingback: St. Martin, Zigeunerschnitzel und Grüß Gott | Neuss und die Welt

  3. Hey,

    ein sehr guter Beitrag, auf den ich durch Facebook aufmerksam geworden bin. Eine Frage hätte ich aber hier zu:

    “…die dünne Decke der Zivilisation zu entfernen und die hässliche Fratze des Deutschen bloßzulegen.”

    Ich würde es eher die hässliche Fratze des Menschen nennen, da die von dir beschriebenen Phänomene meiner Ansicht ein grundlegendes Problem der Menschheit sind. Auch da wo nicht Muslime zu “Sündenböcken” gemacht werden. Das geht ja in jede erdenkliche Richtung. Die von dir verwendete Formulierung klingt für mich nach einer typischen Formulierung von Propaganda gegen Deutsche, die beispielsweise nach dem Zweiten Weltkrieg, aber auch noch heute sehr in war/ist. Das beispielsweise Antisemitismus, aber auch Fremdenfeindlichkeit allgemein in der “Natur” der Deutschen liegen. Und ich finde in einem Artikel, in dem es darum geht auf sprachliche Feinheiten in Medienberichten hinzuweisen, sollte auch auf solche Feinheiten geachtet werden.
    Darauf wollte ich nur eben hinweise, ansonsten danke ich dir für diesen Beitrag und werde in Zukunft sicherlich vermehrt auf die Art der Berichterstattung achten.

    • Vielen Dank für die konstruktive Kritik. Natürlich gibt es überall auf der Welt Diskriminierung und in den richtigen Kontext gesetzt erscheint die Formulierung des hässlichen Deutschen sehr pauschal. Jedoch kam mir gerade diese ausartende Diskussion, wie ich sie z.B. auf Facebook erlebte, schon so vor, dass es eine typischen deutschen Beißreflex gibt, der bei leichtester Kritik sofort auf die Muslime anspringt die den deutschen Kindern Weihnachten wegnehmen wollen. Völlig unabhängig von der Sachlage, aber Hauptsache mal einen schönen braunen Trollhaufen in die entsprechenden Kommentare setzen. Daher kam es halt zu dieser Formulierung. Ich versuche schon möglichst reflektiert an meine Texte zu gehen, ich hoffe, dass man das merkt. :-)

      • Nein, ich finde auch nach deiner Erklärung die Redewendung subjektiv und pauschalisierend. Schade.

  4. Danke!!
    Ich haette nie einen solchen Artikel schreiben können!
    Danke dass Sie es gemacht haben!

    • Hui Danke!
      Ich hätte es auch nicht gedacht, dass ich so einen Artikel schreiben kann. Aber manchmal überkommts mich einfach.

  5. Pingback: ST. MARTIN, ZIGEUNERSCHNITZEL UND GRÜSS GOTT | Stadtpiraten Offenbach

  6. Anfangs war ich sehr entzückt über Ihren Artikel. Jedoch finde ich es um ehrlich zu sein sehr fragwürdig, wie Sie auch in anderen Texten immer Fahrt aufnehmen. Es ist gut, dass Ihre Texte aus Emotionen und einer hier auf jeden Fall richtigen Ansicht der Dinge entstehen allerdings lese ich bei Ihnen eine doch sehr ähnliche Hetze wie bei den Institutionen/Menschen die Sie veurteilen. Das hat wohl mit meiner Sicht der Dinge zu tun. Ich muss niemanden um ihn zu informieren erst einmal wachrütteln und ein paar Ohrfeigen verteilen. Zu Beginn dachte ich – das wird der Artikel den ich den Facebook Idioten die meine Pinnwand vollmüllen mal zuteilen kann – aber Sie schlagen in gleiche Extreme. Lassen Sie es mich so erklären. Nach meiner Meinung sollte es keine Konzerte GEGEN Rechts geben sondern Konzerte FÜR ein Miteinander.

    • 1. Da ich kein Journalist bin, kann ich schreiben wie ich will.
      2. Ich glaube kaum, dass man meine Meinungsäußerungen mit Hetze vergleichen kann, da von meiner Seite aus nicht die Leben von Menschen bedroht werden.
      3. Es muss ganz entschieden DOCH Konzerte gegen Rechts geben, falls es was nützt. Es müsste noch viel mehr gegen Rechts geben. Was nicht dagegen spricht für ein Miteinander zu arbeiten.

      • Eine Gruppe von Menschen oder besser eine Minderheit (in Ihrem konkreten Fall die Rechten), die ich nicht mag, wegen ihrer Meinung und Gedanken zu verurteilen, anstatt sie als solches schlicht zu akzeptieren.

        Klingt für mich, als wären Sie genauso wie die, die Sie nicht leiden können.

        Zusätzlich haben Muslime in christlichen Ländern wesentlich mehr Freiheiten und Rechte als Christen in deren Ländern. Leider wird sich diese Lage auch in ferner Zukunft nicht ändern, ganz gleich wie sehr wir den Muslimen entgegen kommen.

        • Rechte kann man eben nicht akzeptieren, da sie eine menschenverachtende Ideologie verfolgen.

          • Da Du offensichtlich das Grundrecht der freien Meinungsäußerung und der freien Persönlichkeitsentfaltung einschränken willst, stehen dir m.E. keine Rechte zu. Ferner solltest du mal darüber nachdenken, was Voltaire saqte “ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.” Menschen wie du halten ihre Meinung einfach für richtig und überschätzen so sich selbst. Deine Idiologie widerspricht sich selbst.

          • Komischerweise könnte wohl eher ich Voltaire bemühen. Aber legitime Meinungsäußerungen enden m.M da, wo aufgrund von Ignoranz oder Falschinformation falsche Schlüsse gezogen werden und Menschen anfangen anlasslos und ohne entsprechende Berichte gelesen zu haben, ihr kleingeistiges braunes Gedankengut in öffentlichen Foren zu verbreiten.

  7. Hallo,

    interessanter Artikel, aber ich persönlich finde, die Gewichtung etwas schief.
    Denn das Problem, dass Muslime in vielen Bereichen in Deutschland (und anderen Ländern) Sonderbehandlung aufgrund ihrer Religion einfordern, ist doch wenn man ehrlich ist, viel größer, als dass Deutsche fälschlicherweise vermuten, dass man Muslimen angeblich zu sehr entgegenkommt (wie von Ihnen beschrieben).

    • Dass Muslime Sonderbehandlung einfordern, ist mir nicht bekannt. Zumindest habe ich noch nicht davon gehört. Haben Sie Beispiele, um dies zu belegen?

      • Stichwort Gebetsraum für muslimische Schüler, oder Mädchen im Schwimmunterricht oder gar im Sportunterricht. Ich weiß nicht ob Sie Kinder haben bzw. in einer Großstadt wohnen. Wenn beides zusammenkommt, ist die Chance gar nicht so klein, dass man solche Erfahrung selbst macht. Und wenn nicht, sind dies doch Dinge, die man in jeder Zeitung lesen konnte. Man muss also noch gar nicht mal nach UK blicken, wo die Situation noch einiges krasser ist…

        • Ja durchaus gibt es an dieser Stelle Konflikte, wo Muslime sehr konservative und prüde Ansichten haben, aber das ist nicht das Thema hier. Die Behauptung, dass christliche Traditionen auf Rücksicht von Muslimen zurückgenommen werden ist unhaltbar und war Auslöser für diesen Artikel.

          • Durch die Sonderbehandlungen in vielen Bereichen, die sie offenbar ignorieren, füchtet man um jedes christliche Fest und Zeichen. Die Angst ist gar nicht so unbegründet, wenn man bedenkt, dass zwar Schulen am Buß und Bettag betrieben werden, zum Zuckerfest allerdings ausfällt, weil es keine anwesenden Schüler gibt. Traditionen zu schützen sollte in Artikeln verbreitet werden. Nicht davor wahnen auch mal falsche Schlagzeiln zur Bewertung ran zu ziehen.

  8. Danke für den Kommentar! Das kann ich so unterschreiben, allerdings möchte ich anmerken: Zumindest der christliche Grundgedanke lehnt Rache ab. Religion für Firlefanz zu halten bleibt jedem selbst überlassen, aber der christlichen oder muslimischen Religion eine Rachehaltung a priori zu untersellen halte ich für falsch.

    • Im Neuen Testament vielleicht, aber als echter Christ kann man sich ja nicht nur die hübschen Teile rauspicken, die gerade in den Zeitgeist passen:

      Roemer 12:19 Rächet euch selber nicht, meine Liebsten, sondern gebet Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: “Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der HERR.”

      Psalm 94:1 HERR, Gott, des die Rache ist, Gott, des die Rache ist, erscheine!

      Ex 32,27: Er sagte zu ihnen: So spricht der Herr, der Gott Israels: Jeder lege sein Schwert an. Zieht durch das Lager von Tor zu Tor! Jeder erschlage seinen Bruder, seinen Freund, seinen Nächsten.

      Jes 63,6: Ich zertrat die Völker in meinem Zorn, ich zerschmetterte sie in meinem Grimm, und ihr Blut ließ ich zur Erde rinnen.

  9. Interessant und doch falsch. Ich wohne in Brüssel und die Absicht hinter dem Dubstep-Weihnachtsbaum war tatsächlich die Rücksicht auf andere Religionsgruppen. Folgendes sage ich als Sohn eines arabischen Moslems und das mit klarer Deutlichkeit:

    1.) Islamkritik gibt es und sie ist gerechtfertigt. Es gibt sie sogar im Islam selbst. Allerdings – und das ist das große Problem – deutlich zu wenig.

    2.) Dass es nur wenig Islamkritik innerhalb des Islams gibt, liegt an seiner Struktur: Im Gegensatz zum Christentum wurde er aus politischen Gründen konzipiert und ist im Kern imperialistisch und unterdrückend. Die Forderung auf “Rücksichtnahme” hat System und kommt nicht von ungefähr.

    3.) Um dies zu sagen, muss man nicht 50 Jahre alt, männlich, weiß und rechtspopulistisch sein. Es ist eine Gesellschaftskritik. Wenn mehr Leute die Biografie Mohammeds und den Koran lesen würden, dann wäre der Islam ganz schnell – und zwar mit Recht – eine unbeliebte Religion. Genau so unbeliebt wie das Christentum es in Deutschland ist.

    Viel Spaß bei der Lektüre, ihr Traumtänzer!

    • Zu 1. und 3.: Ich stimme mit Ihnen überein. Zu 2.: Da hab ich zuwenig Kenntnis, um das zu beurteilen, aber ich glaube, dass auch das Christentum als Religion letzendlich eine politische Entscheidung war.
      Zu dem Weihnachtsbaum in Brüssel: Haben Sie Belege für diese angebliche Rücksichtnahme? Ich habe nichts dazu gefunden, wenn es aber so ist, hätte ich das gern berücksichtigt.

    • Auch wieder ein interessanter Fall von vorauseilendem Gehorsam, jedoch wird auch hier nicht klar, ob sich bereits irgendeine muslimische Frau beschwert hatte. Dass es solche Fälle gibt steht außer Frage, aber das Problem ist, dass bei Verbreitung solcher Artikel schnell gegen die Muslime gehetzt wird, die sich ja gar nicht geäußert hatten.

  10. Endlich mal ein klasse Artikel zu dieser “unsäglichen” Gespensterdiskussion.
    Schade nur, dass Herr labelizer nicht auf zwei “winzige” Provokationen verzichten konnte, die seinen ganzen Text letztlich wieder unbrauchbar machen:
    1. Außerdem muss man einer städtischen, also säkularen, Einrichtung wie diesem Kindergarten durchaus zugestehen, dass sie im Sinne der geistigen Unversehrtheit ihrer Schützlinge, idealerweise den ganzen religiösen Firlefanz von ihnen fernhält und ihnen ethische und moralische Werte auf der Basis des kategorischen Imperatives lehrt und nicht auf den Grundlagen kruder Rachereligionen, christliche wie muslimische.

    so ein Quatsch – in diesem Zusammenhang

    2. Der kleinste Anlass im Netz genügt heutzutage, um die dünne Decke der Zivilisation zu entfernen und die hässliche Fratze des Deutschen bloßzulegen.

    “Der Deutsche” schlechthin, is nu ma so…

    schade drum, wär n schöner Text gewesen, den ich gerne weiterverbreitet hätte.

    • Nö, ist kein Quatsch. Ich bin der Meinung, dass es keine wirkliche Weiterentwicklung des Menschen geben kann, solange es noch Religionen gibt. Diese ganze elendige Diskussion würde man dann nämlich gar nicht führen müssen.
      Und das mit dem hässlichen Deutschen habe ich auch schon erläutert. Auch wenn es eine Verallgemeinerung ist, war das genau das Gefühl welches sich einstellt, wenn man zu dem Thema die entsprechenden Facebook-Kommentare las. Eine durchgehende Progromstimmung, die sich in der Öffentlichkeit so nicht getraut wird zu zeigen. Natürlich ist das eine verzerrtes Abbild der Gesellschaft (zumindest kann man das nur hoffen), da nur die Dummen am lautesten schreien. Deswegen stehe ich auch zu dieser Beschreibung.

  11. Ein großes Lob an den Verfasser.
    Es wundert mich nur, wieso sich kaum Muslime zu diesem Beitrag äußern.
    Ich finde nichts herabfälliges oder falsch gedachtes an den Äußerungen des Verfassers, die bereits zum Teil sehr ausführlich in voran stehenden Kommentaren zu finden sind.
    Meiner Meinung nach, hat der Verfasser seine Wortwahl Situation und Themen bezogen richtig gewählt.
    Freue mich sehr darüber, daß es dennoch Menschen gibt, die zu diesen Themen realistisch korrekt Denken können.
    Kein richtiger Muslime würde auf die Idee kommen und beabsichtigen und zudem auch noch in einem fremden Land lebend christliche Traditionen zurück nehmen zu lassen.

  12. “..und die hässliche Fratze des Deutschen bloßzulegen.” – Ich empfinde diesen Kommentar als sehr schwierig. Ich meine, damit machst du offensichtlich einen Unterschied, zwischen “Deutschen” und “Deutschen mit Migrationshintergrund” (ein Deutscher mit Migrationshintergrund würde sich hier definitiv NICHT angesprochen fühlen.) Wenn dein Ziel war, Deutsche mit Migrationshintergrund gegen Deutsche aufzuhetzen, dann hast du das damit geschafft. Nur dann widersprichst du dir auch leider mit der Aussage “Man kann also davon ausgehen, dass solche aufgebauschten Geschichten oftmals auf absichtlich missverstandenen Aussagen von Verantwortlichen beruhen oder ganz frei erfunden sind.”. Denn der o.g. Kommentar trägt andersrum dazu bei, dass man sich angegriffen fühlt – “..und die hässliche Fratze des Deutschen bloßzulegen” ist nämlich ganz und gar nicht “missverständlich”. Sei doch so fair, und lass auch du diese unterschwellige “Art der Stimmungsmache”. Du hast selbst dazu geschrieben: “(diese) vergiftet die Köpfe der Menschen”. Wir bewegen hier uns auf sehr sensiblen Terrain, und das dürfen wir nicht vergessen! Immer schön fair und politisch korrekt bleiben, ihr Lieben! Wenn man das nicht kann, sollte man auf Artikelschreiben dieser Art verzichten.

  13. Vielleicht könnte man auch darauf hinweisen, dass es nicht die Kirchen selber sind, die übertriebenen Wert auf diese “christlichen” Bräuche legen, sondern vielfach wirtschaftliche Interessen dahinterstecken. Beispiel: Die christlichen Kirchen kennen keinen Weihnachtsmarkt und haben auch nichts davon. In der christlichen Tradition müsste es Adventsmarkt heißen und dürfte auch erst deutlich später anfangen.
    So gibt es viele Traditionen, die nichts mit Religiösität zu tun haben, aber vielfach als “christlich” verteidigt werden.

  14. Pingback: Urban Legends oder: Fremdenfeindlichkeit für Anfänger – krisennerd.de

  15. Gut gemeinter Artikel, jedoch leider schlecht recherchiert (wie schon teilweise in den Kommentaren belegt) und an der Realität vorbei.

    Gerade durch das Ausblenden von Kritik an bestimmten Bevölkerungsgruppen überlässt man das Feld rechtsradikaler und rassistischer Propaganda, erreicht also genau das Gegenteil. Indem diese Bevölkerungsgruppen in erster Linie als zu verteidigende Opfer (der wirtschaftlichen Verhältnisse, der Ausgrenzung bzw. Ausländerfeindlichkeit der Deutschen etc…) gesehen werden, beraubt man sie ihrer Identität und Eigenverantwortung und handelt selbst diskriminierend.

    Was den Vorwurf angeht, falsch interpretierte Randphänomene wurden begierig zum Anlass genommen, “die hässliche Fratze des Deutschen” zu zeigen, hier einige Aspekte und Links, die aus meiner Sicht das Gegenteil dokumentieren:

    Vorauseilender Gehorsam:
    -> http://bit.ly/16R5pxF
    Welche deutsche Zeitschrift hat die Mohammed-Karikaturen nachgedruckt? Wie wird der Papst oft diskriminierend dargestellt?

    Linke und Muslime sind in Führung beim Antisemitismus (siehe S.27): -> http://bit.ly/1hSKGOA

    “Hässliche Fratzen”:
    Rape Jihad -> http://bit.ly/14KIq55
    -> http://bit.ly/I0RaIv

    “If it’s taboo in Sweden to discuss the country’s rising Muslim population, Den Korte Avis observed, what’s even more taboo is linking it to the rising number of rapes.” -> http://bit.ly/1587FeM

    Muslim patrol in london -> http://bit.ly/1gKLsy3

    -> Anschläge in NY, London, Madrid

    -> das Christentum ist die am meisten unterdrückte Religion weltweit: aktuelle brennen Kirchen (und Christen) in Ägypten, Syrien, Somalia, Nigeria, Kenia – ALLLE angezündet von Muslimen

    Es gibt auch fundierte, sachliche und kenntnisreiche Kritik an islamischen Extremisten:
    Hamad abd-el Samed -> http://bit.ly/1eNciFe
    (ein sehr sympathischer und warmherziger Mensch, den ich letztens auf einem Vortrag mit anschliessender Diskussion erleben durfte)
    -> Necla Kelek
    -> Ralph Giordano

    Warum soll man nicht Freiheitsfeinde und Extremisten aller Couleur kritisieren, egal ob sie rechts-, linksradikal, Moslems, Christen, Buddhisten, blau, grün oder rot sind?

    • Mag sein, dass ich nicht journalistisch gründlich recherchiert habe. Aber zumindest habe ich mich mehr mit dieser unsäglich blödsinnigen “Der-Muselmane-will-unseren-Kindern-Weihnachten-wegnehmen”-Thematik auseinandergesetzt, als diese ekelhaften Subjekte, die aufgrund einer missverständlichen Headline aufs primitivste gegen Menschen hetzen. Einzig diese unerträgliche Sachlage hat mich zu diesem Artikel gebracht. Es spricht im übrigen überhaupt nichts dagegen Missstände anzusprechen, egal aus welcher Ecke sie kommen.

  16. DANKE DANKE DANKE!!!!! Ich bin seit geraumer Zeit auf Grund von wirklich sehr ignoranten und, entschuldigt, aber auch dummen Menschen an den rand des Wahnsinns getrieben worden, genau aus den oben aufgefuerhten Gruenden. Es wird alles blind geglaubt und Fremdenhass mit dummer Ignoranz gefoerdert…….Wenn man sich einfach mal mit seinen moslemischen Mitbuergern unterhalten wuerde, wuerde man sehr schnell in Erfahrung bringen, dass diese Unterstellungen alle einfach nur haltlos sind. Wenn ich koennte wuerde ich den Verfasser einfach gerne mal druecken. DANKE noch einmal LG aus hessen Wibke

  17. Zitat: “[...]Die Angst ist gar nicht so unbegründet, wenn man bedenkt, dass zwar Schulen am Buß und Bettag betrieben werden, zum Zuckerfest allerdings ausfällt, weil es keine anwesenden Schüler gibt. Traditionen zu schützen sollte in Artikeln verbreitet werden. Nicht davor wahnen auch mal falsche Schlagzeiln zur Bewertung ran zu ziehen.”

    Damit ich Sie richtig verstehe: Sie halten es für gut, Lügen als Basis für Ihr Weltbild zu nutzen, wenn die Ihren Standpunkt stärken? Die Wahrheit darf also beim Schutz der Tradition gern mal auf der Strecke bleiben?

    Ganz ehrlich: Mit so einer Meinung würde ich mich nicht trauen, an irgendeiner Diskussion teilzunehmen. Sie geben ja selbst zu, dass Sie es mit Tatsachen nicht so genau nehmen, solange nur Ihrer Sichtweise gedient ist…

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