8 Tage in Japan – Reisebericht und Tipps (7)

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Da ich mich ja erst in den frühen Morgenstunden als es schon hell wurde von meiner Partybegleitung Veronica verabschiedet hatte und ins Hotel zurück gekommen war, wurde ich schon wenige Stunden später recht unsanft aus meinem Ausnüchterungsschlaf gerissen.

Es war bereits Mittag und das Reinigungspersonal wollte doch gerne mal das Zimmer reinigen. Ich bat um noch etwas Geduld, machte mich soweit fertig und verabredete mich mit Veronica auf ein Treffen am Ueno-Park etwa 6 Kilometer weiter nördlich von meinem Hotel, welchen ich mit der Yamanote Linie in einer viertel Stunde gut erreichen konnte.

Dort angekommen besorgte ich mir bei einem am Ueno Bahnhof gelegenen FamilyMart erstmal etwas Frühstück bzw. Mittagessen. Wie auch 7Eleven bieten die FamilyMart-Läden eine große Auswahl an frisch gemachten Onigiris im Kühlregal. Da ich sowieso nicht lesen konnte, was drin ist, nahm ich einfach welche, die ein appetitliches Bild auf dem Etikett hatten.

Ueno-Park

Da meine Begleitung noch etwas Zeit brauchte, erkundete ich derweil schon mal ein bisschen den Park und konnte zum ersten Mal einen Eindruck davon gewinnen, wie Kirschblütenverrückt die Japaner sind. Auf allen freien Rasenflächen und sogar auf dem Asphalt der Parkwege waren Plastikplanen ausgelegt, auf denen die Einheimischen unter den ersten zarten Blüten der Kirschbäume ihre traditionellen Hanami-Picknicke mit Freunden und Familie feierten.

Nahe des Eingangs zum Nationalmuseum unterhalb einer Reiterstatue trafen wir uns dann endlich und Veronica hatte auch noch einige leckere Snacks mitgebracht, die wir vor Ort an einem Klapptisch aßen, der eigentlich für die Kunden der Essensstände gedacht waren, die, wie überall, die Zugangswege zu den Schreinen säumten. In diesem Fall der Weg zum Ueno Toshogu Schrein.

Danach schauten wir uns den kleinen Schrein an. Doch zuvor brachte mich meine Begleitung dazu, entsprechend der Gepflogenheiten des Landes zuerst am zum Schrein gehörenden Chōzuya, dem überdachten Wasserbassin, eine rituelle Reinigung vorzunehmen.

Danach genehmigten wir uns auf dem Weg zum nächsten Schrein ein Asahi Bier in der Kirschblüten-Sonderausgabe. Schmeckte aber ganz normal.

An dieser Stelle sei auch noch einmal darauf hingewiesen, dass wir all unseren Müll von den Snackverpackungen und Bierdosen mit uns mitschleppen mussten, da es nur sehr, sehr wenige Mülleimer in Tokio gibt. Üblicherweise nehmen Japaner auch ihren Müll mit nach Hause, um ihn zu entsorgen. Entsprechend sauber ist diese Millionenmetropole auch.

Der andere Schrein im Ueno-Park, der Shinobazunoike-Bentendo-Schrein war auch der größere und ist Benzaiten der Shinto-Göttin der Beredsamkeit gewidmet, welche auch sozusagen die Schutzheilige der Geishas, Tänzer und Musikanten ist. Hier gab es noch mehr Fressstände und es war auch wesentlich größeres Gewusel an Menschen. Das Element dieser Göttin ist das Wasser, daher steht dieser Schrein auch mitten in einem Teich.

Akihabara

Als langsam die Dämmerung einsetzte, verließen wir die den hübschen Park und machten uns auf in den ca. 1 km südlich liegenden Stadtteil Akihabara; ein absolutes Muss für jeden, der die moderne japanische Kultur verstehen oder zumindest sehen will.

Vorbei war es nun mit der Beschaulichkeit der Parkanlagen und der sakralen Anmut von Tempeln und Schreinen. Akihabara ist vornehmlich bunt und laut. Von allen Seiten lärmt Musik und Videodisplays werben für die unzähligen Maidencafés, wo junge Frauen in der Tradition der Geishas die unterwürfig-unterhaltsame Gastgeberin mimen, jedoch dabei kostümiert sind, als ob sie gerade aus einem Manga gefallen wären.

Läden für gebrauchte Computerspiele reihen sich an Läden für teuren Sammelfiguren aus Mangas und Animes und mehretagige Spielhallen, die sich komplett auf Grabbingmachines spezialisiert haben. Hier konnten wir sprachlos zuschauen, wie jemand erfolglos sein Tagesgehalt in Münzen investierte, um ein irgendein Mangagirl-Handtuch(!) aus einer Maschine zu holen. Dies amüsierte uns noch über unser beider Abreise hinaus.


Nicht zu vergessen die enorm lauten Pachinkohallen, wo mehrere hunderte oder tausende Spielgeräte mit durchklackernden Metallkugeln den Geräuschpegel der Niagarafälle erreichen.

Takeshita Street

Irgendwann wurde es uns zu bunt dort und wir machten uns mit der U-Bahn auf zu der sieben Kilometer südwestlich gelegenen Takeshita Street am Yoyogi Park. Die Takeshita Street ist bekannt für ihre Modeläden, jedoch scheinen diese sich zugunsten von Touristenbespaßung auf die Seitenstraßen zu verziehen. Neben überteuerter und extravaganter Jugendmode gibt es hier auch wunderbare Kalorienbomben zu kaufen. Ich zählte mindestens 5 Crêpe-Verkaufsstellen, die in ihrer japanischen Einzigartigkeit ihre Produkte wie immer in Plastikform präsentierten.

Nachdem wir uns dort (natürlich) ein Crêpes genehmigt hatten, steuerten wir das nächste Ziel der Nacht an.

Golden Gai

Golden Gai nur wenige Gehminuten vom Shinjuku Bahnhof entfernt,  ist ein kleiner Block von vielleicht sechzig mal achtzig Metern, der sich in sechs parallele Quergassen aufteilt, in der sich eine barackenartige Schachtel an die andere quetscht. Auf zwei Geschossen findet man hier unzählige Bars, die teilweise gerade mal für vier Leute Platz bieten. Einige Bars haben einen Mindestverzehr (Cover Charge); ob dem so ist lässt sich an den Hinweisschildern an den einzelnen Läden sehen.

Dieses kleine Viertel lässt erahnen, wie Tokio früher einmal ausgesehen haben mag. Das Areal, mit den kleinen Häuschen war bis Ende der 50er Jahre der Rotlichtbezirk und einige der Bars gibt es seit dieser Zeit. Ebenfalls bieten hier einige Karokebars unterhaltsamen Zeitvertreib, den wir uns natürlich auch nicht entgehen ließen.

So wie der Abend zuvor war auch dieser wieder einmal ein feucht-fröhlicher und nach dem Ausflug in dieses Vergnügungsviertel und viele Biere später musste ich mich von Veronica verabschieden, da sie am nächsten Tag zurück in die USA flog. So stand ich wieder alleine in der riesigen Stadt und machte mich auf den Weg zurück in mein Hotel.

Im nächsten und letzten Teil erzähle ich, wie ich auf Bill Murrays wegen wandelte und meine Kreditkarte überzogen habe.

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