8 Tage in Japan – Reisebericht und Tipps (6)

Hier Teil 1, Teil 2Teil 3, Teil 4 und Teil 5

Nach den ersten Eindrücken von Tokio am Vortag, stand mir an diesem Morgen erst einmal eine Exkursion weit raus aus der Stadt bevor. Bereits im Vorfeld dieser Reise hatte ich mir für diesen Tag eine Bustour zum Fuji und in den Hakone Nationalpark gebucht. Wirklich von Vorteil für mich war, dass der Busbahnhof, von dem der Tagesausflug in Reisebussen startete in nur fünf Minuten fußläufig von meinem Hotel erreichbar war.

Nicht weniger als drei Reisebusse, hauptsächlich gefüllt mit älteren Briten, aber auch Asiaten anderer Herkunft als Japan, umfasste die Kolonne, die sich dann um kurz nach neun in Bewegung setzte und über die Stadtautobahn in Richtung Fuji rollte.

Das Wetter war an diesem Märztag nicht das Beste, der bewölkte Himmel ließ mich nur ein einziges halbwegs vernünftiges Foto des heiligen Vulkanberges aus dem Bus heraus machen.

Angenehmer als das Wetter war unsere Reiseleiterin, eine nette Frau mittleren Alters, die uns zu allem Sehenswerten etwas erzählte und uns zur Überbrückung der langen Fahrten ein wenig die japanische Kultur näher brachte. Unter anderem sang sie uns ein Lied über den Fuji vor, welches alle japanische Schulkinder lernen. Das hörte sich in etwa so an:

In den Tagen zuvor hatte es in dieser Region auch noch einmal kräftig geschneit, was zur Folge hatte, dass wir nur zur ersten Station am Fuji auf 1200 Metern Höhe fahren konnten. Da wir aber nicht die einzigen drei Busse waren, die dies an jenem Tag vorhatten, standen wir erstmal gefühlt eine Stunde im Stau auf der Bergstraße, um zu dem kleinen, völlig überfüllten Parkplatz zu kommen.

Und da gab es mal original gar nichts zu sehen, außer einer Schranke über der Straße und Japanern in öffentlicher Funktion, die Touristen mit Trillerpfeifen aus dem Weg scheuchten, damit das Reisebuskarussell seine Bahnen drehen konnte. Daher machte ich halt davon Fotos.

Nach gut 15 Minuten in der Kälte, für die ich gerade so gekleidet war, ging es auch schon zurück zum Bus und nach einer kurzen Fahrt erreichten wir das Fuji Besucherzentrum, etwas weiter vom Berg entfernt gelegen. Auch von hier aus gab es keine Chance einen Blick auf den Berg zu werfen, da er sich in Wolken hüllte.

Dafür war das Besucherzentrum ganz informativ und hatte einiges zu den geologischen Eigenheiten des Vulkans zu zeigen. Besser besucht als diese Ausstellung war jedoch der Souvenirshop, wo auch ich ein paar Yen ließ.

Nach einem halbstündigen Aufenthalt ging die Fahrt weiter in Richtung Hakone Nationalpark. Was mich dort erwarten würde wusste ich nicht, aber ich war zuversichtlich, dass es nur besser werden konnte. Zumal sich auch langsam die Wolkendecke auflöste und der Nachmittag sonnig zu werden versprach.

Nach einer etwas längeren Fahrt erreichten wir das Ufer des Lake Ashi, einem Kratersee auf 700 Metern Höhe. Dort sollten wir in einem für eine offenbar größere Touristenmassen ausgelegtem Restaurant unser Mittagessen einnehmen. Auf drei Etagen war hier Platz für mehr als tausend Menschen (glücklicherweise waren es aber weitaus weniger), die ein überraschend schön hergerichtetes Mahl genießen konnten, welches bereits auf den langen Tischen angerichtet war.

Neben einer leckeren blubbernden Misosuppe auf einem Stövchen mit Kürbis, Pilzen und Gemüse, gab es noch ein bisschen Thunfisch-Sashimi (mit Quallenstreifen (kann man machen, muss man aber nicht)) und Beilagen, wie eingelegter Lotos und frittierte Fischchen, sowie Reis und dazugehörige interessante Würzungen.

Nach dieser Stärkung nahmen wir eine Fähre und fuhren über den halben See, um dort eine Seilbahn zu besteigen, die uns auf 1300 Meter Höhe auf den Gipfel des Mount Komagatake brachte. Das zweite mal an diesem Tag stand ich nun im Schnee, aber diesmal war es sonnig und der Ausblick über den Ashi-See war wirklich sehr schön. Und natürlich gab es hier oben auf dem Gipfel auch einen Schrein.

Aber selbst von hier wollte sich der Fuji nicht noch einmal richtig zeigen und hüllte sich in ein paar eigene Wolken, wie eine Diva in ihre Federboa.

Mittlerweile war es schon späterer Nachmittag geworden und nach einer Seilbahnfahrt abwärts, brachte uns die Fähre an das südliche Ufer des Sees, wo die Busse auf die warteten, die wieder nach Tokio zurückkehren wollten.

Die Rückfahrt war lang, da wir auf dem Weg in die Stadt mal wieder im Stau standen. Es war bereits dunkel, als uns unserer Reiseleitern am Bahnhof Shinjuku in die Nacht entließ. Da das Mittagessen nun schon eine ganze Weile her war, wollte ich erstmal vernünftig zu Abend essen, wobei ich wirklich die Qual der Wahl hatte.

Im Odakyu Department Store, einem der riesigen Einkaufzentren am Platz, fand ich in einer der oberen Etagen ein ansprechendes Restaurant mit koreanischer Küche, wo ich mir einen glühend heißen Steintopf mit einem Reisgericht und zum Nachtisch noch kleine Pfannkuchen gönnte.

Da ich an diesem Tag zwar viel herum gekommen war, aber wenig gelaufen bin hatte ich noch jede Menge Energie, um in dieser Nacht Tokio wenigstens ein wenig besser kennen zu lernen. Zuerst einmal wollte ich noch einmal nach Shibuya, um dort die Kreuzung einmal bei Nacht zu filmen. Gesagt, getan (keine Ahnung, was meine Finger da vor der Linse sollten):

Von Shibuya aus fuhr ich schnell mit der U-Bahn zu meinem Hotel um mich umzuziehen und machte mich dann zu Fuß auf zu meinem nächsten Ziel. Auf meinem Plan stand erstmal noch der Besuch der Bar „Twenty-Eight“ im 28. Stock eines Hochhauses im Stadtteil Chūō nicht weit von dem berühmten Fischmarkt mit Blick auf die Bucht von Tokio und auch von meiner Unterkunft gut zu Fuß zu erreichen. Der Weg dorthin war schon sehr beeindruckend, da ich hauptsächlich durch fast menschenleeren Straßen dieses Viertels lief. Nur ich und diese enormen Wolkenkratzer um mich herum und nichts sah älter als zwanzig Jahre aus.

Nachdem ich dann endlich den Eingang in das Gebäude gefunden hatte (Japaner sind in der Hinsicht äußerst freundlich und hilfsbereit) fuhr ich hinauf in die 28. Etage, in der sich das Foyer eines Hotels und die Bar befanden. Es war ca. 23.00 Uhr und alle Tische waren belegt, so dass ich erstmal im Foyer Platz nehmen musste und darüber informiert wurde, dass ein Tisch am Fenster grundsätzlich 1800 ¥ (ca. 14 €) kostet. Ich war damit einverstanden und konnte bald schon Platz nehmen. Ich lauschte den Pianoklängen und genoss den Ausblick über die nächtliche Metropole. Als Getränk wählte ich Wodka Martini, da mir das als angemessenstes Getränk für den Moment erschien.

Daraus wurden zwei, denn um halb zwölf musste die letzte Bestellung erfolgen. Dies hatte zur Folge, dass ich schon gut einen sitzen hatte, als ich die Bar später verließ.

Da ich die ganze Zeit mit meinem Freund im fernen Deutschland in Kontakt stand (Wifi sei Dank), suchte er mir noch einen Club raus, damit ich auch noch was von dem Nachtleben mitbekam. Das gestaltetet sich außerordentlich schwierig, da es an einem Mittwochabend in einer Stadt mit mehr Einwohnern als Kanada erstaunlicherweise nicht viel Auswahl gab. Aber ein kleiner Club namens „OATH“ hatte wohl eine Frankie-Knuckles-Tribute-Party, was sich für mich ganz gut anhörte. Vocal House geht ja immer.

Also nahm ich mir ein Taxi, welches mich durch die nächtlichen Hochhausschluchten zu meinem Ziel bringen sollte, von dem ich noch keine Vorstellung hatte. Daher war ich auch ein wenig verwundert, als mich der Taxifahrer in der Nähe von Shibuya einfach an einer Kreuzung zweier Schnellstraßen entließ. Gemäß meines GPS war ich richtig und es führte mich in eine Seitengasse, zu einem schmalen Gebäude, wo ich schon an den Klängen erkennen konnte, dass ich anscheinend richtig war. Vorbei an den rauchenden Jungs vor der Tür rein in den Club… der maximal 30 Quadratmeter groß war! 😀 Mit Blick auf ebenjene Schnellstraße von der ich kam.

Auch wenn der Laden klein war, die Musik stimmte und die Leute schienen alle sehr entspannt zu sein. Zudem war der kleine Raum mit frischen blühenden Kirschzweigen geschmückt und die Getränkepreise waren sehr moderat (1000 ¥ für das erste Getränk und jedes weiter 500 ¥). Ich tanzte, trank und hatte Spaß, kam auch mit den Einheimischen und anderen Touristen, hauptsächlich Amerikaner, ins Gespräch. Irgendwann meinte jemand, ob ich denn schon ‚Downstairs‘ gewesen wäre, was mich verblüffte, da ich nicht davon ausging, dass es ein ‚Downstairs‘ gäbe. Doch wie sich zeigte, konnte man zu einer kleinen Jazzkellerbar gelangen, wenn man einmal außen herum um dass Gebäude und runter auf das Schnellstraßenniveau ging. Dort war eine Tür in der Mauer und diese Bar war sogar noch kleiner.

Da mir die Musik aber nicht so zusagte war aber auch schnell wieder eine Etage höher. Irgendwann lernte ich dann Veronica aus Brooklyn kennen, selber gerade auf Zwischenstation in Tokio, vom Beruf Flugbegleiterin und wir hatten humoristisch auf jeden Fall einen Draht zueinander. Wir machten Party, bis alle um Punkt fünf rausgekehrt wurden und in Ermangelung einer adäquaten Afterhour streiften wir noch ein wenig durch die morgendlichen Straßen besorgten uns bei einem SevenEleven noch was zu essen und verabredeten uns für später zu einer Tour durch die Stadt.

Und von diesem Tag erzähle ich dann in Teil sieben.

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