8 Tage in Japan – Reisebericht und Tipps (4)

Hier Teil 1, Teil 2 und Teil 3

Hanami

Am nächsten Morgen war ich für meine Verhältnisse wieder viel zu früh wach und so saß ich nach dem reichhaltigen Frühstück schon um halb neun im Zug Richtung Kyoto. Hier gab es auf dem Weg zum alten Kaiserpalast dann auch die ersten Kirschblüten zu sehen. Sakura hatte somit offiziell für mich begonnen.

Überall, wo sich die ersten Kirschblüten zeigten, standen auch schon die Menschen bereit unzählige Fotos der Bäume zu machen. Man könnte annehmen, dass die Japaner mindestens zwei Wochen am Stück nichts anderes machen, als den Fortschritt der Blüte zu dokumentieren. Durchaus verständlich, denn an der rosaroten Blütenpracht kann man sich wirklich nicht satt sehen und das gehört ja auch essentiell zum Hanami, dem Feiern des Kirschblütenfestes dazu.

Kaiserpalast

Das eigentlich interessante an dem alten Kaiserpalast ist ja der Park drumherum, da kaiserliche Gebäude meist nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind und sich auch sonst eher abweisend darbieten. Hohe Mauern verhindern jeglichen Einblick in das Innere.

Dafür ist der große rechteckige Park um den Palast eine sehr hübsche Anlage, die auch der lokalen Bevölkerung gerne als Ausflugsort dient, oder wie an diesem morgen auch als ausgelagertes Sportareal für die armen Schüler, die einen Dauerlauf um den Palast machen mussten.

Da so früh noch wenig Menschen unterwegs hatte ich genügend Gelegenheiten menschenfreie Fotos zu machen, wie zum Beispiel vom Munakata Schrein, der in dem Palastpark gelegen ist.

Fushimi Inari Schrein

Im Anschluss an den Parkbesuch entschied ich mich noch eine kleine Zugfahrt zu einer anderen wichtigen Sehenswürdigkeit Kyotos zu machen, den Fushimi Inari Schrein. Und hier war von menschenleer keine Rede mehr.

Nahezu direkt vor dem Eingang dieses Schreins, der zu den drei wichtigsten des Landes zählt, purzelt man mit hunderten anderen Touristen und Pilgern aus dem Zug auf den Bahnsteig und eigentlich direkt eine Treppe herunter und steht einem der typischen zinnoberroten Toren (jap. „Torii“ (gut zu merken)) gegenüber, die überall in Japan den Übergang vom weltlichen zum sakralen Bereich markieren.

Der Schrein existiert seit 1300 Jahren und ist der/dem Gott/Göttin Inari Kami gewidmet, welche(r) sozusagen als Schutzgott/göttin des Reis, der Fruchtbarkeit und der Füchse gilt. Steinstatuen dieser Füchse (Kitsune) sind überall auf dem Areal zu sehen und haben auch die Rolle der Schreinwächter.

Es sind eindeutig mehr Torii, als auf dieser Karte zu sehen

Die Anlage umfasst jedoch mehr, als nur den großen Schrein. Im Grunde ist die Schreinanlage ein kompletter Berg mit einem Waldweg bis zum Gipfel, an dem man an einigen weiteren Nebenschreinen und auch Friedhöfen vorbeikommt. Das besondere an diesem Weg sind die tausende Torii die man dabei durchschreitet und die so eng aneinander stehen, dass sie rotorange leuchtende Tunnel bilden.

Nach einem einstündigen Aufstieg durch rote Tore und Bambuswälder, (bei dem etliche 80-jährige japanische Damen mit Nordic Walking Stöcken einfach an mir vorbeigezogen sind) gab es glücklicherweise ein Gasthaus, in dem ich mir ein Mittagessen genehmigen konnte. Wie oft üblich in Japan saß man dort an kleinen Holztischchen auf dem Boden. Nach der kleinen Wanderung bergauf war es für mich alles andere als einfach meine Beine irgendwie um oder vor dem Tisch zu arrangieren.

Dafür würde ich mit einem schönen Ausblick über Kyoto und einer superleckeren Nudelsuppe mit Omelett-Einlage belohnt.

Nach diesem Essen machte ich mich auf den Weg zurück ins Tal, wo man, unvermeidlich an Ein- und Ausgängen von japanischen Schreinen, durch eine Fressmeile gehen muss. Hier genehmigte ich mir noch einen der extrem fluffig-weichen Pfannkuchen, mit süßer Sojabohnen-Füllung, bevor ich mich mit dem Zug zurück Richtung Osaka aufmachte.

Da ich bereits im Zug von Jetlag fast übermannt wurde musste ich mich im Hotel erst mal ein wenig hinlegen. Doch für den Abend hatte ich auf jeden Fall noch ein Ziel, bevor ich am nächsten Tag diese Stadt verlassen würde.

Umeda Sky Building

Als es dunkel geworden war machte ich mich auf nach Umeda, das Stadtzentrum von Osaka, da ich unbedingt einmal das nächtliche Panorama der Stadt sehen wollte. Tagsüber hatte Osaka auf mich ja keinen großen Eindruck hinterlassen. Der geeignetste Ort in Osaka, um einmal die Skyline auf sich wirken zu lassen, ist das Umeda Sky Building, welches ein wenig vom Zentrum gelegen auf seinen obersten drei Etagen von insgesamt 40 eine tollen Blick bis nach Kobe ermöglicht.

Wie eine Brücke zwischen zwei Türmen auf 170 Metern Höhe liegen die Aussichtsdecks, welche man im letzten Teil auf frei zwischen den Türmen schwebenden Rolltreppenröhren erreicht.

Der Ausblick von da oben machte auf jeden Fall deutlich, dass Osaka eine mächtig große Stadt ist. Millionen Menschen und Millionen Lichter.

Erstaunlicherweise war es auf dem offenen Besucherdeck windstill und ganz ruhig, so dass man das Panorama ganz in Ruhegenießen konnte. Auf dem unteren Besucherdeck hingegen konnte man gemütlich auf Sofas die Stadtansicht durch Fenster anschauen.

Ich genehmigte mir in der Stardust Lounge auf der unteren Etage der Brücke noch einen Moscow Mule, bevor ich mich zurück zum Hotel begab.

Im nächsten Teil schieße ich mich mit dem Shinkansen nach Tokio und lerne, was eine wirklich große Stadt ist.

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