8 Tage in Japan – Reisebericht und Tipps (2)

Zum ersten Teil geht es hier

Osaka (Tag 1)

Meine erste Zugfahrt in Japan endete in der Station Namba, die vom ersten Eindruck irgendwie in eine Art Shoppingmall-Komplex eingebettet war. Nach ersten vergeblichen Orientierungsversuchen (WLAN war noch im Umschlag im Koffer) fand ich dort eine Touristeninformation, wo mir eine nette junge Frau direkt alles mitgab, was man so gebrauchen kann; U-Bahn-Fahrplan und Broschüren über Sehenswürdigkeiten voller Anzeigen für Restaurants. Und von denen gibt es wahrlich ausreichend, doch dazu später.

Bald darauf war ich mit der Yotsubashi-Linie der U-Bahn unterwegs zu meinem Hotel Richtung Norden. Sollte es mal jemanden meiner Leser nach Osaka verschlagen kann ich das Cordia Hotel nur empfehlen. Im Februar dieses Jahres erst renoviert, ist es ein kleines aber stylishes Hotel in einer ruhigen Seitenstraße. Leider war ich an diesem Tag noch zwei Stunden zu früh, daher ließ ich meinen Koffer im Hotel und machte mir einen ersten Eindruck dieses Teils von Osaka. Das Hotel ist nur einen Block vom Ufer eines Südausläufers des Yodo Rivers entfernt, und ich unternahm zum Zeitvertreib einen kleinen Spaziergang.

Ich muss sagen, dass mich der Anblick dieses Teils von Osaka nicht gerade umgehauen hat. Doch zwischen den großen Betonkästen bekam ich einen ersten Eindruck von den kleinen Straßen, in denen sich die Restaurants und Bars aneinander und übereinander reihten und die ich am Abend noch einmal aufsuchen wollte.

Toiletten

Viel beeindruckender fand ich hingegen meine erste Begegnung mit einer japanischen Toilette, als ich endlich mein Zimmer im siebten Stock beziehen konnte. Alles was ihr klischeehaft über die Toiletten in Japan gehört habt stimmt garantiert.

Es war nicht direkt ersichtlich, wie sie anzuwenden war, aber probieren geht über studieren. Und so bekam ich die erste… Arschdusche(?) meines Lebens. Die japanischen Toiletten sind in dieser Hinsicht den hiesigen Primitivschüsseln um mindestens 20 Jahre voraus. Es gibt eine Bidetfunktion für vorne und hinten mit Feinjustierung der Strahlausrichtung und Intensität und manchmal auch noch eine Ventilatorfunktion zum Trocknen und auf öffentlichen Toiletten zudem ein simuliertes Spülgeräusch, um andere Dinge zu übertönen. Wer das erste Mal nach Japan kommt, verbringt definitiv mehr Zeit auf der Toilette als gewöhnlich. Spülen musste ich nie. Das machte die Maschine von ganz alleine.

TV

Der Jetlag traf mich nun (und die nächsten 5 Tage) am späten Nachmittag und ich vertrieb mir, die Füße hochgelegt, noch ein bisschen die Zeit bis zum Abendessen mit dem japanischen Fernsehprogramm. Dieses wiederum hinkt entwicklungstechnisch hinterher, wenn man das so sagen kann. Es ist zumindest meist sehr bunt:

Doch wird es auch sehr ernst und andächtig wie auf einer Trauerfeier, wenn Shōgi gespielt wird, eine Abwandlung von Schach.

Essen übersetzen

Ein wenig irritiert vom medialen Angebot, jedoch auch ausgeruht wollte ich nun mein erstes Abendessen im Hotelrestaurant ausprobieren. Doch vor den Genuss hat der Herrgott die babylonischen Sprachwirren gestellt. Die Menükarte des Restaurants waren nicht auf internationale Gäste ausgelegt und so musste ich mir mit Google Translator meinen Teil aus der Karte zusammenreimen („Schüssel Reis überstiegen mit Huhn und Ei“, Hm, Okay. „Geräucherte Ei und Schwelbrand wollen diesen Kartoffelsalat“, aha. „Rühmen grünen Tee warabimochi die Textur und Motchiri mir dem Reiskuchen dieses Adlerfarn Pulver“, WTF???). Was schlussendlich dabei herauskam, war nicht das schlechteste, wie ich finde.

Zartes Rindfleisch mit Pesto, eine herzhafte Schüssel Reis mit Fleisch und Ei, sowie ein Stück Käsekuchen mit Limettensoße. Geschmacklich alles sehr gut, die Portionen etwas klein, aber für das erste gut.

Sonezakishinchi

So gestärkt machte ich mich noch einmal auf den Weg in die Straßen des nördlichen Zentrums. Da ich alleine unterwegs war und auch sonst noch nicht genau wusste wohin, hatte ich mir im Vorfeld gut bewertete Bars rausgesucht. Daher bin ich gezielt mit Google Maps in die Straßen des kleinen Stadtteils Sonezakishinchi, um die „Bar K“ aufzusuchen. Es war trotzdem nicht einfach sie zu finden, da es sich um eine Kellerbar handelte, die über eine kleine enge Treppe zu erreichen war. Innen hatte es was von einem britischen Gentlemen’s Club, sehr klein, mit 20 Personen schon sehr gut gefüllt. Zum Glück gab es einen Basil Smash in der Karte und Wasabi-Nüsschen, da fühlte ich mich ja schon fast wie Zuhause.

Grundsätzlich muss ich sagen, dass es die Japaner nicht so sehr mit Cocktails haben, aber wahrscheinlich bin ich einfach nur von der Auswahl in Köln verwöhnt.

Nach diesem kurzen Ausflug erkundete ich noch ein bisschen die Straßen dieses Viertels, welches unmittelbar südöstlich des eigentlichen Zentrums Umeda gelegen ist. In Osaka gibt es einige ewig lange überdachte Geschäftsstraßen, in denen neben Einzelhandel auch Unmengen von Restaurants untergebracht sind. Parallel dazu gibt es eine einige unterirdische Passagen voller Geschäfte und Menschen, die mehrere Blocks auseinander liegende U-Bahn-Stationen miteinander verbinden. Man kann so kilometerweit laufen, ohne einmal draußen gewesen zu sein.

Einige Impressionen meines ersten Abends in Osaka:

Bei meinem abendlichen Rundgang fielen mir erstmals die kuriosen Vitrinen vor den Restaurants auf. Anstelle von Speisekarten ist es in Japan üblich die erhältlichen Speisen in Kunststoffmodellen in Displays oder im Fenster am Eingang zu präsentieren, wobei das Essen der Gravitation zu widerstehen scheint. Diese Modelle sind sehr lebensecht und detailliert gearbeitet und offenbar auch exakt auf die Restaurants zugeschnitten. Das ganze sieht meist sehr appetitlich, wenn auch etwas zu glänzend aus.

Mit diesen neuen Eindrücken beendete ich meinen ersten Tag auf japanischem Boden und konnte trotz Jetlag in dem kuschelig weichen Hotelbett sehr gut schlafen.

Im nächsten Teil geht es um ein ungewöhnliches Frühstück, ein neues altes Schloss und Eindrücke aus dem Vergnügungsviertel Namba/Dōtonbori.

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